Stadt Essen will die Kleingärten für die Zukunft sichern und weiterentwickeln
Hohe Nachfrage nach Grün

 8.500 bewirtschafteten Parzellen gibt es in Essen. Ihre Pächter sind in 109 Gartenbau- und Kleintierzüchtervereinen organisiert, die dem Stadtverband Essen der Kleingärtnervereine angehören. Dieser feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen.
  • 8.500 bewirtschafteten Parzellen gibt es in Essen. Ihre Pächter sind in 109 Gartenbau- und Kleintierzüchtervereinen organisiert, die dem Stadtverband Essen der Kleingärtnervereine angehören. Dieser feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen.
  • hochgeladen von Frank Blum

Nordrhein-Westfalen ist das einzige Bundesland, in dem die Förderung des Kleingartenwesens über die Landesverfassung festgesetzt ist. "Die Kleingartensiedlung und das Kleingartenwesen ist zu fördern", heißt es in Artikel 29, Absatz 3. Aktuell sind externe Fachleute in Essen mit einem Kleingartenentwicklungskonzept beschäftigt. Das lässt sich die Stadt Essen immerhin 198.000 Euro kosten. Über die Hintergründe sprach der Stadtspiegel mit Christina Waimann, Pressereferentin im Presse- und Redereferat der Stadt Essen.

Was ist das zentrale Ziel des Kleingartenentwicklungskonzeptes und wie ist der aktuelle Stand? Wie lange wird es dauern, bis konkrete Projekte umgesetzt werden? Welche könnten dies sein?

Das zentrale Ziel des Kleingartenentwicklungskonzeptes, das am 24. Mai 2017 im Rat der Stadt Essen auf den Weg gebracht wurde, ist, diese Gärten auch für die grüne Zukunft der Stadt Essen zu sichern und nachhaltig weiterzuentwickeln.
Mit dem Stadtverband der Kleingärtnervereine in Essen e.V. besteht seit 1984 ein Generalpachtvertrag über die städt. Kleingartenanlagen, dieser wurde zuletzt in 2013 neu abgeschlossen. Die Stadt Essen verfügt heute über 109 städtische und private Kleingartenvereine mit insgesamt 262 Kleingartenanlagen auf einer Fläche von rund 314 ha und rund 9.000 aktiven Kleingärtnerinnen und Kleingärtnern. Insbesondere in den stärker verdichteten Stadtteilen sind die Kleingartenanlagen ein zentraler und unverzichtbarer Teil der Grün- und Freiflächenversorgung der Stadt. Gerade die Naherholung hat an Bedeutung gegenüber der Selbstversorgung zugenommen.
Es entstehen aktuell zunehmend alternative Gartenformen, darüber hinaus besteht ein erheblicher Nutzungsdruck auf die Kleingartenflächen, zum Beispiel für die Schaffung von Wohnraum in zentraler Lage. Die derzeitigen Pachtverhältnisse und die demographische Entwicklung der Stadtbevölkerung lassen den Rückschluss zu, dass die aktuell ungebrochen hohe Nachfrage nach Gärten eine positive Trendwende in der Bedarfssituation darstellt.
Die Erstellung des Konzeptes erfolgt in zwei Phasen: Das von Grün und Gruga beauftragte externe Planungsbüro Emkes GmbH Bochum ermittelt derzeit zunächst die erforderlichen Grundlagen, Bestandsdaten und Kriterien für das Konzept. In dieser Phase werden alle städtischen und nichtstädtischen Angebotsstrukturen zur kleingärtnerischen Flächenversorgung untersucht. Hierzu gehören auch die Pachtflächen von privaten Anbietern und die Nutzung von Grabelandflächen. Auf dieser Basis werden in weiteren Schritten anhand rechtlicher, organisatorischer und planerischer Kriterien Handlungsebenen, Strukturen und Rahmenbedingungen auf der städtischen Ebene analysiert und für eine Bewertung angelegt. Im zweiten Teil der Bearbeitungsphase stehen die raumbezogenen Sachverhalte und Planungsdaten u.a. der verbindlichen Bauleitplanung im Vordergrund. Untersucht werden alle für das Kleingartenwesen in Essen relevanten Indikatoren sowie die Flächen- und Personendaten. Dazu gehören z. B. auch demografische Daten für eine Ableitung der zukünftigen Bedarfsentwicklung und Flächenversorgung. Eine qualitative Bestandsaufnahme der wichtigsten Kleingartenanlagen soll Aussagen für die perspektivische Entwicklung der Flächen liefern. In weiteren Arbeitsschritten werden Konflikte und Potentiale flächendeckend für das Stadtgebiet in einer Analyse erfasst. Die zwei Maßnahmenteile bilden im Ergebnis das Kleingartenentwicklungskonzept, das voraussichtlich Ende 2019 vorliegen soll.

Der Stadtverband Essen der Kleingärtnervereine blickt in diesem Jahr auf sein 100-jähriges Bestehen zurück. Müssen sich die rund 9.000 Mitglieder um die Zukunft der 8.500 bewirtschafteten Parzellen sorgen? Sprich: Werden demnächst im großen Stil Parzellen in Bauland umgewandelt?

Das Kleingartenentwicklungskonzept dient nicht dazu, Kleingärtenflächen in Bauland umzuwandeln, sondern sie für die Zukunft aufzustellen. Das Konzept entsteht zudem in enger Abstimmung mit dem Stadtverband. Es haben bereits mehrere Gespräche zwischen Vertreterinnen und Vertretern des Verbandes, Landschaftsarchitekt und Dipl. Ökologe Detlev Emkes vom Planungsbüro und Grün und Gruga stattgefunden. Die Mitwirkung innerhalb des Prozesses ist von erheblicher Bedeutung, denn die Kleingärtnerinnen und Kleingärtner füllen jetzt und zukünftig das Kleingartenwesen mit Leben. Deshalb findet im März ein erster Workshop statt, zu denen interessierte Kleingärtnerinnen und Kleingärtner eingeladen sind.

Nach einer Studie über die Zukunft des Kleingartenwesens in Nordrhein-Westfalen wird deutlich, dass vor allem die dicht besiedelten Städte des Ruhrgebiets weiterhin Heimat des Kleingartenwesens sein werden. Zwar werde die Zukunft nicht vom Neubau von Kleingartenanlagen geprägt sein, aber vom Umbau und der Sanierung und von Maßnahmen zur besseren Eingliederung in das gesamtstädtische Grünsystem, so die Gesamtbewertung der Fachleute. Wird dieses Ziel auch im Mittelpunkt des Essener Kleingartenentwicklungskonzeptes stehen? Wie könnten konkrete Maßnahmen ausschauen?

Die Ergebnisse der Studie bilden eine Grundlage für das Essener Kleingartenentwicklungskonzept. Das Planungsbüro Emkes, das jetzt für die Stadt Essen tätig ist, führte die erwähnte Studie „Zukunft des Kleingartenwesens in Nordrhein-Westfalen“ gemeinsam mit dem Institut für Raumplanung (IRPUD) und der Fakultät Landschaftsarchitektur/ Gartenbau/ Forst der Fachhochschule Erfurt durch. Welche konkreten Maßnahmen auf den Weg gebracht werden, ist Inhalt des Entwicklungskonzeptes, das Ende 2019 vorliegt.

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