„Art for Care“ im Marienhaus

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Wer dem Marienhaus, Otilienstraße 9, einen Besuch abstattet, der findet sich plötzlich auf dem alten Rathausplatz oder vor dem Café Overbeck im Jahre 1950 wieder. Wie kann das sein, dieser Zeitsprung?
Christian Kröll, Verwaltungsleiter des Marienhauses erklärt: „Zusammen mit der Künstlerin Evelyn Duerschlag haben wir in unserer Einrichtung ein Pilotprojekt gestartet.“
Ziel des Projektes ist es die mitunter weißen Wände neu zu gestalten. Den Therapieräumen soll so mehr Leben eingehaucht werden. Ein Teil des Projektes ist nun fertiggestellt. So staunt man nicht schlecht, wenn man in einen Essenssaal kommt und sich plötzlich in der Fußgängerzone Kettwiger Straße vor dem Café Overbeck vorfindet. Lässt man den Blick schweifen, steht man plötzlich auf dem alten Rathausplatz anno 1950.
„Der Trick ist ja, dass die Senioren sich erinnern wie es früher gewesen ist und sich somit wieder biographische Bezugspunkte bilden“, berichtet Evelyn Duerschlag.
Eigentlich würde die Anwesenheit von Duerschlag schon reichen, um frischen Wind in die Katholische Altenwohn- und Plegeeinrichtung zu bekommen. Denn Duerschlag ist ein Wirbelwind und sprüht geradezu vor Ideen und guter Laune. Ein großer Vorteil: Sie steckt die Heimbewohner mit dieser an und unterhält sich auch liebend gerne mit den Bewohnern.
„Gemalt habe ich ja während des laufenden Betriebes. Klar, habe ich versucht die Senioren nicht zu stören, aber es fällt schon auf, wenn sich eine Wand so stark verändert.“ Doch das war kein Problem denn so ein Kunstwerk „malt sich nicht von heute auf morgen“, gibt Duerschlag zu.
„Die Bewohner hatten genug Zeit, sich an die Sache zu gewöhnen“, pflichtet auch Kröll bei. Diese Akzeptanz durch das sogenannte „work in progress“ entsteht dadurch, dass die Fortschritte beobachtet werden können.
Der Clou: „Ich habe die Kunstwerke so gemalt, dass sie wirklich nur im Sitzen ihre ganze Vielfalt präsentieren“, so Duerschlag. Und das mit Absicht. Denn wenn man sich vorstellt, dass die meisten Menschen in einer Pflegeeinrichtung des Laufens nicht mehr mächtig sind, offenbart sich die Überlegung: „Es muss im Sitzen so wirken, als würde man wirklich auf dem alten Rathausplatz stehen“, verdeutlicht Duerschlag enthusiastisch. Und es ist wirklich so: Der Betrachter, der vor den Wänden steht, hat das Gefühl mindestens 30 Meter weit blicken zu können. Noch besser: „Ich male alle Bilder so, dass man sie von allen Seiten betrachten kann und die Perspektive nicht verloren geht.“ Und es stimmt. Ob man nun rechts oder links steht, das Rathaus hat immer einen dreidimensionalen Effekt.
Das Schöne: Das Projekt zeigt schon Wirkung! „So konnten mir einige Bewohner noch genau die Nummern der Straßenbahnen sagen, sie hatten sich durch das vorhandene Bild erinnert“, berichtet die Künstlerin. Für Demenzpatienten ist dies somit ein gutes Training.
Doch wie lässt sich ein solches Projekt realisieren? „Als Unternehmen hat man die Möglichkeit, sich auf einer unserer Wände verewigen zu lassen, wenn man denn das Projekt sponsort. Denn die benutzte Farbe ist nicht günstig und auch die Arbeit von Frau Duerschlag will honoriert werden“, so der Verwaltungsleiter. Trotzdem kann sich die Einrichtung nicht über Sponsorenmangel beklagen. Beim kürzlich stattgefundenen Tag der Offenen Tür hat zum Beispiel Bürgermeister Rolf Fliß seine Zusage für das Projekt gegeben. Ein Pilotprojekt als Selbstläufer. „Die Heimbewohner können mit am Werk malen und sich einbringen. Einige sind auch schon auf den Wänden zu finden“, freut sich Duerschlag. So sind beim Café Overbeck eindeutig Christian Kröll und Manfred Sages zu erkennen.
Wer sich das Ganze einmal vor Ort ansehen oder selber Dank seiner Spende auf einer Wand gemalt werden möchte, der setzt sich einfach mit Christian Kröll unter: 02 01 / 87 44 00 in Verbindung.
Ziel ist es - vielleicht später auch mal mit Schülern- die Räume des sozialen Dienstes neu zu gestalten. Dort entsteht dann die Gruga...
Fotos: Decker

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