Den Kindern etwas zutrauen

Elsbeth Peters, Schulleiterin der Herderschule (links) und Sekretärin Claudia Kalveram (rechts).
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Wo: Herderschule, Postreitweg 76, 45145 Essen auf Karte anzeigen

Die Herderschule in Frohnhausen bietet jahrgangsübergreifenden Unterricht und viel Spielraum für Mitbestimmung der Kinder.

Schmucke Kleingärten, die Markuskirche und der Postreitweg, der an dieser Stelle fast ländlich wirkt – wer vom Umfeld der Herderschule aber darauf schließt, dass hier ganz traditionell unterrichtet wird, täuscht sich. Denn die Grundschule am Postreitweg hat ein ziemlich fortschrittliches Konzept.

„Demokratische Haltung“

„Wir legen großen Wert auf eine demokratische Haltung“, eröffnet Schulleiterin Elsbeth Peters das Gespräch. Die Schulordnung der Gemeinschaftsgrundschule wurde auf der Grundlage der UN-Kinderrechte verfasst. Sie enthält zehn Schülerregeln, die die Kinder zu einem freundlichen, respektvollen und hilfsbereiten Verhalten verpflichten. Umgekehrt gibt es in der Ordnung aber auch zehn „Vertragspunkte“ für Lehrerinnen und Erzieherinnen. Die Erwachsenenregel Nr. 1 lautet zum Beispiel: „Ich bin ein Vorbild und verhalte mich entsprechend.“ Damit sendet die Schule ein klares Signal: Für das Gelingen des Schulalltags sind alle mitverantwortlich.

Mitreden erwünscht

Die Schülerinnen und Schüler sollen mitreden können in der Herderschule. Gelegenheit dazu gibt es jeweils montags, wechselweise entweder im Klassenrat (den die Kinder selbst leiten) oder in der Schulversammlung (geleitet von der Rektorin). Im „Kinderparlament“ beraten die Klassensprecher sich mit der Schulleitung. Und auf dem Herder-Schulhof sind in den Pausen jeweils zwei ältere Schüler als „gelbe Engel“ unterwegs, die bei Auseinandersetzungen auf dem Schulhof eingreifen und versuchen, die Situation erst einmal selbst zu regeln. Elsbeth Peters: „Uns kommt es sehr darauf an, dass die Kinder Verantwortung übernehmen, weil sie sich dann mehr mit den Regeln identifizieren.“
Damit, dass den Kindern etwas zugetraut werde, habe die Schule sehr gute Erfahrungen gemacht, betont Rektorin Peters. Die Toiletten seien beispielsweise deutlich sauberer, seit das Kinderparlament beschlossen hat, dass eine Toilette immer nur von einer bestimmten Lerngruppe benutzt werden darf. Dass Deutsch die „Schulhofsprache“ sein soll, hätten die Kinder auch selbst vorgeschlagen – damit einfach alle verstehen können, was jemand sagt.

Zwei Jahrgänge in einer Klasse

In Frohnhausen und Altendorf ist die Herderschule bisher die einzige Grundschule, in der alle Schüler in jahrgangsübergreifenden Gruppen lernen. Als Elsbeth Peters 2010 die Leitung am Postreitweg übernahm, wurden die Jahrgänge 1 bis 4 noch zusammen unterrichtet. Peters kannte und schätzte dieses Unterrichtsmodell schon aus ihrer vorherigen Schule in Eitorf/Sieg. Allerdings gab es an der Herderschule zu dieser Zeit einen Generationenwechsel. Die wenigsten neuen Kolleginnen waren für die anspruchsvolle Aufgabe ausgebildet, alle Altersstufen gemeinsam zu unterrichten. Elsbeth Peters reagierte, indem sie das Konzept umstellte. Ab 2013/14 bestanden die Lerngruppen dann „nur noch“ aus zwei Jahrgängen.
Seitdem gibt es auf jedem Flur je eine gemischte Lerngruppe mit Erst- und Zweitklässlern und eine mit Dritt- und Viertklässlern. Die Lehrerinnen behandeln möglichst viele Themen, die für alle Altersstufen interessant sind. Damit die Kinder verlässliche Bezugspersonen haben, geben die Klassenlehrerinnen möglichst viele Stunden in beiden Gruppen. Auch der Offene Ganztag findet in den Klassenräumen statt. „Räumlich hätten wir die Nachmittagsbetreuung sonst nicht untergekriegt“, bedauert die Schulleiterin. „Das Ganze hat aber den Vorteil, dass die Erzieherinnen einen besseren Einblick in die Gruppen haben.“

Zusammenarbeit ist Trumpf

Dass in der Herderschule selbstständiges Lernen und Projektarbeit normal sind, ist vielleicht ein Grund, warum es im Haus so ruhig ist. Trotz offener Türen. Auch, wenn eine Besucherin von außerhalb vorbeischaut. Einige Kinder knien im Flur auf dem Boden und schreiben konzentriert vor sich hin. Der „Flurunterricht“ ist beliebt, berichtet Elsbeth Peters: „Ab und zu darf die ganze Gruppe den Raum wechseln. Dann jubeln alle. Und die arbeiten!“
Beim jahrgangsübergreifenden Lernen ist Zusammenarbeit ganz wichtig. Die Schulleiterin: „Wenn wir in der Vorweihnachtszeit Adventsgeschichten schreiben, diktieren die Erstklässler den Viertklässlern ihre Geschichten. Die Großen schreiben alles auf und geben den Texten den letzten Schliff. Und die Zweitklässler sind Vorbild für die Kleinen, wenn sie ihnen vorlesen. Das motiviert!“ In der Herderschule sind sie froh darüber und möchten nicht mehr auf das besondere Unterrichtsmodell verzichten. Auch die Anmeldezahlen sprechen für sich: Tendenz steigend.

„RuhrFutur“ und „Frag die Peters“

Die Schüler am Postreitweg kommen aus ganz verschiedenen Verhältnissen – bunt gemischt wie der Stadtteil Frohnhausen. Eine „gute Mischung“ sei das, findet Schulleiterin Peters. Doch bei den unterschiedlichen Voraussetzungen und wenigen Lehrerinnen ist es nicht leicht, jedes Kind wirksam zu fördern. Professionelle Unterstützung dabei hat die Grundschule sich kürzlich geholt. Im Rahmen der Bildungsinitiative „RuhrFutur“ (unterstützt u. a. von der Stiftung Mercator und mehreren Hochschulen) wurde das Kollegium drei Jahre lang gecoacht. „Das war unglaublich gut!“, schwärmt die Rektorin.
Und die Eltern? Für sie hat die Herderschule mit „Frag die Peters“ ein eigenes Sprechstundenformat erfunden. Viermal im Halbjahr lädt Schulleiterin Peters zu einer zwanglosen Gesprächsrunde bei Kaffee und Brötchen ein. „Da ist die Hemmschwelle nicht so groß, zur Rektorin zu gehen“, schmunzelt die erfahrene Pädagogin, die 2017/18 ihr letztes Dienstjahr am Postreitweg hat. „Und für mich ist es wertvoll zu erfahren, was die Eltern bewegt.“

Infos

Herderschule
Städtische Grundschule / Gemeinschaftsgrundschule
Adresse: Postreitweg 76, 45145 Essen
Gegründet: 1968
Anzahl Schüler: 199
Anzahl Lehrer: 12
Anzahl pädagogische Mitarbeiter: 5
Schulleiterin: Elsbeth Peters
Website: www.herderschule-essen.de

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