Die Lobby ist da! Hebammen bleiben unersetzlich

Eva Albert macht es. Sie unterstützt die Hebammen und sorgt für ein Lobby- Netzwerk mit www. hebammenunterstützung.de und deutschlandweiten Demos. Dass alles mit Baby um den Bauch!
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  • Eva Albert macht es. Sie unterstützt die Hebammen und sorgt für ein Lobby- Netzwerk mit www. hebammenunterstützung.de und deutschlandweiten Demos. Dass alles mit Baby um den Bauch!
  • hochgeladen von Augustine Gueffroy

Eltern und Hebammen demonstrieren für die Zukunft der Schwangerenwürde

Seit je her leisten Hebammen wichtige handwerkliche, aber auch psychologische Arbeit.
Nun soll das große Aus für diesen Beruf in der Tür stehen.
„Zum Glück ist die Berufsbedrohung unserer Hebammen deutschlandweit schon sehr bekannt“, sagt Patricia Plückthun. „Überall reden die Eltern darüber, in Stillgruppen, Kindergärten und auf dem Spielplatz.“

Im Bekanntenkreis der Mutter dreier Kinder „ist es ganz normal, zur Geburt und während der Zeit vor und nachher eine Beleghebamme zur Seite zu haben.“ Ihre Zwillingskinder kamen als geplanter Kaiserschnitt zur Welt. „Aber auch hier war eine direkte und durchgehende Betreuung für mich absolut wichtig. Es gruselt mich, wenn Frauen sich diesen unabsehbaren Situationen ohne Hilfe hingeben und dann mit Traumen aus dem Krankenhaus zurückkehren.
Dass es sich hier also um ein Thema ohne Wert oder ohne Lobby handle, kann als Aussage nicht gehalten werden. Nicht, seit Hebammen und Eltern ihre Stimme erhoben haben.

„Beinahe täglich gehen wir nun auf die Straße und tragen den Appell zu den Menschen: Rettet unsere Hebammen!“ Eva Albert ist eine dieser Mütter, die laut die Lobby der Hebammen stärkt. Sie gründete am 14. Februar die Facebook-Gruppe Hebammen-Unterstützung. „Binnen weniger Tage hatten wir 15000 Mitglieder, Zahlen steigend.“

Die karismatische Frau stand nun am 5. März mit Tragetuch um den Bauch auf dem Willi- Brandt-Platz am Hauptbahnhof und um sie herum viele hundert Menschen, unzählige Kinderwagen und dröhnende Rufe. “Wir wollen freie Geburtsortwahl!“ „Hebammen für unsere Kinder!“
Sie selbst hat ihre beiden Kinder zuhause geboren. Für sie und alle Frauen in Deutschland, die eine Geburt im Krankenhaus ablehnen oder eine durchgehende Betreuung sichern wollen, kann es im Sommer 2015 unmöglich sein, eine betreuende Hebamme zu finden, da die freiberuflichen Hebammen deutschlandweit wegen des drohenden Versicherungswegfalls ihre Berufung aufgeben müssen.
Auch die Vorsorgen und Nachbetreuung im Wochenbett sowie in der gesamten Stillzeit fielen damit zur Gänze weg, für alle Mütter.

„Das ist ein Zustand wie in Bulgarien, wo es keine Hebammenbetreuung gibt“, erzählt Gergana Asmar. Sie hat ihr erstes Kind in Deutschland geboren und ist sehr erleichtert darum. „Ich habe im Krankenhaus entbunden. Die Hebamme dort war ganz liebevoll und hat mir wirklich geholfen. Ich weiß nicht, wie so was ohne die erfahrenen Frauen gehen soll.“ Zur Nachsorge konnte Asmar eine Hebamme finden, für die Geburt selbst war es für sie zu spät. Schon ab dem dritten Schwangerschaftsmonat kann es unterdessen schwer werden, eine Beleghebamme zu finden.

„Unsere Facebook-Seite ist nur eine von vielen“, freut sich Eva Albert. „Das zeigt noch mal wie groß das Interesse der Menschen ist.“
Über 350 Unterschriften konnte sie an diesem Nachmittag sammeln, um sie Hermann Gröhe vorzulegen, welcher seit dem 17. Dezember 2013 Bundesminister für Gesundheit im Kabinett Merkel ist. Über 240.000 Unterschriften wurden bereits gesammelt „und es werden täglich mehr, sowohl online als auch über die Demos.“ Der Willi Brandt Platz war überfüllt mit fliegenden Luftballonherzen und Plakaten. Eltern und Interessierte Menschen vielseitigster Herkunft haben teilgenommen, um klar zu machen: „Das ist nicht Recht! Wir wollen Hebammen!“

Vanessa Schlingmann, selbst im Kreißsaal Werden geboren, war sich sicher - als sie ihr erstes Kind erwartete, suchte sie sich eine Beleghebamme, um während der Schwangerschaft und unter der Geburt „professionell und liebevoll versorgt zu sein.“ Ihre Hebamme war bei der Geburt der kleinen Luana durchgehend Ansprechpartnerin und erfahrene Hilfe. Die Mutter ist entsetzt, dass dieser Kreißsaal vor einiger Zeit unerwartet schließen musste, „wo doch kurz vorher noch ganz liebevoll umgestaltet wurde.“ Das Kreißsaalschließen ist ein deutschlandweites Phänomen. Klinikhebammen können oftmals dem hohen Andrang in den zentralen Kliniken kaum noch gerecht werden. Eine durchgehende Betreuung unter der Geburt ist hier kaum möglich und Komplikationen somit häufiger.

„Ich wünsche uns nicht den Zustand aus Russland, wo der Kaiserschnitt als normale Geburt angesehen wird und es keine Wochenbettbetreuung gibt.“ Die junge Mutter Luzie Wortmann hat ihr erstes Kind in einem Essener Krankenhaus ohne persönliche Begleitung geboren. „Das war wirklich schön. Man bedenke für welchen Lohn diese Frauen ihre Arbeit machen. Das ist ein Beruf mit Leidenschaft, wovon Frau kaum leben kann.“ Dennoch, hätte sie früher von den Möglichkeiten gewusst, hätte sie sie genutzt. „Ich konnte die ersten drei Wochen nach der Geburt kaum laufen. Wie soll Frau denn da zum Arzt gehen? Das ist Utopisch. Ich hatte dann zum Glück eine Hebamme, die nach hause kam.“ Bei ihrem nächsten Kind wird sie sich „auf jeden Fall um eine Beleghebamme von Anfang an bemühen, wenn es sie dann noch gibt.“

Termine der nächsten Demos und Unterstützungsmöglichkeiten unter: http://www.hebammenunterstuetzung.de/

Fotos: Autorin

Autor:

Augustine Gueffroy aus Essen-West

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