Ein Stadtteil wird durchleuchtet

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„Beichte“ im Forum der Apostelkirche – denk.bar macht’s machbar! -

Es nieselt. Der Blick aus dem Forum auf die Mülheimer Straße ist – klar, bei der Wetterlage - grau. Eine kleine Bürgerschar tröpfelt zunächst rein in die gute Stube. Die Sozialdemokraten, Ortsverein Frohnhausen, haben zum „Jahr der Stadtteile 2011 - denk.bar“ eingeladen. Doch plötzlich ist der Saal voll. Vorsitzende Petra Hinz, MdB, ergreift das Wort. Und - zum Schluss kommt kein Amen – sondern Waltraud Schöne, Ex-Werbering-Vorsitzende freudig: „Ein Silberstreif ist am Horizont – für Frohnhausen…“

Einen Fragenkatalog verteilten die Sozialdemokraten zu Ostern. 230 Personen wurden am Markt und Gervinusplatz u. a. gefragt: Was ist gut in Frohnhausen? Wo liegen die Probleme? Welche Chancen und Möglichkeiten hat der Stadtteil…?

Jetzt also die Präsentation der Wahrheit – die „Beichte“. Da flunkert man nicht, wenn im Rücken die Kirche – konkret – die Apostelkirche steht. Petra Hinz eröffnet die Veranstaltung mit Umfrageergebnissen auf der Leinwand, anschließend folgt das Gespräch mit der Bürgerschaft. Mehrere Anliegen aus dem Stadtteil liegen auf dem Herzen, Parteimitglieder der Bezirksvertretung III und der Stadt stehen Rede und Antwort.

„Die Moderation von der Bundestagsabgeordneten war sehr gelungen“, so Pfarrer Werner Sonnenberg. „Für mich neu ist die Situation Ende Frohnhausen, wo der Einzelhandel stark ausgedünnt zu sein scheint durch Wegzug von Aldi, Kaiser, Lidl. Frage: Kann man da wieder Einzelhändler ansiedeln? Besonders gut fand ich, dass sich die Partei eine Kultur des Zuhörens auferlegt hat. Es war das Wahrnehmen so wichtig. Wo drückt der Schuh bei den Bürgern? Wichtig, die Kinder- und Familiensituation in Frohnhausen, das soziale Klima im Stadtteil anzusprechen. Es wurde darum geworben, einen echten Dialog mit Bürgern mit Migranten-Hintergrund zu führen. Warum? Hier entsteht eine große moslemische Moschee-Gemeinde in der Nöggerathstraße. Da gehört zur guten Nachbarschaft ein transparenter, guter Dialog. Ich habe eingeladen, ihn hier im Forum zu führen, parteiübergreifend. Die SPD hat das Thema auch auf ihrem „Schirm“. Denn der Kontakt ist erwünscht.

Punkt für Punkt wurden zwei Stunden sachlich diskutiert. So verwiesen Vertreter des APO-Jugendhauses noch einmal stark auf die Kinder- und Jugendsituation im Stadtteil. „Hier kann man nicht alle Probleme auffangen. Der Bevölkerungsanteil ist zu groß.“ Angeregt wurde, dass sich die Politiker für mobile Sozialarbeiter, sogenannte Streetworker, einsetzen.
Fakt ist ferner, dass die Hauptschule Bärendelle endgültig zu den Ferien schließt. Damit das Gebäude nicht „tot“ bleibt, will Bezirksbürgermeister Klaus Persch sich dort für ein kleines Bürger- und Kulturzentrum einsetzen.

Schon vergessen? Vor Jahren wurde der Sportplatz an der Raumerstraße aus finanziellen Gründen abgeschlossen. Häuserbau wurde prophezeit. Fehlanzeige. Der Baumbestand soll nun aufgeforstet werden. Hausbesitzer, die einen Baum fällen, sollen verpflichtet werden, dort für Nachwuchs zu sorgen.

„Der Kernpunkt war die Oase“, bestätigt Ursula Hirche. Doch Udo Karnath, Ratsherr, sagte klipp und klar: Sie bleibt zu. Alle interessierten Investoren sind abgesprungen…“
Auch das Anhäufen von Hunde-Geschäften brachte die Bürger immer mehr in Rage. Klaus Persch versprach, den Gervinuspark als Testobjekt zu markieren. Tüten aufzustellen. Demnächst werden dann die Herrchen zum Abziehen der Beutel motiviert.

Einstiegprobleme für Ältere mit Einkaufswägelchen in manchen Straßenbahnen sind die hohen Stufen. Vorschlag: Im Fahrplan sollte die EVAG kennzeichnen, wann Bahnen mit tiefem Einstieg fahren.

Janet Müller, Werberingvorsitzende, ist jedenfalls gespannt auf die Fortsetzung der denk.bar - denn „die Bundesabgeordnete zeigte sich sehr motiviert, bestimmte Sachen in Frohnhausen verändern zu wollen; dass das Ganze auch was bringt und nicht nur in denk.bar versandet.“
„Es ist wichtig für Frohnhausen, dass sich viele Leute Gedanken machen; somit auch die Leute angesprochen werden, die in unterschiedlichen Funktionen hier arbeiten. Denn die wissen genau, welche Probleme hier bearbeitet werden müssen“, verdeutlicht Waltrud Schöne, Ex-Werberingvorsitzende.

„Falsch ist, wenn jeder sein eigenes Süppchen kocht. Ich bin der Meinung, es bleibt bei so einer Veranstaltung immer was hängen. Die bringt ‚ne Menge Anregungen. Wichtig, einer kümmert sich um den Anderen“, so sieht es Ursula Hirche.

Fakt ist, dass die Menschen auch Verbesserungspotenzial sehen. Für sie sind dabei die Themen Infrastruktur und Soziales von großer Bedeutung. Diese beiden Aspekte sind wesentlich für eine gute Lebensqualität in einem Stadtteil. Insbesondere der wachsenden Kriminalität sowie den Zukunftschancen der Jugend begegnen viele mit Sorge.
Hoffnung keimt jedenfalls nach den Gesprächen auf, dass die Ängste der Bürger nicht nur runter gespult und weggespült werden…

Bundestagsabgeordnete Petra Hinz über denk.bar
„Ich habe mich gefreut über das Interesse, Engagement von jedem Einzelnen, der seine freie Zeit uns zur Verfügung stellte. Das sind die Helden unseres Stadtteils. Wie konstruktive Kritik, Anregungen und Hinweise auf mehr Vernetzung und Kommunikation ausgetauscht wurden, zeigt – wie wichtig für die Menschen der Stadtteil ist, in dem sie leben. Dies ist für unsere Kommunal- oder Bundespolitik ein ganz wichtiges Zeichen, in die Menschen, in den Stadtteil und vor allem in die Jüngsten, in unsere Kinder, zu investieren.
Ich freue mich, dass wir wieder den Faden aufgenommen haben, um gemeinsam mit den Menschen im Stadtteil miteinander und nicht übereinander reden.
„Am 13. August, im Rahmen des Sommerfestes, Riehlpark, werden an der denk.bar nicht nur Kaffee, Kuchen, Würstchen angeboten, sondern wir wollen mit Kindern und Erwachsenen über Chancen und Herausforderungen über unseren Stadtteil sprechen.
Im September werden wir zum Thema Integration einen runden Tisch, Forum-Apostelkirche, durchführen. Dies wird alles gebündelt im Oktober, in der Apostelkirche. Denn vieles ist möglich und alles ist denkbar.“
Übrigens, Interessierte können sich in der Weinboutique Janet Müller, Frohnhauser Straße 233, den Fragebogen abholen.

Fotos: Büro Petra Hinz

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