Ex-Inhaftierte und Bosse "verbrüdern" sich...

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30. März - letzter Schultag. Während die ersten Schüler, Lehrer schon im Flieger sitzen, zieht’s wiederum Schuldirektoren, Pennäler, ja Wirtschaftsjunioren, Künstler in das alte Pfarrhaus hinter der Lutherkirche, Martin-Luther-Straße. Sie drücken sich quasi die Klinke in die Hand, begrüßen begeistert Reimund Neufeld, Chef der Umbra-Kunstfabrik. Weshalb? Eine einzigartige Vorzeige-Kunstaktion wird gerade vor Müllcontainern am Pfarrhaus geboren…

Manche Menschen besitzen eine magische Sog-Kraft. Darunter fällt Reimund Neufeld, der ehemaligen weiblichen Häftlingen in der Umbra-Kunstfabrik das Sprungbrett für den Alltag bereitstellt. So auch Martina. Die 45-Jährige „saß“ drei Mal; insgesamt sieben Jahre. „Hier werde ich mit offenen Armen empfangen; fühle mich endlich Zuhause.“ Neufeld‘s ungewöhnliche Resozialisierung für derzeit vier Ex-Knast-Frauen heißt: Kunst mit Künstlern – Kennern und Könnern; Gönnern. Die Oster-Kunstaktion-Idee elektrisierte alle Angesprochenen.

Zusammen mit Künstlern der Umbra-Kunstfabrik, Ex-Häftlingen, die bei Umbra im ambulant betreuten Wohnen ehrenamtlich tätig sind, mit Schulleitern, Schülern, Wirtschaftjunioren geht’s los, mit Hacke Schüppe, Schaufel. „Wir wollen wir hier aus den Hölzern des verwilderten Gartenbereichs eine Garten-Möbelierung schaffen; unter Anleitung von Claudia Lüke, freischaffende Künstlerin, Gelsenkirchen. Hört sich etwas Hölzern an? Verspricht aber Fantastisches, wenn Lüke begeistert aufzählt: „Was anschließend da in den Garten lockt, steht für den Strukturwandel. Aus alt mach neu.“ So sollen aus Ästen, Wurzeln, Moos und mehr dauerhaft haltbare Sitzmöbel entstehen. „Danach Party…“ verspricht Neufeld.

Zunächst wurden die zahlreichen Mitmacher in die Materie eingeweiht. Mit dabei Norbert Labatzki, Künstler. Richtig in Fahrt kommen alle am 13. April, ab 11 Uhr. „Eine tolle Sache aus meiner Sicht. Ich werde es positiv begleiten und in die BV III als förderungswürdig aufweisen“, verspricht Klaus Persch, Bezirksbürgermeister.

Berthold Urch, AKS-Schuldirektor: „Ich finde das Vorhaben sehr gut für den Stadtteil. Wir unterstützen es mit unseren Schülern vor Ort „handgreiflich“, die ihre Ferienzeit dafür opfern. Ich bin selbst gespannt auf das Ergebnis.“ Grinsen bei Cedrik Wiechert. Der 17-Jährige AKS-Schüler handelt nicht ganz uneigennützig, „weil im Umbra-Kellerraum ein Musik- und Tonstudio eingerichtet werden soll. Als Schlagzeuger werde ich dann hier auch Musik machen…“ Schulkollegin Claire Lahaye (15) strahlt: „Ich mach mit, weil ich mich stark für Kunst interessiere. Ein Praktikum leistete ich beim Landschaftsverband.“

Zustimmung ebenfalls bei Guido Martin, Bertha-Krupp-Realschulleiter und seinen Schülern. „Ein Drittel der Jahrgangsstufe 10 zeigten großes Interesse. Ich könnte mir noch weitere Kunst zusammen mit Umbra vorstellen. Werde alles tun, um von unserer Seite den Kunstbetrieb zu unterstützen.“ Über 30 engagierte Schüler- und Schülerinnen werden also den verstrubbelten Garten beackern.

Ebenso die Vorstände der Wirtschaftsjunioren Essen e.V., Industrie- und Handelskammer Essen. Ronald Derler und Björn Fuchs zeigen hohes Interesse an der Aktionskunst – die bereits ja in der Eiszeit begann, als die Bewohner der Höhlen von Altamira zu ihren Wandbildern getanzt haben. „Das Projekt ist mal was Anderes zu den konventionellen, inhaltlich vielversprechend. Kein Lippenbekenntnis. Wir finden es durchaus unterstützungswert.“ Gibt’s Geld? „Wirtschaftsjunioren engagieren sich tatkräftig, fachlich – ehrenamtlich. Jeder bringt sein know how mit.“
Übrigens, Björn Fuchs begleitet das Umbra-Kunstprojekt fotografisch.

Umbra-Kunstbetrieb-Auszeichnung durch Bundeskanzlerin
Beim Wettbewerb Engel gesucht – „Start Social“, Schirmherrin Angela Merkel – gewannen unter 500 Bewerbern 25 Bundessieger ein 3-monatiges Coaching-Stipendium. Mit dabei der Essener Umbra-Kunstbetrieb. Am 18. April wird also Chef Reimund Neufeld im Kanzleramt neben Angela Merkel stehen. Die besten Sieben der 25 Bundessieger erhalten einen Geldpreis in Höhe von 5000 Euro! Wir drücken die Daumen!

Fotos: Michael Gohl / West Anzeiger

Autor:

Ingrid Schattberg aus Essen-West

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