Geheimgänge unter der Bärendelle

Heißes um die denkmalgeschützte Ex-Hauptschule!

Wahrlich ein mächtiger Millionen-Brocken ist die ehemalige Hauptschule Bärendelle, Essen-Frohnhausen. Nicht nur für den VHS-Arbeitskreis „Fundstücke im Essener Westen“. Denn was da Klaus Persch, Bezirksbürgermeister, den Besuchern über das Jahrhundertgebäude erzählte und der Hausmeister gestand, war teilweise unglaublich…

Geheimnisvoll stattlich wirkt das 4000 qm-Bärendelle-Gebäude – bei Mondbeleuchtung. Der Jetzt-Zustand ist, „dass die Bezirksvertretung die Verwaltung der Stadt Essen aufforderte: Was kann mit dem Gebäude passieren?“ verdeutlicht Klaus Persch. „Ein Verwaltungs-Kulturzentrum hier anzusiedeln, mit Wohnungen, allem Pipapo, wäre das Non plus Ultra für Frohnhausen.“ Aber machbar?

Bitte eintreten – geht nicht, ohne Hausmeister Georg Dörr. Er besitzt die Schlüssel für die seit Sommer 2011 dichte Schule. Schließungsgrund – wenig Schüler, kein Geld für die Gebäudesanierung. Zumal der Brandschutz fehlte; mittlerweile wurde er teilweise eingebaut.

Stickige Luft umhüllt uns. Tja, die neue Heizungsanlage läuft weiter. „Jeden Tag bis 16 Uhr, wie beim Schulbetrieb“, so Dörr. Und schon stapfen die Besucher über Farbtöpfe, Bretter, in die Turnhalle. „Hier könnte vielleicht ein kleines Theater rein, mit Café, Gastronomie - wie die Kombination bei „Stratmann“, schwärmt Persch. „ In Essen suchen viele kleine Theatergruppen Räumlichkeiten, Spielstätten. Platz für 200 Gäste ist hier dicke drin.“

Ach ja, vorstellen können sich die Anwesenden so vieles. Aber wer soll das bezahlen? Der Knackpunkt. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz. Jedes Fenster muss exakt den Vorschriften entsprechen. 3,5 Mio. flossen beim Umbau 2006 in das Gebäude. Dann Baustopp. Zu teuer.

Denn nach dem neuen Dach zeigten damals die Stadtväter lange Gesichter. Die Böden waren alle morsch. Der Brandschutz stimmte vorne und hinten nicht. „Folglich saß hier fortan eine richtige Feuerwache. Tag und Nacht, von 2008 bis 2010“, so Persch. Er legt nach: „Würde die Bärendelle als Schule erhalten, müssten noch mal mindestens fünf Mio. € fließen. Für Decken und mehr - sowie für Sanitäranlagen; die total marode sind. Deshalb gehen wir erst gar nicht da hin. Da schütteln wir uns…“

Wie fühlt sich der Hausmeister in seiner Ex-Arbeitsstätte? „Schlecht. Hier knackt doch alles.“

Persch lenkt ab. „Wir hatten ja auch früher hier eine Disco. Die gucken wir uns jetzt an.“ Raum 001: „Absolutes Essverbot im Schülerclub. Gegenseitigen Respekt im Schülerclub. Keine Gewalt und Streiterei und kein gegenseitiges Provozieren im Schülerclub. Sonst Hausverbot!“ Nicht schlecht die Vorschriften. „Die älteren Schüler wollten sich hier schon mal bei Tanz und Cola abreagieren“, schmunzelt Persch. „Der Raum war außerdem Arbeitsfeld für die Boote-Bau-Gruppe; ferner werkelte die Fahrradwerkstatt hier.“ Vorbei. „Im Endeffekt geht jetzt alles kaputt“, urteilt ein Kursteilnehmer.

99 Stufen hoch: Neue Fenster, gestrichene Wände. Trügerisch. Ins Auge springt förmlich das Schild an der Tür: Achtung Unfallgefahr! Raum gesperrt, da Boden teilweise offen. Zum Hintergrund weiß Persch, „als die Brandmeldeanlage eingebaut werden wollte, stellte man fest, dass die Decken nicht in Ordnung waren; teilweise konnte man durchschauen…“ Die VHS-Gruppe will es sehen. Eine Etage tiefer: 217 - Biologie-Raum. Ein Blick zur Decke: Ein grobfaseriger Holzfußboden, mit Lochmuster. „Da ist nichts mehr zwischen. Es grenzt an ein Wunder, dass kein Mensch hier eingebrochen ist. Die Balken sind faul“, so Persch.

Die Flure liegen verschachtelt. Lediglich Handwerkerarbeiten bis zur zweiten Etage. Fast begeistert zeigen sich die Anwesenden bei einem sehr kuscheligen Raum. „Den könnte ich mir als Künstleratelier vorstellen, darunter eine schöne Wohnung“, schwärmt der Bezirksbürgermeister.

Dagegen schaut der Chemieraum recht zerfleddert aus. Geräte wanderten bereits an andere Schulen. Vier feuerfeste Experimentiertische mit Bunsenbrennern warten auf Abholung. Die sind der Hauptschule Bocholder Straße versprochen.
Etwas wehmütig blickt Siegfried Otto. „Erinnerungen kommen hoch. Hier habe ich im Keller in der B-Jugend Essen-West 03 gerungen. Außerdem von der Kaufmännischen Berufsschule ein Jahr in der Bärendelle Unterricht gehabt. 60 Jahre her. Es wäre gut, wenn in dieses Gebäude wieder Leben käme.“
Denkbar wäre vieles – zumal die Brandmelder eingeschaltet sind. Ach ja, die Gebäude-Unterhaltung frisst jährlich 50000 €. Augenblicklich zeigen zwei Projektplaner Interesse am Bärendelle-Gebäude. Der zusätzliche Happen könnte ihnen den Bau versüßen. Der Hausmeister verrät nämlich, „von der Bärendelle führt ein Geheimgang ins gegenüberliegende Berufskolleg Essen-West; gebaut 1940, Krupp-Waffen.“
Ob das stimmt? Wäre eine weitere Exkursion wert…

Nach der Bärendelle-Erkundung:
Ursula Hirche: „Von den Räumlichkeiten sieht es teilweise gut aus. Ich könnte mir vorstellen, dass – wird es richtig angegangen – auch was Positives für Frohnhausen wird. Die Idee der BV III ist nicht schlecht. Aber einen zu finden, der die Mittel hat – kann ich mir nicht vorstellen. Es ist eine Geldfrage. Vieles bleibt mir unverständlich: Wie kann ich zwei Etagen sanieren, dann erst feststellen, der Brandschutz ist nicht gegeben; zu teuer.“

Woher kommt der Name Bärendelle?
Der Bach, an dessen Lauf Frohnhausen sich ausbreitete, war der Beerenbach (genannt Bärendelle). Eine weitere vor 1220 erstellte Urkunde erwähnte erstmals den Ort Frohnhausen mit neun Höfen, und als separate Siedlung Overrath mit vier Höfen. Die neun Höfe lagen westlich des ehemaligen Beerenbaches (Bärendelle).

Foto: Markus Decker

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