Hüllenlose Kunst in Frohnhausen

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Auch von außen kann der Blick auf die Werke genossen werden.
 
Die Kunstinteressierten aus Essen und Umgebung fanden wieder einmal den Weg in die kleine Galerie.
Essen: Galerie Clowns & Pferde |

Wer aktuell an der Galerie Clowns & Pferde in Frohnhausen vorbei schlendert, dessen Blick wird fast unweigerlich gefesselt. Eine Fotografieausstellung ist der neueste Coup von Galeristin Bianca Wickinghoff, die, wie so oft, mit den Werken auch ein gesellschaftliches Thema ansprechen lassen will.

„Aktfotofix“ zeigt, der Name lässt es vermuten, Aktaufnahmen, die unter spontanen Bedingungen entstanden sind. Zu sehen sind Menschen wie Du und Ich, abgelichtet auf einer Vernissage, auf Partys oder in Diskotheken. Doch wie kommt es, dass die Personen dann nackt sind? Das Szenario der Künstler Ali Altin und Jochen Goerlach findet in einer Fotobox, wie man sie vom Passbildautomaten her kennt, statt. Die Protagonisten werden aktiv angesprochen und bekommen die Möglichkeit sich spontan in frei gewählten Posen zu zeigen, unbekleidet. Die Aktionen finden großen Zuspruch, mehr als 2000 Bilder haben die Künstler bereits zur Verfügung und können ihre Ausstellungen so stets wandeln. Dieses Mal sind gleichermaßen Pärchen wie Freundinnen oder Einzelpersonen zu sehen. Auch in Alter, Herkunft und Figur stellen die Modelle ein Abbild der Gesellschaft dar und zeigen deren Vielfalt. Eine 90-60-90 Vorgabe oder ähnliches scheint es nicht zu geben. Die Aktionen leben von dem Moment und die Teilnehmenden haben anschließend die Möglichkeit ihr Foto mit Autogramm der Künstler zu erwerben. „Wir haben überlegt: Wie können wir in der Kunst etwas Neues starten“, erklärt Jochen Goerlach, der seine Zeit sonst mit dem Erstellen von Collagen verbringt. Beide Künstler sind Absolventen der Düsseldorfer Kunstakademie. Dort wurde Wickinghoff schon häufiger fündig auf ihrer Suche nach neuen Talenten und Bereicherungen für den Stadtteil. „50 Jahre nach dem Summer of Love ist eine Revolution nötig“, findet die engagierte Kunstkritikerin, auch, weil der Umgang der vorbeikommenden Kinder mit dem Thema Nacktheit ihr Sorgen bereitet. „Nacktheit ist etwas Normales. Wir kommen alle nackt auf die Welt. Diese Welt ist absurd, wenn man Konsequenzen befürchten muss, weil man einen Körper hat“, führt sie weiter aus. Das Thema schein einen Nerv bei ihr zutreffen und offensichtlich auch bei den zahlreichen Besuchern der Vernissage am vergangenen Freitag. Bei lauen Abendtemperaturen genießen sie den Ausblick auf die Werke auch durch die Schaufenster, denn vor der Galerie laden kleine Bistrotische zum Verweilen ein. „Ich hatte mir die Ausstellung größer vorgestellt. Es ist ganz anders als erwartet“, wundert sich Britta Rybicki. „Aber es sind schöne Menschen. Die Bilder sind für gesellschaftliche Ansprüche ausgewählt“, findet die 27-Jährige, die mit einer Freundin vor Ort ist. „Heutzutage ist für viele der Körper Kapital. Die Menschen sind gepflegt und die Körper häufig geschmückt“, erklärt Goerlach. Für ihn bestand die größte Herausforderung bei dem Projekt darin, so nah an die Menschen heranzugehen. „Das wird aber schnell normal“, stellt er fest. Ali Altin erscheint mit kleiner Verspätung zur Ausstellungseröffnung, er nutzte die Zeit, um einen kurzen Bummel durch Frohnhausen zu unternehmen. Dann geht er sogleich auf Modellsuche und spricht ungezwungen Menschen an. Auch in der Galerie wartet an diesem Abend eine Fotobox darauf, neue Werke hervorzubringen.
Wer, nun ganz ohne Fotobox, die Ausstellung besuchen möchte hat dazu noch bis zum 13. Juli Gelegenheit. Die Galerie liegt an der Frankfurter Straße und ist donnerstags 18-20 Uhr und samstags 11-13 Uhr geöffnet.
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1 Kommentar
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ANA´ stasia Tell aus Essen-Ruhr | 26.06.2017 | 20:59  
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