Nagetiere sind wieder an der Ruhr heimisch
Auf den Spuren des Bibers

Wer weiß, wo man suchen muss, kann sie auch an der Ruhr finden: die typischen Fraßspuren an Bäumen, die auf den Biber hinweisen. Eine Wildkamera konnte sogar gleich zwei der Nagetiere bei ihrer emsigen Arbeit ablichten. Ein echter Glücksfall, denn die fleißigen Baumeister sind sonst eher kamerascheu.
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  • Wer weiß, wo man suchen muss, kann sie auch an der Ruhr finden: die typischen Fraßspuren an Bäumen, die auf den Biber hinweisen. Eine Wildkamera konnte sogar gleich zwei der Nagetiere bei ihrer emsigen Arbeit ablichten. Ein echter Glücksfall, denn die fleißigen Baumeister sind sonst eher kamerascheu.
  • Foto: Klemens Karkow/ NABU
  • hochgeladen von Nina van Bevern

Die Zeichen sind für kundige Augen sichtbar. Im unteren Bereich stark angenagte Bäume, manche davon gefällt: In einsamen Auengebieten der Ruhr scheint alles darauf hinzuweisen, dass der Biber wieder heimisch ist. Doch kann das überhaupt sein? Der Stadtspiegel hat nachgehakt und sich auf die Spur des Bibers begeben.

Was sagt der NABU? Gibt es Biber an der Ruhr? Dr. Frauke Krüger, 1. Vorsitzende NABU Ruhr, klärt auf: "Wir wissen von der Art in Mülheim seit 2020, da wir auch hier mit Wildkameras arbeiten bzw. auf Spuren aufmerksam wurden. Dazu wurde aber erst Stillschweigen seitens der Stadt verhängt. Das Tier ist sehr wahrscheinlich aus der Population am Niederrhein eingewandert. Hier wurden im Kreis Wesel zwischen 2002 und 2004 Biber wiederangesiedelt.

Wiederansiedlungsprojekt

Dies geschah im Zusammenhang mit einem großangelegten Wiederansiedlungsprojekt in den Niederlanden. Vor 40 Jahren wurden die ersten Biber in NRW in der Eifel wiederangesiedelt, denn bis Mitte des 19. Jahrhundert war die Art in NRW ausgerottet worden. Seit 2021 gibt es auch Nachweise von einem zweiten Tier in Mülheim. Einer Familiengründung steht also nichts mehr im Wege.
Es handelt sich mit dem Erscheinen der Biber in der Ruhr tatsächlich um eine Erfolgsgeschichte. Der Biber ist ein Ökosystem-Ingienuer und Schirmart. Da wo er lebt, gestaltete er durch die von ihm geschaffene Teich-Kaskaden-Landschaft die Auen. Hier entstehen wichtige Lebensräume für andere Arten, Laichgründe für Fische und Amphibien, Nahrungslebensräume für Eisvögel, und viele, viele andere Arten. Darüber hinaus betreibt er praktischen Hochwasserschutz, da die Biberteiche, zumindest in den Bachläufen, als Puffer bei Überflutungen fungieren können. Auch auf Essener Stadtgebiet gibt es in der Heisinger Ruhraue, in der Kettwiger Aue oder in Bachtälern südlich der Ruhr durchaus potenzielle Lebensräume.

Lebensraum Aue

Die Tiere sind natürlich eng an den Lebensraum Aue gebunden und bewegen sich vor allem im Wasser fort. Allerdings vermögen sie auch längere Strecken über Land zu wandern. So umgehen sie Barrieren (Wehre etc.) und wechseln zwischen Flusseinzugsgebieten. Hier kann es dann tragischerweise zu Kollisionen im Straßenverkehr kommen.
Die Zukunft des Bibers an der Ruhr hängt auch von unserer Unterstützung ab: geben wir dem Biber genug ruhige Rückzugsräume, tolerieren wir sein Wirken in der Aue, lassen wir wieder etwas mehr Dynamik am Fluss zu? Dafür setzen wir uns vom NABU mit ganzen Herzen ein."
Auch BürgerReporter Andreas Schäfer aus Essen hat ein großes Herz für den fleißigen Nager. Der Naturfotograf war ihm schon oft sehr nah, doch gesehen und fotografieren konnte er bislang nur die Ergebnisse der emsigen Arbeit. Seit 2009 fotografiert er die Natur mit ihrer ganzen Vielfalt an unterschiedlichen Tieren, ein Biber käme da genau recht:

Bitte nicht stören!

"Ich bin regelmäßig an der Ruhr unterwegs und jedes Mal wieder aufs Neue begeistert, wie kräftig der Biber ist. An manchen Fraßstellen kann man täglich den Fortschritt seiner beeindruckenden Arbeit erkennen. Ich versuche mir dann immer zu überlegen, wie lange es wohl noch dauern wird, bis eine große Weide fällt. Das kommuniziere ich dann im Lokalkompass, damit die Menschen daran teilhaben können, ohne selbst vor Ort sein zu müssen. Denn natürlich kommt der Naturschutz immer an erster Stelle!"

Unwegsames Gelände

Wer jetzt trotzdem auf die Idee kommt, dem Biber selbst nachspüren zu wollen, sollte dies auf jeden Fall lassen - im Interesse des Bibers und in seinem eigenen. Denn die "Wohnorte" der Tiere sind alles andere als wegsam, wie Gabriele Wegner vom Amt für Umweltschutz aus Mülheim selbst erfahren konnte: "Persönlich bin ich im Februar 2021 mit einem WDR-Kameramann und meiner Artenschutz-Mitarbeiterin vor Ort gewesen, um die Tiere und ihren Lebensraum per Film zu dokumentieren. Wir konnten die angenagten Bäume, den Lebensraum und eine sogenannte 'Wasserrutsche' filmen, die die Biber gebaut hatten, um einfacher in die Ruhr rutschen zu können. Ich konnte selbst erfahren, dass das Gebiet der Biber sehr unzugänglich ist (und bleiben soll): Bei der Durchquerung des Mühlenbaches stand ich plötzlich bis zur Hüfte im Bach. Da halfen auch keine Gummistiefel mehr..." 

Hintergrund

  • Biber fressen gerne weichere Pflanzen, die sie im Sommer bekommen können. Im Winter sind die nicht verfügbar, die Biber nagen dann an Bäumen, bis diese, in einigen wenigen Fällen, auch umfallen. Auf diese Weise gestalten Biber ihr Revier selbst aktiv um.
  • Junge Biber verlassen in der Regel in ihrem ersten, spätestens im zweiten Lebensjahr ihre Mütter und wandern weiter in eigene Reviere. 
  • Erste Fotos aus den Fotofallen in Mülheim gab es 2019, im Jahr darauf konnten die ersten Fraßspuren an einem Baum entdeckt werden. Die Kameras wurden an typischen Lebensorten installiert, um konkrete Nachweise zu erhalten.
Autor:

Nina van Bevern aus Essen-Werden

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