Der verspätete Sommer und das Hochwasser haben mehr Kanadagänse an den Baldeneysee und in die Gruga gelockt
Gänse haben sich in Essen breit gemacht

Die Kanadagänse haben sich an den schönsten Plätzen Essens breit und damit nicht besonders beliebt bei der Bevölkerung gemacht. Foto: Elke Brochhagen / Stadt Essen
  • Die Kanadagänse haben sich an den schönsten Plätzen Essens breit und damit nicht besonders beliebt bei der Bevölkerung gemacht. Foto: Elke Brochhagen / Stadt Essen
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Kanadagänse haben keinen guten Ruf: Fußgänger fühlen sich von ihnen bedroht. Passanten stören sich an ihren Hinterlassenschaften. Gerade in der Gruga oder am Baldeneysee will man sie nicht sehen. Die tierischen Besucher entwickeln sich immer mehr zu einem städtischen Problem.

Von Sara Drees

Am Baldeneysee, in der Gruga und auf anderen Grünflächen haben sich die Kanadagänse breit gemacht. Sie versperren Fußgängern wie Radfahrern den Weg, hinterlassen Kot und machen ordentlich Krach. Doch während viele Bürger darin ein ernstes Problem sehen, bleiben die Stadt und Experten eher gelassen.

"Es gibt zwei wesentliche Faktoren, weshalb die Gänse in diesem Jahr mehr als sonst auffallen", erklärt Christine Kowallik von der Biologischen Station Westliches Ruhrgebiet. "Das ist zum einen der verspätete Sommer und zum anderen das Hochwasser." Viele Flächen seien erst sehr spät oder noch gar nicht abgemäht worden. Das ist für die Gänse ein ernstes Problem: Sie bevorzugen Stoppeläcker statt hoher Halme, in denen sie nichts sehen können und kein Futter finden. Deshalb hätten sie sich zum Beispiel mit städtischen Parks alternative Flächen gesucht, weiß Kowallik.

Eine Vergrößerung der Population kann die Biologische Station Westliches Ruhrgebiet hingegen nicht bestätigen. Zwar wurden im Jahr 2020 erstmals in NRW mehr als 50.000 Gänse bei der sommerlichen Zählung erfasst (vor allem Grau-, Kanada- und Nilgänse). Laut der nordrhein-westfälischer Ornithologengesellschaft haben Kanadagänse sogar "den Schwerpunkt ihres Vorkommens in den Ballungsräumen im Ruhrgebiet". Doch gerade deshalb bleibe die Gänse-Bevölkerung konstant, meint Kowallik: "Die Städte sind gesättigt und die Brutvögel haben seit Jahren keinen Erfolg mehr. Die Gänse wandern deshalb eher in Randgebiete aus, wo sie neue Areale für sich erschließen können." In der Nachbarschaft Mülheim beispielsweise sei die Zahl der Kanadagänse deshalb von rund 400 Individuen auf zuletzt unter 350 gesunken. "In Düsseldorf zählen wir immer die Höchstwerte und die liegen konstant zwischen 1.086 und 1.490 pro Jahr." Für Essen könne sie zwar keine konkreten Zahlen benennen, aber auch da geht die Biologische Station von keinen Veränderungen nach oben aus.
Dementsprechend werden von der Stadt Essen auch keine weiteren Maßnahmen getroffen, trotz massiver öffentlicher Forderungen. Seit dem 16. Juli und noch bis 31. Januar ist Jagdsaison für Kanadagänse - das gilt auch in Essen. "Grundsätzlich besteht kein Jagdverbot auf Kanadagänse in Essen innerhalb der Jagdzeit", teilt die Stadt Essen dazu mit. Pro Jahr würden rund 300 Kanadagänse von Jagdausübungsberechtigten erlegt. Ausnahme: der Grugapark als befriedeter Bereich. Gerade dort fallen die Verschmutzungen den Bürgern aber besonders auf. "Auch das Universitätsviertel ist ein Ort, an dem die Jagd aufgrund der Nähe zur Wohnbebauung nicht erlaubt ist", heißt es weiter seitens der Stadt.

Man weiß um das Problem, dass Kanadagänse die beliebten Grün- und Wasserflächen verstärkt für sich beanspruchen. Bereits 2017 wurde die anerkannte Gänseexpertin Dr. Susanne Homma beauftragt, für die Stadt Essen passgenaue Maßnahmen zu entwickeln. So seien "gestalterische Optimierungen an Wasserflächen" vorgenommen worden, um die Bruttätigkeiten aus den innerstädtischen Bereichen zu verlagern. Ein Beispiel sei das Universitätsviertel. "Die Schilfinseln werden bereits vor der Brutzeit geflutet und sind mit Draht bespannt, so dass diese als Brutplätze nicht nutzbar sind."

Die Tierzahlen in vielen Parks und Grünflächen seien nach wie vor hoch, wenn auch geringer als noch im Jahr 2015. Als Beispiele nennt die Stadt den Volksgarten Kray, Wege und Promenaden im Bereich der Ruhr sowie den Grugapark, wo Wechselflorbeete durch eine niedrige Einzäunung gegen Verbiss durch Gänse geschützt werden. "Im Grugapark konnte durch verschiedene Maßnahmen verhindert werden, dass sich die Population der Gänse erhöht, zum Beispiel durch den Einsatz von proteinarmen Grassorten, die von Gänsen gemieden werden." Das macht die Stadt nicht nur zuliebe der Bürger: Die Belastung der Flächen durch Kot sorge in vielen Bereichen dafür, dass zeitaufwändig und kostenintensiv gereinigt werden müsse.

Christine Kowallik bittet aktuell um Geduld mit den Gänsen. Solange viele Flächen überschwemmt oder vielmehr überschlammt seien oder das Gras durch Öl oder andere Schadstoffe verdorben, würden die Gänse nicht abwandern. "Sie sind aber fertig mit der Brut, das heißt: nicht mehr aggressiv gegenüber Menschen", klärt die Expertin auf. Mit Hunden und kleinen Kindenr ist etwas Vorsicht geboten, sonst habe man nichts zu befürchten. Die Stadt Essen bitten zudem um aktive Mithilfe der Bürger im "Kampf" gegen die Kanadagänse: "Bitte nicht füttern!", appelliert sie dringend, denn Füttern lockt nicht nur mehr Tiere an, sondern gefährdet auch deren Gesundheit. Die Kanadagans ist eine Vogelart aus der Familie der Entenvögel. Ursprünglich kommt sie aus Nordamerika. Die in Europa verbreitete Unterart ist etwas größer als die Graugans. Ihr charakteristischer Kopf und Hals sind schwarz mit weißem Kehlfleck, die Brust und ihr Körper weißgrau bis leicht bräunlich gefärbt. Die Kanadagans

Autor:

Sara Drees aus Dortmund

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