Ein ungewöhnlicher Brutplatz

7. August 2010
Garten, Mülheim
Das erste Küken schlüpft.
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Das hat man davon, wenn man sein Fahrrad samt Helm im Fahrradkorb auf der überdachten Terrasse stehen lässt. Flugs erkor ein Rotkehlchen den Helm als passenden Brutplatz und baute sich ein Nest darin. Die nächsten Wochen war also Fahrradfahren passé, dafür hatte ich die Möglichkeit, die Rotkehlchenbrut und die Entwicklung der Küken hautnah zu verfolgen und zu dokumentieren.
Inzwischen habe ich gelernt, dass Rotkehlchen bodennah brüten und sich auch gerne mal Hinterlassenschaft der Menschen als Brutplatz suchen.
Nachdem das Nest fertig gebaut war, begann das Weibchen mit der Eiablage - brav jeden Morgen ein Ei. Erst nachdem das Gelege voll war - wir zählten sechs Eier - begann die eigentliche Brutzeit. Nur selten ließ das Weibchen das Gelege mal kurz allein. Nach genau vierzehn Tagen schlüpfte das erste Küken. Am zweiten Tag waren alle komplett. Fleißig flogen die Eltern nun hin und her, um die hungrigen Mäuler zu füttern. In den ersten Tagen saß das Weibchen noch öfter auf dem Nachwuchs, dann war nur noch Futtersuche angesagt. Übrigens entdeckten wir erst am achten Tag, dass es doch sieben Küken waren.
Normalerweise verlassen die Küken nach 12 bis 15 Tagen das Nest und verstecken sich in der Nähe, wo sie von den Eltern noch einige Tage weitergefüttert werden. Heute morgen, am 12. Tag, fand ich den Fahrradhelm zur Seite gekippt und leer im Korb vor. Von den Küken keine Spur. Nachdem ich den Helm aus dem Korb herausnahm, entdeckte ich darunter eingeklemmt noch ein Küken, das ich wieder zurück ins Nest setzte. Ob die anderen das Nest verlassen konnten oder vielleicht von streunenden Katzen gerissen wurden, die wir nachts hörten, vermag ich nicht zu sagen. Kampfspuren wie Federn waren jedenfalls nicht zu sehen.
Die Eltern bemühten sich anschließend sehr um das verbliebene Küken, das aber anscheinend zu verschreckt war, um das Futter sofort anzunehmen. Ich bin gespannt, ob es heute abend noch da ist.
Nachtrag: Offenbar waren es doch die Rotkehlchen-Eltern, die beim Bemühen, die Küken aus dem Nest "zu schmeißen", den Helm gekippt und ein Vögelchen eingeklemmt haben. Denn im Laufe dieses Tages war das Nest wieder halb auf dem Boden verstreut, der Helm gekippt und das letzte Küken weg. So nimmt die Natur ihren Lauf. Ich drücke die Daumen, dass alle sieben überleben.

Autor:

Regina Tempel aus Mülheim an der Ruhr

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