Das Trias Theater zeigt "Das Interview"

Das vermeintliche Soap-Sternchen und der seriöse Politik-Journalist begegnen sich auf der Bühne quasi in einem Boxring, denn ihr Dialog wird zu einem regelrechten Schlagabtausch zwischen zwei starken Charakteren.Foto: Gerd Kaemper
  • Das vermeintliche Soap-Sternchen und der seriöse Politik-Journalist begegnen sich auf der Bühne quasi in einem Boxring, denn ihr Dialog wird zu einem regelrechten Schlagabtausch zwischen zwei starken Charakteren.Foto: Gerd Kaemper
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Zwei Regisseure für ein Zwei-Personen-Stück? Hört sich seltsam an, ist es aber nicht. Vielmehr ist es aus Sicht aller Beteiligten eine Bereicherung.

Von dem, was dabei herauskommt, können sich die Besucher am Samstag, 15. September, um 20 Uhr bei der Premiere im Kulturraum „die flora“, Florastraße 26, selbst ein Bild machen. Das Stück dauert etwa 80 Minuten und wird ohne Pause durchgespielt. Und eins kann man jetzt schon sagen: Der Abend wird nicht langweilig!
Gespielt wird „Das Interview - Nächtliche Geständnisse“ von Theo van Gogh aus dem Jahr 2003. Regie führen Tatjana Sarazhynska und Jens Dornheim, womit auch die erfolgreiche Zusammenarbeit von Trias Theater-Ruhr und Theater "glassbooth" fortgesetzt wird. Auf der Bühne agieren Lea Fleck und Ulrich Penquitt.
Die Zuschauer dürfen sich freuen auf ein schwarzhumoriges, kriminalistisch zugespitztes Kammerspiel, das anspruchsvolle Unterhaltung, atemlose Spannung und messerscharfe Dialoge bietet.
Denn es geht um die Welt der Medien, die aus zwei völlig verschiedenen Perspektiven betrachtet Einblicke in das Schein und Sein, die Halbwahrheiten und Legenden, Kriegsberichterstattung und Paparazzitum bieten.

Darum geht es in dem Theaterstück

„Das Interview“ führt der Poltikjournalist Peter Peters, der dazu verdonnert wird, das Soap-Sternchen Katja Sturmann zu treffen. Dabei fühlt sich der Journalist zu sehr viel höheren Dingen berufen, wie den aktuellen Themen der Weltpolitik. Was soll er da schon ein Film-Sternchen fragen?
Katja hingegen erwartet die üblichen Fragen, die einem Star in ihrem Genre gestellt werden: Mit wem bist Du gerade liiert? Hast Du eine Schönheits-OP machen lassen? Fragen, die sie eigentlich nur noch langweilen. Und dann das!
Der investigative Journalist sieht nett sein nicht als seine Aufgabe, warum also sollte er nun andere Maßstäbe ansetzen, nur weil ihm ein nettes Gesicht gegenüber sitzt und kein Politprofi. Katja hingegen würde gern ganz andere Filme machen als ihre bisherigen und mit ernsthaften Regisseuren tiefsinnige Szenen drehen.
So treffen zwei starke Charaktere aufeinander, die auf den ersten Blick aus zwei völlig unterschiedlichen Welten stammen, sich im Laufe des Stückes aber immer mehr annähern, um sich dann wieder zu entfremden.
Der Zuschauer muss sich selbst ein Bild machen von dem melancholischen Journalisten und der hübschen Schauspielerin. Er muss versuchen, Lügen zu entlarven, hinter gekonnt getarnte Fassaden zu blicken und sich am Ende fragen, ob sich die Genres der beiden Protagonisten wirklich so sehr voneinander unterscheiden.

Die Produktion mit zwei Regisseuren

Sowohl Tatjana Sarazhynska wie auch Jens Dornheim haben bereits diverse Male mit dem Trias Theater-Ruhr und Ulrich Penquitt zusammen gearbeitet. Und auch miteinander haben sie bereits agiert, etwa bei „Mein Kampf“, als Dornheim auf der Bühne stand und Sarazhynska das Spiel bestimmte.
Dass nun beide gemeinsam an dieser Produktion wirken, ist dem Zeitfaktor geschuldet. Denn was die junge Lea Fleck erfreut, sorgte bei Jens Dornheim für Probleme. „Wir proben acht Wochen lang, das ist luxuriös viel Zeit“, freut sich die Schauspielerin, die erst kürzlich in Köln ihre Schauspielausbildung beendet hat. Jens Dornheim hingegen erklärt: „Die vielen Probentermine führten dazu, dass ich Tatjana mit ins Boot geholt habe, weil sonst meine anderen Projekte zu kurz kommen würden.“
Dabei sind sich Dornheim und Sarazhynska im klaren darüber, dass es selten ist die Regie zu teilen, aber sehr viel Spaß macht. „Mit zwei Regisseuren an einem Stück zu arbeiten, ist sehr spannend. Es gibt viele Diskussionspunkte, aber am Ende sind wir uns überwiegend einig“, schildert Tatjana Sarazhynska.
Schauspieler Ulrich Penquitt hat selbst Regieerfahrungen und meint dazu: „Man muss sich darauf einlassen, dass es oft zwei Meinungen gibt. Aber es ist auch spannend, dass hier doppeltes Knowhow einfließt. Das sorgt für interessante und vielschichtige Sichtweisen.“
Wie gut die Zusammenarbeit funktioniert, zeigt aber auch die Tatsache, dass eine Stelle im Originalskript allen Beteiligten unlogisch erschien und von Ulrich Penquitt umgeschrieben wurde. Auch ansonsten wurden kleinere Änderungen vorgenommen, um das Stück von den Niederlanden im Jahr 2003 nach Deutschland im Jahr 2018 zu überführen.
Und bei noch einer Entscheidung waren sich alle einig: Der Verpflichtung von Lea Fleck. Die Regisseure hatten den Wunsch nach einer jungen Schauspielerin. Durch die ZAV-Künstlervermittlung in Köln waren die Beteiligten auf Lea Fleck gestoßen, die sich sofort sehr interessiert zeigte.
„Der Stoff hat Lea überzeugt und sie wollte die Rolle. Das hat uns gezeigt, dass sie für diese Rolle brennt und so fiel die Entscheidung leicht“, sind sich die Regisseure einig. Lea Fleck ergänzt: „Es ist besser, als immer nur boulevardesk zu spielen. Und ein Zwei-Personen-Stück ist sehr schön. Natürlich ist es gewöhnungsbedürftig mit zwei Regisseuren zu spielen, aber das Ergebnis überzeugt.“ 

Über den Autor Theodoor van Gogh

Theodoor „Theo“ van Gogh war ein niederländischer Filmregisseur, Publizist und Satiriker.
Er arbeitete für Funk und Fernsehen und schrieb provokante Kolumnen. Dabei ließ sich van Gogh in keine Schublade packen und eckte gern an, um seine Grundforderungen nach Liberalität und Freiheit in den Fokus zu stellen.
Eins seiner letzten Werke war der Film „Submission“ über die Unterdrückung der Frau durch den Islam. Daraufhin erhielt er Morddrohungen und am 2. November 2004 machte der Fundamentalist Mohammed Bouyeri ernst und ermordete van Gogh in Amsterdam.

Autor:

silke sobotta aus Gelsenkirchen

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