Lesereihe der Antisemitismusbeauftragten des Landes NRW macht Station in Gelsenkirchen
„Gegen das Vergessen“

Benno Fürmann gehört zur ersten Riege der deutschen Schauspieler und hat auch in Hollywood seine Spuren hinterlassen. Im Musiktheater im Revier liest er am 28. September aus Dr. Ronen Steinkes „Fritz Bauer - oder Auschwitz vor Gericht“. Foto: Pascal Büning
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  • Benno Fürmann gehört zur ersten Riege der deutschen Schauspieler und hat auch in Hollywood seine Spuren hinterlassen. Im Musiktheater im Revier liest er am 28. September aus Dr. Ronen Steinkes „Fritz Bauer - oder Auschwitz vor Gericht“. Foto: Pascal Büning
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Dem Thema „Antisemitismus gestern und heute“ ist eine Lesereihe mit Prominenten aus Film, Fernsehen, Theater und Medien gewidmet, die von Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, der Antisemitismusbeauftragten des Landes Nordrhein-Westfalen, ins Leben gerufen wurde. Sie hat sich das Ziel gesetzt, die Erinnerung lebendig zu halten an eine Zeit, in der „Juden wegen ihres Glaubens aus unserer bürgerlichen Mitte gerissen zu Ausgestoßenen wurden“.

Den Auftakt der Lesereihe bestritt am letzten Wochenende der Schauspieler Christian Berkel in der Alten Synagoge in Essen. Am heutigen Samstag, 5. September, ist seine Frau, die Schauspielerin Andrea Sawatzki zu Gast im Sauerland-Theater in Arnsberg und morgen, Sonntag, 6. September, im Mondpalast von Wanne-Eickel. Am Montag, 28. September, wird die Reihe um 19.30 Uhr im Musiktheater im Revier fortgesetzt und hier liest Schauspieler Benno Fürmann aus Dr. Ronen Steinkes „Fritz Bauer - oder Auschwitz vor Gericht“.
Tickets für das Gelsenkirchener Gastspiel der Lesereihe im Musiktheater im Revier sind zum Preis von 15 Euro erhältlich online auf www.eventbrite.de/e/111269726748.
Das Ziel der Lesereihe, die noch mit weiteren namhaften Schauspielern bis Ende des Jahres fortgesetzt wird, ist es, möglichst viele Menschen über den noch immer in der Gesellschaft verbreiteten Judenhass aufzuklären und sie dadurch zum Nachdenken zu bringen. Antisemitismus ist eine Herausforderung für uns alle, denn er verletzt unsere Menschenwürde.
„Allen die mich immer wieder fragen: Ist nicht irgendwann Schluss mit dieser Erinnerung? Irgendwann muss doch Schluss damit sein, antworte ich gern mit den Worten von Christian Berkel aus seinem Roman „Mein Apfelbaum“ und frage zurück: Wollen wir die Ermordeten von damals ein zweites Mal töten, indem wir sie vergessen? Hinter wievielen Toten sollte denn der Schlussstrich gezogen werden?“, erklärte Sabine Leutheusser-Schnarrenberger bei der Premierenlesung.
Dabei erinnert sie immer wieder gern das Grundgesetz, in dem die Unantastbarkeit der Menschenwürde festgeschrieben ist und zwar unabhängig von seiner Abstammung, Rasse, Sprache, Heimat und Herkunft oder seines Glaubens. Für die Antisemitismusbeauftragte steht eins sicher fest: „Der Antisemitismus ist in Deutschland nach 1945 nie verschwunden.“
Das zeigen aus ihrer Sicht auch die aktuellen Corona-Demos, bei denen „wieder einmal versucht wird, den Juden die Schuld in die Schuhe zu schieben. Das sage ich als Verfechterin des Demonstrationsrechtes. Darum fordere ich, dass ein Schlussstrich gezogen wird gegen den Antisemitismus hier und überall auf der Welt.“
Christian Berkel sprach bei seiner Lesung vom „Wagnis der Erinnerung“ und der „Ungeheuerlichkeit des Geschehens, die einfach nicht erklär bar ist.“ In seinem Roman „Mein Apfelbaum“ geht Berkel der Geschichte seiner Familie auf den Grund. Der Titel stammt zum einen daher, dass der Apfelbaum auf dem Grundstück seiner Eltern in Kindertagen sein Rückzugsort aber auch sein erstes kleines Theater war. Zum anderen verbindet er mit dem Baum die Verwurzelung des Menschen in seine Geschichte: „Von einem Baum sieht man in der Regel nur die Krone. Man muss aber wissen, dass die Wurzel in ihren Ausmaßen denen der Krone entspricht und natürlich ist sie unverzichtbar für den Baum. Und so wie es ohne Wurzel keinen Baum gibt, kann es ohne Wurzeln auch keinen Menschen geben. Und darum bin ich auf die Suche nach meinen Wurzeln gegangen und am Ende entstand dabei dieser Roman.“
Den Zuhörern der Lesung gab Berkel mit auf den Weg: „Es steht nirgendwo geschrieben, dass wir immer in einer Demokratie leben werden. Vielmehr müssen wir selbst Haltung beziehen, die Demokratie lebendig halten und nicht alles der Politik überlassen. Denn die Geschichte besteht aus Geschichten und Schicksalen und nicht aus Karten und Zahlen.“

„Fritz Bauer - oderAuschwitz vor Gericht“

Dr. Ronen Steinkes Biografie über Fritz Bauer, den mutigen Ermittler und Ankläger der Frankfurter Auschwitz-Prozesse wurde als „Der Staat gegen Fritz Bauer“ 2015 preisgekrönt verfilmt und in mehrere Sprachen übersetzt.
Benno Fürmann liest im Musiktheater im Revier über Fritz Bauer, der die Deutschen zum Hinsehen zwang: Inmitten einer Justiz, die in der jungen BRD noch immer von braunen Seilschaften geprägt war, setzte er den großen Frankfurter Auschwitz Prozess durch. Er kooperierte mit dem israelischen Geheimdienst, um Adolf Eichmann vor Gericht zu bringen. Dr. Ronen Steinke erzählt das Leben eines großen Juristen und Humanisten, dessen persönliche Geschichte zum Politikum wurde.
1963 wird gegen 22 ehemalige NS-Schergen Anklage erhoben; in Frankfurt beginnt ein Mammutprozess. Ein Mann hat diesen Prozess fast im Alleingang auf den Weg gebracht: Fritz Bauer, Generalstaatsanwalt in Hessen. Ein Sozialdemokrat jüdischer Herkunft, der 1936 gerade noch hatte fliehen können. Er ist es, der die deutsche Nachkriegsgesellschaft zum Sprechen bringt – und Adolf Eichmann vor ein israelisches Gericht.

Benno Fürmann gehört zur ersten Riege der deutschen Schauspieler und hat auch in Hollywood seine Spuren hinterlassen. Im Musiktheater im Revier liest er am 28. September aus Dr. Ronen Steinkes „Fritz Bauer - oder Auschwitz vor Gericht“. Foto: Pascal Büning
Die Integrationsbeauftragte des Landes NRW, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, hofft auf viele am Thema Interessierte bei der von ihr initiierten Lesereihe „Antisemitismus gestern und heute“.
Foto: Tobias Koch
Autor:

silke sobotta aus Gelsenkirchen

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