Interview mit Erfolgsautor Klaus-Peter Wolf
"Gelsenkirchen ist meine Heimatstadt"

Sein neuester Roman "Rupert undercover - Ostfriesisches Finale: Der neue Auftrag" ist jetzt gerade erschienen.  Foto: Wolfgang Weßling
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  • Sein neuester Roman "Rupert undercover - Ostfriesisches Finale: Der neue Auftrag" ist jetzt gerade erschienen. Foto: Wolfgang Weßling
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Top-Autor Klaus-Peter Wolf hält am 3. September (19 Uhr) in der Heilig Kreuz Kirche, Bochumer Straße in Gelsenkirchen, eine Lesung zu seinem neuesten Kriminalroman "Rupert undercover - Ostfriesisches Finale". Der Stadtspiegel nutzte die Gelegenheit für ein persönliches Interview.

"Ich liebe es, in Ostfriesland zu leben und zu wohnen. Das war immer mein Sehnsuchtsort. Foto: Ute Bruns
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Willkommen in Deiner Geburtsstadt Gelsenkirchen, oder darf ich "Heimatstadt" sagen?
Klaus-Peter Wolf: "Na klar, Gelsenkirchen ist meine Heimatstadt. Hier habe ich die ersten zwanzig Jahre meines Lebens verbracht und hier bin ich geprägt worden. Hier habe ich mit dem Schreiben begonnen und meine Lehrer gefunden. Josef Büscher, Richard Limpert, Hugo Ernst Käufer und den legendären Detlef Marwig. Ohne sie wäre ich ein anderer geworden. Sie haben mein Gehör und meinen Blick nicht nur für Sprache geschärft, sondern auch für gesellschaftliche Verhältnisse."

Wenn Dein ehemaliger Deutschlehrer vom Grillo Gymnasium Gelsenkirchen zur Lesung käme, wie würdest Du ihn begrüßen?
Klaus-Peter Wolf: "Ich würde all meine alten Lehrer, selbstverständlich auch meinen Deutschlehrer, bitten, Platz zu nehmen und den Abend zu genießen. Am Grillo Gymnasium bin ich den unterschiedlichsten Lehrpersonen begegnet. Sie waren ein Spiegel der Gesellschaft. Einer hat uns große Schlachtenbilder an die Tafel gemalt und erklärt, wie wir den Krieg hätten gewinnen können, aber dort waren auch so wunderbare Menschen wie Franz Joseph van der Grinten und Johannes Stüttgen, beides Meisterschüler von Joseph Beuys. Wir wurden von den einen mit dem neuen Kunstbegriff konfrontiert und gleichzeitig von anderen mit einem alten, überlebten Gesellschaftsbild. In diesen Widersprüchen wurde ich groß."

Wie hat es Rupert, Nebendarsteller Deiner Ostfriesenromane, in die erste Reihe geschafft?
Klaus-Peter Wolf: "Rupert ist eine Besonderheit in der deutschen Literaturgeschichte. Ich glaube, er ist die erste demokratisch gewählte Hauptfigur in einem Roman. Rupert war für mich eine Nebenfigur in der Ostfriesenkrimireihe, eine sogenannte „Buffo“-Figur, also jemand, über den man lachen kann. Ein Mann, der mit der Männerrolle nicht klarkommt. Er sucht sich seine Vorbilder aus Kino und Fernsehen und damit scheitert er immer wieder grausam. Wer sich in der modernen Welt wie Humphrey Bogart oder Bruce Willis verhält, bekommt Probleme. Gerade diese Figur, die so unbeholfen ihren Weg sucht, haben immer mehr Fans geliebt.
Ich bekam Briefe, wie: „Bitte bringen Sie Rupert nicht um. Er ist kein Kanonenfutter!“ Eine Frau schrieb: „Seitdem ich Rupert kenne, weiß ich erst, wie toll mein Mann wirklich ist.“
Die Fans der Ostfriesenkrimireihe forderten mehr Raum für Rupert in den Büchern. Ein Rupert-Fanclub gründete sich. Sie traten bei meinen Veranstaltungen mit T-Shirts auf und verlangten, Rupert solle einen eigenen Roman bekommen. Als ich damit begann, merkte ich erst, welches Potential diese Figur wirklich hat und so wurde eine Trilogie daraus. Das Schreiben ist halt ein Abenteuer.

Auf einer Skala von 1 bis 10 - wie diplomatisch würdest Du Dich selbst einschätzen und warum?

Klaus-Peter Wolf: "Im Gegensatz zu meiner Hauptfigur Ann Kathrin Klaasen gelte ich als sehr teamfähig. Kein Wunder, wenn man so viele Filme gemacht hat. Beim Schreiben der Romane kann ich aber nicht diplomatisch sein, ich muss meine Figuren mit ihrer größten Sehnsucht und ihrer größten Angst konfrontieren. Ich muss sie unter Druck setzen und manchmal ganz schön böse zu ihnen sein. Autoren, die zu harmoniebedürftig sind und so mit ihren Figuren umgehen, scheitern.
Privat bin ich ganz anders. Da suche ich eher den Ausgleich und bemühe mich, Win-Win-Situationen zu schaffen. Mit Skalen und Zahlen kenne ich mich nicht gut aus. Ich weiß nicht mal, wie viel PS mein Auto hat."

Wieviel Mordlust steckt in Dir bzw. in jedem von uns?
Klaus-Peter Wolf: "Als Kriminalschriftsteller führe ich meine handelnden Figuren an ihre größte Sehnsucht und natürlich auch an ihre größte Angst. Ich glaube, dass jeder von uns dazu gebracht werden kann, einen Mord zu begehen. Es kommt nur darauf an, wie die Person getriggert wird. Niemand wird als Mörder geboren. Situationen, Druck, Angst, der Wunsch, etwas zu verdecken, bringen uns dazu. Stellen Sie sich einen braven Familienvater vor, der pünktlich seine Steuern zahlt, Frau und Kinder liebt und sich an die Gesetze hält. Dann vergreift sich jemand an einem seiner Kinder … Ich glaube, auch wenn er nie eine Partei wählen würde, die für die Todesstrafe ist, bekommt der gute Mann sehr schnell Mordgedanken."

Wenn Du heute noch mal wählen könntest: Hätte es auch einen anderen Klaus-Peter Wolf geben können?
Klaus-Peter Wolf: "Schon als ich ganz klein war, wusste ich, dass ich Schriftsteller werden wollte. Wohlgemerkt: ich wollte nicht reich werden und auch nicht berühmt, ich wollte meine Geschichten erzählen. Ich hatte auch immer den Wunsch, am Meer zu leben und Vater zu werden. Dies alles habe ich realisieren können."

Wie fühlt es sich an, den eigenen Namen immer wieder in den Bestseller-Listen zu lesen?
Klaus-Peter Wolf: "Es ist auf jeden Fall besser, als das eigene Gesicht auf einem Steckbrief zu sehen. Natürlich genieße ich es, aber ich kenne auch die Zeit, als meine Bücher wie Steine in den Regalen lagen – falls der Buchhändler sie überhaupt hatte. Ich war jahrzehntelang – wenn Sie so wollen - ein erfolgloser Autor. Von meinen Büchern hätte ich nicht leben können. Darum habe ich viel fürs Fernsehen geschrieben und endlose Lesereisen gemacht."

In Norden für immer im Urlaub oder musst Du auch manchmal raus in die große Welt?
Klaus-Peter Wolf: "Ich liebe es, in Ostfriesland zu leben und zu wohnen. Das war immer mein Sehnsuchtsort. Ich habe sieben Inseln vor der Haustür und auch eine Ferienwohnung auf einer Insel."

Wann geht ein Schriftsteller in Rente und was wird er dann dem Nachwuchs mit auf den Weg geben?
Klaus-Peter Wolf:
"Richtige Künstler gehen nicht in Rente und streben auch nicht danach, Urlaub zu machen oder einen Halbtagsjob anzunehmen. Sie lieben, was sie tun, das ist ihre große Leidenschaft. Dem „Nachwuchs“ sage ich gern: Nehmt eure Figuren ernst, widmet ihnen Zeit, hört ihnen zu, Sie erzählen euch dann die Geschichten, ihr müsst sie nur noch aufschreiben."

Und am schönsten wäre noch eine Antwort auf die Frage, die man Dir noch nie gestellt hat, die Du aber schon immer gerne gehört hättest...
Klaus-Peter Wolf:
"Aber ja doch! Als Schirmherr für ein Hospiz am Meer sammle ich Geld. Und ich wünsche mir die Frage: Herr Wolf, wohin darf ich mein Millionenerbe überweisen?"

Autor:

Anja Jungvogel aus Hagen

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