Am 7. April steigt die sechste „StraßenFeuer-SpendenGala“ im Hans-Sachs-Haus
„So lange ich atme, werde ich weitermachen“

Prof. Dr. Helmut Hasenkox, Dagmar von Warm durch die Nacht, Norbert Labatzki und die Arzt Mobil-Streetworkerinnen Cornelia Müller und Georgina Radons hoffen wieder auf ein ausverkauftes Hans-Sachs-Haus für die gute Sache.Foto: Gerd Kaemper
  • Prof. Dr. Helmut Hasenkox, Dagmar von Warm durch die Nacht, Norbert Labatzki und die Arzt Mobil-Streetworkerinnen Cornelia Müller und Georgina Radons hoffen wieder auf ein ausverkauftes Hans-Sachs-Haus für die gute Sache.Foto: Gerd Kaemper
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„In Gelsenkirchen ist die Hilfe für Obdachlose wirklich gut aufgestellt. Und das ist sowohl der Stadt Gelsenkirchen als auch den Bürgern zu verdanken“, lobte Streetworkerin Cornelia Müller vom Arzt Mobil, die gern auch mal über den Gelsenkirchener Tellerrand hinaus sieht, das Geschehen in unserer Stadt.

Und wenn die Diplom-Sozialarbeiterin dabei von Bürgern redet, dann spricht sie eine große Bandbreite an Menschen an. Zum einen sind das die Besucher der „StraßenFeuer-SpendenGala“, dann aber auch die ehrenamtlich Engagierten bei „Gelsenkirchen packt an! - Warm durch die Nacht“, den „Suppenküchen“ der Stadt und nicht zuletzt die „alten Damen, denen es anzusehen ist, dass sie nicht auf Rosen gebettet sind, und die mir trotzdem 10 Euro in die Hand drücken und darum bitten, das Geld der Obdachlosenhilfe zuzuführen“, wie Norbert Labatzki, der Initiator der Spenden-Gala schildert.
Nach wie vor beklagt Labatzki, dass es keine bundesweite Statistik für Obdachlose gibt. Die letzten zur Verfügung stehenden Zahlen der Bundesgemeinschaft der Wohnungslosenhilfe stammen aus den Jahren 2014 bis 2016 und besagen, dass es zuletzt 860.000 Menschen gab, die auf der Straße lebten, wobei die Zahl sich seit 2014 um 33 Prozent erhöht hatte, vermutlich aufgrund der Zuwanderung.
Einen weiteren Grund sieht der Gelsenkirchener auch darin, dass die Zahl der Sozialwohnungen seit 1990 um 60 Prozent zurück gegangen ist und sich die Mietspirale immer weiter in die Höhe dreht.
Als Beispiel nannte Labatzki Berlin. In der Stadt gibt es 11.000 Notübernachtungsmöglichkeiten, die aber nur geöffnet sind bei lebensbedrohlichen Temperaturen, sprich dauerhaft unter Minus 6 Grad.
„Es ist leider immer noch so, dass baurechtliche Vorschriften verhindern, leerstehende Gebäude in Gewerbegebieten für die Unterbringung von Obdachlosen zu nutzen. Eine Lockerung würde hier für große Abhilfe sorgen“, gibt Labatzki zu bedenken, gerade im Hinblick auf den bevorstehenden Winter.
Dagmar, eine Ehrenamtliche des Vereins Warm durch die Nacht schilderte: „Wir haben einen Mann, der immer wieder mal zu uns an den Bollerwagen kommt, mir aber nach wie vor ein Rätsel ist. Er ist gebildet, wie man an seinen Äußerungen zu Kulturveranstaltungen festmachen kann. Er ist gut gekleidet und hat Benehmen. Und doch weigert er sich bei öffentlichen Veranstaltungen, sich zu uns zu setzen. Etwa bei den Jazztagen, da haben wir ihn zu uns an den Tisch eingeladen und er blieb lieber im Hintergrund stehen.“
Ein bekanntes Problem, wie auch Prof. Dr. Helmut Hasenkox, der Geschäftsführer der emschertainment GmbH, die alljährlich für den Top-Act der Spendengala sorgt, bestätigt. „Durch die Vorbereitung und Durchführung der Spendengala habe ich ja regelmäßigen Kontakt zu den Leuten von Arzt Mobil und habe sie gefragt, ob es richtig ist, einem Obdachlosen Geld zu geben. Dabei habe ich erfahren, dass das sicher Sinn macht, aber ein Gespräch mit dem Menschen zu führen noch sehr viel besser wäre. Und das mache ich jetzt und konnte feststellen, wie sehr sich diese Menschen darüber freuen, angesprochen zu werden.“
Umso erfreuter ist Hasenkox, dass Norbert Labatzki die Idee zur Spendengala hatte und sie nach wie vor konsequent weiter führt. Denn er hat im letzten Jahr festgestellt, dass sich die „StraßenFeuer-SpendenGala“ zu einem „Place to be entwickelt hat. Die Gelsenkirchener Gesellschaft trifft sich bei der Spendengala. Und was ist dagegen einzuwenden, wenn sich die Mitglieder der diversen Serviceclubs, wie Rotarier, Soroptimisten und andere, sich hier die Klinke in die Hand geben?“
Darum war es für ihn auch kein Wunder, dass die Akquise des Top-Acts 2019 keine drei Minuten gedauert hat. Ein Anruf bei Carmela De Feo reichte aus und es war klar, dass sie am Sonntag, 7. April, ab 17 Uhr zu Gast sein wird.
„Es könnte ein sehr witziger Abend werden,“ sinnierte Hasenkox und erinnerte daran, dass alle Künstler kostenlos auftreten und die Einnahmen bis auf einen kleinen Beitrag für die Reinigungskräfte komplett der Obdachlosenhilfe zu gute kommen.Denn wie immer wird der Erlös zwischen den Vereinen Arzt Mobil und Warm durch die Nacht aufgeteilt.
Zum guten Gelingen trägt auch der Besuch des Bergwerksorchesters Consolidation bei, eine Kunstauktion, bei der in diesem Jahr ein Arena-Kunstwerk von Stephanie Albers versteigert wird, ein Auftritt eines MiR-Ensemblemitglieds und ein Potpourri, bei dem Nobert Labatzki auf 30 Jahre Berufsmusikertum zurückblicken wird. Man darf gespannt sein, denn seit 1989 hat Labatzki alias Dr. Stolzenfelz, Mr. Mamboo sowie Mitglied des Duo Zündholz und der Klezmerformation Badeken di Kallah so einige Male von sich reden gemacht.
Ein wenig verrückt, aber durchaus im positiven Sinne, ist er schon der Gelsenkirchener, dem Prof. Dr. Hasenkox dankt für sein Engagement, weil „Es braucht einen, der es macht.“ Wenn Norbert Labatzki dann verspricht: „So lange ich atme, werde ich weitermachen“, dann geht einem als Gelsenkirchener schon das Herz auf.
700 Karten stehen zur Verfügung für die Veranstaltung am Sonntag, 7. April, um 17 Uhr, Einlass ab 16.30 Uhr im Hans-Sachs-Haus. Karten zum Preis von 20 Euro gibt es bei der Stadt- und Touristinfo im Hans-Sachs-Haus, in der Buchhandlung Junius und beim „Meister“ Norbert Labatzki persönlich, wann und wo immer man ihn in Gelsenkirchen antrifft. Etwas teurer, 23,90 Euro, wird es an allen sonst bekannten Vorverkaufsstellen.

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