Vom 13. bis 21. Juli steigt das Europefiction-Sommercamp 2019 auf Consol
„Trust us, we are the future“

Die Organisatoren Inga Sponheuer, Manuel Moser und Georg Kentrup fiebern der Begegnung der Jugendlichen aus sechs europäischen Ländern bereits entgegen und freuen sich aller Arbeit, die dabei auf sie zu kommt, auf eine spannende Woche auf Consol. Foto: Gerd Kaemper
  • Die Organisatoren Inga Sponheuer, Manuel Moser und Georg Kentrup fiebern der Begegnung der Jugendlichen aus sechs europäischen Ländern bereits entgegen und freuen sich aller Arbeit, die dabei auf sie zu kommt, auf eine spannende Woche auf Consol. Foto: Gerd Kaemper
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Eine Woche lang wird das Gelände der ehemaligen Zeche Consolidation in Bismarck zur Open-Air-Wohngemeinschaft für 140 Jugendliche aus sechs europäischen Ländern. Damit vollzieht sich für alle sichtbar der Wechsel des Jugendcamps Pottfiction zu Europefiction.

Im Kulturhauptstadtjahr 2010 riefen sieben Theater im Ruhrgebiet erstmals jeweils eine Pottfiction-Jugendgruppe ins Leben. Der Höhepunkt des kulturellen Schaffens der Jugendlichen war dann das Pottfiction-Camp, das seitdem einmal im Jahr in einem der beteilig-ten Theater, von dem noch fünf übrig geblieben sind, stattfand.
Der Anspruch der künstlerischen Leitung, dass es sich bei Pottfiction um ein politisches Kunstprojekt handelt und die Entwicklung der Jugendlichen, die heute sehr viel mehr Teilhabe am gesellschaftlichen Leben einfordern als noch vor zehn Jahren, führte dazu, dass Pottfiction auf Europa ausgedehnt wurde. Bei einem politischen Miteinander kann Europa nicht außen vor gelassen werden.
Und so treffen sich ab heute, 13. Juli, auf einem knapp 7.000 Quadratmeter großen Grundstück der ehemaligen Zeche Consolidation Jugendliche aus Gelsenkirchen, Bochum, Dortmund, Hamm und Herne mit solchen aus Liverpool, Rotterdam, Paris, Budapest und Bologna.
Jede der Ruhrgebietsgruppen steht bereits seit einem Jahr mit ihrem europäischen Tandempartner in Kontakt. So besuchten die Gelsenkirchener Jugendlichen im Frühjahr ihr Partnertheater in Liverpool. Ansonsten funktioniert die Zusammenarbeit per Skype, E-Mail oder Whatsapp. Was dabei erarbeitet wurde, stellen die Gruppen nun den anderen Tandems vor. Aber nicht nur das.
Georg Kentrup vom Consol Theater erinnert sich an die Anfänge von Pottfiction: „Vor zehn Jahren gab es zum ersten Camp noch andere Hürden zu überwinden als heute. Damals war es schon etwas Besonderes, wenn junge Leute aus Gelsenkirchen ein Theater in Dortmund besuchten. Heute hat sich da einiges geändert und es wurde Zeit, das Projekt auf Europa auszudehnen. Darum bin ich froh, dass wir immer wieder etwas gewagt haben, auch wenn unsere Anträge auf finanzielle Unterstützung nicht im ersten Anlauf bewilligt wurden. Wir haben uns nicht entmutigen lassen und es weiter versucht und der Erfolg gibt uns nun recht.“
Dabei dürfte es echt spannend werden, wenn die Jugendlichen aus sechs Ländern - darunter auch Geflüchtete, die noch nicht sicher in der Sprache ihres Zufluchtlandes sind, - nun zusammenkommen. Oder wie Inga Sponheuer, ein Teil des künstlerischen Leitungs-Tandems des Gesamtprojekts, sagt: „Europefiction ist noch einmal ein Thrill oben drauf zu Pottfiction."
Auch die Begegnung der Theater untereinander ist für Manuel Moser, dem zweiten Teil des Führungstandems, ein Novum: „Eine solche Begegnung zwischen Theatern ist nicht alltäglich. Und hier treffen Kulturschaffende zusammen, die gemeinsam Dinge auf den Weg bringen wollen. Hier werden eine Woche lang 150 bis 200 Teilnehmer gemeinsam schlafen, essen, künstlerisch hochwertige Theaterdarbietungen anschauen und abends am Lagerfeuer politische Diskussionen führen.“
Dadurch, dass viele der Jugendlichen bereits seit einigen Jahren in den Pottfiction-Gruppen aktiv sind, versprechen die Organisatoren, dass die Qualität der dargebotenen Performances durchaus anspruchsvoll ist. Wie bei einem Festival bringt jede der Tandem-Gruppen ein Stück zu einem Oberthema mit. Hinzu kommen dann noch die täglichen Workshops, in denen weitere Performances erarbeitet werden.
Die Workshops drehen sich um Nachhaltigkeit, Bewegung, Freiraum, Musik, Diskussionskultur, Geschlechtsidentität und Exkursionen zur Erkundung der gastgebenden Stadt Gelsenkirchen. Als tägliches Ritual werden die Ergebnisse der Workshops allabendlich gegen 20.30 Uhr in Form von kleinen Minieinlagen allen Projektteilnehmern präsentiert. Am Montag, 22., und Donnerstag, 25. Juli, finden gegen 21 Uhr außerdem noch Feuertalkrunden statt, die der Erweiterung des Horizonts der Teilnehmer dienen soll.
„Das Camp ist harte Arbeit. Da müssen alle Bock drauf haben und mitziehen. Dabei gibt es aber keine Regeln, außer der, dass am Morgen alle fit sein müssen für die täglichen Aufgaben“, erläutert Inga Sponheuer.

Gäste sind willkommen,besonders am 20. Juli

Der Höhepunkt des Europefiction-Camps dürfte die Abschlussperformance unter dem Motto „Trust us, we are the future“ sein, von der heute noch niemand weiß, wie sie aussehen wird. Denn sie entsteht im Laufe des einwöchigen Camps und wird am Samstag, 20. Juli, ab 18 Uhr präsentiert. Dazu sind dann auch alle Bürger eingeladen, die Lust haben, Teil des Happenings zu sein, bei dem mehr als 100 Mitwirkende ihre künstlerischen Ergebnisse zeigen.
Aber auch darüber hinaus sind, auch wenn es gar keinen Zaun gibt, Zaungäste jederzeit erwünscht. „Allerdings kann es sein, dass sich auf dem Festivalgelände niemand befindet, weil alle entweder in den Workshopzelten oder dem riesigen Zirkuszelt in Aktion sind“, lacht Georg Kentrup, der aber darum bittet, sich davon nicht abschrecken zu lassen, sondern einfach mal vorbeizuschauen. 

Erste Erfolge

Für die Organisatoren, Inga Sponheuer, Manuel Moser und Georg Kentrup, ist ein Erfolg von Europefiction schon im Vorfeld des Camps sichtbar.
Denn die bilaterale Probewoche, die jede der fünf Ruhrgebietsgruppen in ihre Tandemstadt brachte, führte den Jugendlichen die Problematik der jugendlichen Flüchtlinge vor Augen, die teilweise aufgrund ihres ungesichertes Status keine Einreisegenehmigungen erhielten.
 Daraus entwickelten die Jugendlichen eine gewaltfreie, aber nachhaltige Aktion und demonstrierten am Europatag vor dem Düsseldorfer Landtag, um auf eine Ungleichbehandlung aufmerksam zu machen. Denn bei Schulfahrten mit den gleichen jugendlichen Flüchtlingen würden andere Maßstäbe angesetzt.
„Das zeigt uns, dass sich hier ein sehr demokratisches und politisches Projekt entwickelt hat und zwar auch durch die Jugendlichen selbst“, freut sich Manuel Moser.

Autor:

silke sobotta aus Gelsenkirchen

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