Faire Woche 2020:
Arbeiterwohlfahrt fordert Rechtsrahmen für Lieferketten

Ingrid Lebherz, Geschäftsführerin von AWO International.
  • Ingrid Lebherz, Geschäftsführerin von AWO International.
  • Foto: Bundesverband Arbeiterwohlfahrt (AWO International)
  • hochgeladen von Heinz Kolb

Anlässlich des heutigen Auftakts der Fairen Woche fordert die Arbeiterwohlfahrt die Bundesregierung dazu auf, endlich einen verbindlichen Rechtsrahmen für Lieferketten zu schaffen und Unternehmen sowie deren Handelspartner auch im Ausland zu einem wirksamen Umweltschutz und der Achtung von Menschenrechten zu verpflichten.

Noch immer nutzen auch deutsche Unternehmen geringere Sozial- und Umweltstandards oder lückenhafte Kontrollsysteme in anderen Ländern aus, um Produktionskosten zu senken und die eigenen Profite zu erhöhen. Hierbei machen sie sich den Umstand zunutze, dass es in Deutschland keine Haftungsregelung für derartiges Fehlverhalten gibt.

Die Folge sind nicht selten Menschenrechtsverletzungen wie Zwangs- und Kinderarbeit oder großflächige Naturzerstörung.

Ingrid Lebherz, Geschäftsführerin von AWO International, fordert: „Es ist beschämend, dass es Deutschland bis heute nicht gelungen ist, diesem Vorgehen einen Riegel vorzuschieben und die Menschen in den Produktionsländern zu schützen. Die Bundesregierung muss sich hier endlich gegen Lobbyinteressen durchsetzen und die Unternehmen durch ein scharfes Lieferkettengesetz in die Verantwortung bringen.“ In diesem Sinne sei es fatal, dass die Bundesregierung die Besprechung für ein Lieferkettengesetz jüngst erneut verschoben hat.

Die Arbeiterwohlfahrt fordert in diesem Zusammenhang auch, dem Sozial- und Gesundheitswesen den flächendeckenden Einsatz von fair gehandelten und biologisch erzeugten Produkten zu ermöglichen. Im Sozial- und Gesundheitswesen werden täglich gewaltige Mengen an Produkten beschafft und verbraucht.

Brigitte Döcker, Vorstandsmitglied des AWO Bundesverbandes, sagt hierzu: „Hier wäre ein echter Hebel, um nachhaltigen Konsum im Sinne der Ziele für nachhaltige Entwicklung voranzutreiben. Die aktuellen Finanzierungssätze lassen es aber oft nicht zu, auf Produkte mit entsprechenden Zertifikaten zurückzugreifen.“

Die AWO fordert die Entwicklung neuer Konzepte und die Berücksichtigung von Nachhaltigkeits- und Klimaschutzstandards bei der Finanzierung von Sozial- und Gesundheitswesen. „Es kann nicht sein, dass die Finanzierung gemeinnütziger Sozialer Arbeit so auf Kante genäht wird, dass die Dienstleister auf Produkte aus fragwürdiger Erzeugung zurückgreifen müssen“, kritisiert Döcker.

Gleichzeitig betont die AWO, nicht auf die neuen Rahmenbedingungen warten zu wollen. „Wenn wir die Nachhaltigkeits- und Klimaziele erreichen wollen, müssen wir schon jetzt aktiv werden“, so Döcker. Die AWO ruft ihre Einrichtungen daher auf, sich über den Einsatz fair gehandelter und biologisch erzeugter Produkte im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu informieren und ihren Anteil zu steigern.

Die AWO bekennt sich ausdrücklich zu den UN Zielen für nachhaltige Entwicklung sowie den Pariser Klimaschutzzielen. Sie wird im Rahmen einer bundesweiten Kampagne ab dem 20. September ihre Beiträge zum Erreichen der Entwicklungsziele darstellen.

AWO International ist Mitglied der zivilgesellschaftlichen Initiative für ein ambitioniertes Lieferkettengesetz. Das Bündnis aus über 100 zivilgesellschaftlichen Organisationen fordert von der Bundesregierung, das Gesetz nicht länger zu verschieben, sondern endlich für einen wirksamen Schutz von Menschenrechten und Umwelt zu sorgen.

Am 09. September übergab das Bündnis symbolisch eine Petition mit mehr als 222.222 Unterschriften an das Bundeskanzleramt.

Quelle: Bundesverband der Arbeiterwohlfahrt

Autor:

Heinz Kolb aus Gelsenkirchen

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