Bauer sucht Land - Biene sucht Lebensraum

Manchmal ist man schon verwundert über die Ignoranz gegenüber der Klimakatastrophe. Im Zeitraum zwischen 2009 und 2015 fielen im Stadtgebiet Gelsenkirchens 44 Hektar landwirtschaftliche Fläche weg und niemanden scheint dies aufzuregen. Der Klimawandel wird immer mehr bäuerliche Flächen in anderen, weniger begünstigten Erdteilen wegfallen lassen. Das kann eine massive Gefahr für die Ernährungssicherheit darstellen.

Wir können uns einen solchen Flächenraubbau nicht mehr leisten- schon gar nicht, um einigen Gutverdienern eine hübsche Wohnumgebung zu bieten, die problemlos auch innerstädtisch Häuser beziehen könnten. Aber in einer unglaublichen Hybris, glauben gewisse Leute, Anspruch auf eine bessere Umgebung zu haben. Ob dabei wertvoller Boden ruiniert wird, den wir irgendwann bitter benötigen werden, scheint manchen Menschen völlig gleichgültig. Aber sie haben ja Solarpaneele auf dem Dach, dann müssen sie ja zu den Guten zählen. Diese Einstellungen sind heuchlerisch und an Pharisäertum kaum zu überbieten. In einer Rede zum Waldbogenkomplex im Rat der Stadt habe ich bereits auf diese Problematik hingewiesen:

Bettina Peipe in der Ratssitzung am 07.07.2016 zur Vermarktung des Waldquartiers

Der Klimawandel ist für jeden sichtbar, der mit offenen Augen durch den Tag geht, und der sich eine gewisse Naturverbundenheit bewahrt hat. Sollten die Voraussagen der Klimaforscher auch nur im Ansatz zutreffen, dann wird das gigantische Flüchtlingsströme auslösen, denn diese Menschen werden in ihren angestammten Gebieten nicht mehr überleben können. Das berühmt berüchtigte 1,5 Grad –Ziel ist ein Durchschnittswert! Schon heute ist sehr wahrscheinlich, dass dieses Ziel nicht gehalten werden kann, angesichts eines brutal neoliberalen US-Präsidenten, der den Klimawandel schlichtweg leugnet und nur die Interessen seiner reichen Gönner und Spender aus dem Bankensektor und der Industrie bedient und einer „Klimavandalin“(Monbiot), namens Merkel, die sowohl die Autoindustrie pampert, als auch in keiner Weise den Versuch unternimmt, Landwirtschaft ökologischer zu gestalten.

Wenn also die Bauern und ihre Verbände in diesem Artikel über immer weniger landwirtschaftliche Flächen klagen, so ist das sicher richtig, richtig ist jedoch auch, dass diese Leute im Großen und Ganzen nicht für Ökologie stehen. Sie und ihre Verbände müssen sich im Gegenteil auch an die eigene Nase fassen, denn Landwirte sind mit für ökologischen Kahlschlag in Deutschland verantwortlich. Durch massiven Gifteinsatz und den Anbau von den Boden auslaugenden Monokulturen, ist die Zahl der Insekten in Deutschland seit 1989 um 75% zurückgegangen. Ca. 35% unserer Nahrung hängt direkt von Insektenbestäubung ab. Aber, bei den Bauernverbänden lösen diese dramatischen Zahlen offenbar kein Umdenken aus. Man güllt weiter den Boden, kippt jährlich 5000t Glyphosat von Monsanto, das im Verdacht steht, Krebs zu erzeugen, auf deutsche Felder und macht mit der eigenen Lobby in Deutschland und Brüssel weiter Stimmung für Agrarfabriken und Massentierhaltung. Diese für Mensch und Tier lebensfeindliche Politik wird auch noch durch die EU mit jährlich 55 Milliarden subventioniert.

Das Schlimmste aber ist, dass die deutsche Regierung diese Leute nicht nur gewähren lässt, sie unterstützt mit Rücksicht auf Wählerstimmen und die eigene Klientel diese selbstmörderische Politik nach Kräften! Wen interessiert da schon die Umwelt und die Bevölkerung.

Wie sagte Galeano so treffend: „Wenn die Natur eine Bank wäre, hätte man sie längst gerettet“

Kommentar zu folgendem Artikel: www.waz.de/staedte/gelsenkirchen-buer/die-landwirte-klagen-ueber-wachensenden-flaechenfrass-id212368903.html

Autor:

Brunhilde Michaelis aus Gelsenkirchen

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