Ein Städtepartnerschaftstreffen ganz im Zeichen einer erfolgreichen Europäischen Union
Europäisches Fest

 Nick Forbes, der Vorsitzender des Stadtrats von Newcastle, vertrat seine Meinung gegen den Brexit.  Foto: Gerd Kaemper
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  • Nick Forbes, der Vorsitzender des Stadtrats von Newcastle, vertrat seine Meinung gegen den Brexit. Foto: Gerd Kaemper
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Gelsenkirchen blickt auf eine 70-jährige Städtepartnerschaft mit Newcastle upon Tyne in Großbritannien zurück. Damit erinnert man sich an das Jahr 1949, das Jahr vier nach dem Ende des zweiten Weltkrieges, in dem sich Deutschland und Großbritannien als erbitterte Gegner gegenüberstanden. Trotz dieser Vorgeschichte entwickelte sich im friedlichen und geeinten Europa eine Freundschaft, die auch dem drohenden Brexit trotzen will.

Wenn es um Städtepartnerschaften geht, bewies Gelsenkirchen aber auch später immer wieder „ein gutes Händchen“ und ging Partnerschaften ein, die sicher nicht immer leicht zu pflegen waren, aber trotzdem beständig blieben und über Jahrzehnte hielten.
Denn die Städtepartnerschaft zwischen Gelsenkirchen und Zenica, das sich im heutigen Bosnien-Herzegowina befindet, besteht in diesem Jahr seit 50 Jahren - „Goldhochzeit“. In diesen fünf Jahrzehnten hat die Partnerschaft unter anderem dem Bürgerkrieg in Jugoslawien standgehalten.
Auch wenn es die Partnerschaft mit der türkischen Stadt Büyükcekmece erst seit 15 Jahren gibt, so gestaltet sich auch diese Freundschaft nicht immer ganz leicht, wie die jüngsten politischen Entwicklungen rund um die Kommunalwahl in Istanbul, dessen Vorort Büyükcekmece ist, zeigen.
Gelsenkirchen und Polen verbindet eine Freundschaft, die sehr viel länger besteht als die 27-jährige Stadtpartnerschaft mit Allenstein, dem heutigen Olsztyn. Denn viele Gelsenkirchener haben polnische Wurzeln. So übernahm die Stadt Gelsenkirchen 1952 eine Patenschaft für ehemalige Allensteiner (bis 1945), die in der Bundesrepublik Deutschland leben. Doch besiegelt werden konnte die Partnerschaft erst 1992, nachdem der „eiserne Vorhang“ fiel.
Vertreter aus den vier genannten Partnerstädten fanden sich in Gelsenkirchen ein, um die runden, halbrunden und auch den ungeraden Geburtstag gemeinsam zu feiern und einmal mehr zu demonstrieren, was das geeinte Europa auch für unsere Stadt bedeutet. „Mit einem schönen Fest, mit einem europäischen Fest, mit Teilnehmern aus fünf verschiedenen Ländern des Kontinents, aus fünf durchaus verschiedenen und besonderen Städten, die aber vieles verbindet – und die das verbindende Element auch bewusst leben und gestalten!“ mit diesen Worten begrüßte Oberbürgermeister Frank Baranowski die Gäste im Industrieclub.
Dabei fand das Stadtoberhaupt treffende Worte zur Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Europas, als er erklärte: „Es ist eine gemeinsame Geschichte, die Europa verbindet - und eine gemeinsame Gegenwart. Und mag die Wahrnehmung dieser europäischen Gegenwart auch geprägt sein von Meinungsverschiedenheiten, von Sorgen um den Zustand der Demokratie, so sollten wir nicht übersehen: Noch nie waren so viele Länder auf unserem Kontinent demokratisch verfasst. Noch nie haben wir so lange in Frieden gelebt. Noch nie hatten so viele Menschen die Chance, die Gegenwart dieses Kontinents mitzubestimmen. Ende dieses Monats können die EU-Bürger das sogar mit einer gemeinsamen Wahl tun. Und ich hoffe, dass viele Europäer von diesem Recht - ja von dieser Pflicht - Gebrauch machen und dem demokratischen Europa eine klare Kontur geben.“
Baranowski verriet, dass er am Abend zuvor gemeinsam mit Nick Forbes, dem Labour-Politiker und Leiter des Stadtrates von Newcastle, darüber sinniert hatte, „ob die englischen Besatzungsmächte Städtepartnerschaften am grünen Tisch entwickelt haben nach dem Motto: Bergbau- und Stahlstadt zu Bergbau- und Stahlstadt, ländlicher Bereich zu ländlichem Bereich. Wir beide konnten die Frage nicht beantworten. Jedenfalls beginnt damit eine wunderbare Geschichte zwischen unseren Städten.“
In seiner Rede erinnerte der Oberbürgermeister auch an das Kulturhauptstadtjahr 2010, als Delegationen der vier Partnerstädte zu Gast in Gelsenkirchen waren und gemeinsam in der Arena den Day of Song besuchten: „Und ich erinnere mich noch gut daran, dass der Vorgänger von Nick Forbes eine SMS nach Hause schrieb mit dem Text: You won’t believe, the Germans sing Land of Hope and Glory. Also: ihr glaubt es nicht, die Deutschen singen „Land der Hoffnung und des Ruhms“. Das war sehr eindrucksvoll, und diese Freude am Gesang, die hat sich dann - wer dabei war, wird es nicht vergessen haben – auch am Abend in der Hotelbar des Maritims fortgesetzt.“
Dieses Erlebnis hat Baranowski nicht nur Spaß gemacht, für ihn verbindet sich damit ein schönes und starkes Bild: „Menschen, die verschiedene Muttersprachen sprechen, die im Gespräch vielleicht nicht jedes Wort richtig verstehen, die sich aber doch verständigen können – und die gemeinsam singen. Die einen gemeinsamen Grundton haben. Eine Melodie, die sich durch viele Jahre hindurch zieht, die Menschen verbindet - heute wie morgen. Ja, wir blicken auf klangvolle und schöne Kapitel in unseren Städtepartnerschaften zurück - und es liegt an uns, diesen schönen Kapiteln weitere hinzuzufügen. Ich bin mir sicher, dass uns das gelingen wird. Und ich kann Ihnen versichern: Ich freue mich sehr darauf.“
Musikalisch begleitet wurde das Fest von MiR-Solistin Christa Platzer und MiR-Kapellmeister Thomas Rimes. Neben Chansons von Edith Piaf wie „Milord“ aus der Feder von Piafs Musiker-Freund Georges Moustaki erfreute Christa Patzer von Thomas Rimes am Klavier begleitet mit dem „Bürgerlied“ aus dem Jahr 1814, mit Petula Clarks Popsong „Downtown“ und dem Chanson „Göttingen“ der französischen Sängerin Barbara. Damit rundeten die beiden Musiker den europäischen Rahmen des Festes ein weiteres Mal ab.
Und wen wundert es: Als Präsent für seine Gäste aus den Partnerstädten hatte Oberbürgermeister Frank Baranowski eine schwarz-weiß Fotografie des schönsten Opernhauses im Revier, und wie er anmerkte auch weit darüber hinaus, ausgewählt, das er den Delegationsleitern aus Newcastle upon Tyne, Zenica, Olsztyn und Büyükcekmece überreichte.
Mit den Gastgeschenken, die er selbst erhielt, war am Ende ein ganzer „Gabentisch“ gefüllt, auf dem sich Ansichten aus den Partnerstädten und vieles mehr befanden. Ein freundschaftliches Geben und Nehmen im wahrsten Sinne des Wortes.

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