„Fusion statt Schlucken“

Der Altbau des Berufskollegs für Wirtschaft und Verwaltung an der Augustastraße 52/54 steht als ehemalige „kaufmännische  Unterrichtsanstalt“ unter Denkmalschutz. Im Hintergrund sieht man den Neubau, der sich in Richtung Wildenbruchstraße ausbreitet. Das Gebäude wird durch die Auflösung des Berufskollegs nicht geschlossen, sondern weiter genutzt. Vielleicht steht ihm sogar eine Zukunft als Gesamtschule bevor. Foto: Gerd Kaemper
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  • Der Altbau des Berufskollegs für Wirtschaft und Verwaltung an der Augustastraße 52/54 steht als ehemalige „kaufmännische Unterrichtsanstalt“ unter Denkmalschutz. Im Hintergrund sieht man den Neubau, der sich in Richtung Wildenbruchstraße ausbreitet. Das Gebäude wird durch die Auflösung des Berufskollegs nicht geschlossen, sondern weiter genutzt. Vielleicht steht ihm sogar eine Zukunft als Gesamtschule bevor. Foto: Gerd Kaemper
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Für die SchülerInnen und LehrerInnen des Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung ist die Schulentwicklungsplanung der Berufskollegs vermutlich nicht neu und auch nicht überraschend, sicherlich aber auch nicht erfreulich. Der Stadt Gelsenkirchen kommt die Planung dafür aber nicht nur aus langfristigen finanziellen Gründen entgegen, sondern auch weil sie eine Stärkung des Arbeitsplatzstandortes Gelsenkirchen bedeutet.

Die Reißleine ziehen bevor Bildungsgänge in andere Städte gehen

Das machte der für Gelsenkirchen zuständige Schulaufsichtsbeamte der Bezirksregierung Münster, Friedhelm Horst, deutlich als er skizzierte, dass die Pläne die Sicherung eines breitgefächerten Angebotes in Sachen Ausbildung bedeuten und somit dazu beitragen, dass Arbeitsplätze in Gelsenkirchen erhalten bleiben.
Denn auf lange Sicht wäre abzusehen gewesen, dass einzelne Bildungsgänge laut Landesvorgabe nicht hätten geduldet werden können und das hätte unter Umständen eine Abwanderung von Ausbildungsberufsfeldern in andere Städte zur Folge haben können. Darum bezeichnete Friedhelm Horst den Zeitpunkt als genau richtig.

Externes Gutachten seit 2011 in Auftrag

Dabei machte es sich die Stadt nicht leicht und geht auch keinen ganz einfachen Schritt. Bereits im Jahr 2011 wurde die Projektgruppe Bildung und Region (PBR) als externer Gutachter beauftragt, zu ermitteln, wie sich die Schülerzahlen im Bereich der Berufskollegs in Gelsenkirchen entwickeln wird. „Abgesehen von der 2011 bis 2013 nicht vorhersehbaren Zuwanderungswelle vornehmlich aus Südosteuropa, stimmen die Zahlen, die das Gutachten für dieses Schuljahr stellte, sehr eng mit den tatsächlichen Gegebenheiten überein“, erklärte Stadtdirektor Dr. Manfred Beck.
Wobei der Zuzug die Berufskollegs längst nicht so sehr betrifft wie die Grund- und weiterführenden Schulen.
Im nächsten Schritt wurden die angenommenen Schülerzahlen in Relation gesetzt zu den vorhandenen Räumen in den verschiedenen Berufskollegen. Anfragen an den Schulen brachten zu Tage, dass alle Schulleitungen auf die bestehende Nutzung von Dependencen zukünftig verzichten möchten, um Pendelverkehre einzusparen für Schüler wie auch für Lehrer.

Aus vier mach zwei mit drei Standorten

Daraus ergab sich die Planung von zwei Berufsbildungszentren mit drei Standorten in Gelsenkirchen. Möglich wird dies durch räumliche und fachliche Zusammenlegungen.
Das Berufskolleg für Technik und Gestaltung an der Overwegstraße 63 würde zukünftig entsprechend auf seine Dependencen an der Goldbergstraße 58 und der Turmstraße 9 verzichten. Die nötigen Räumlichkeiten sollen durch Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen am Standort Overwegstraße ermöglicht werden.
Der Standort Goldbergstraße 58 befindet sich in direkter Nachbarschaft zum Eduard-Spranger-Berufskolleg an der Goldbergstraße 60 und würde zukünftig dessen Raumnöte entzerren. Denn Schulleiter Manfred Abstiens spricht hier von einer Auslastung von rund 120 Prozent und Unterricht in zwei Schichten, um allen gerecht zu werden. Bis das neue Gebäude4 bezugsfertig wäre, nutzt das Eduard-Spranger-Berufskolleg die Außenstelle des Berufskollegs für Wirtschaft und Verwaltung an der Grimmstraße.
Das Berufskolleg Königstraße verbleibt an seinem Standort und würde während der nötigen Umbauarbeiten das Gebäude des Berufskollegs für Wirtschaft und Verwaltung an der Augustastraße 52-54 mit nutzen.

2019 wäre dann alles vorbei und zukunftssicher

Spätestens im Jahr 2019 sollen dann alle Umbau- und Umzugsmaßnahmen abgeschlossen und sämtliche Dependencen aufgelöst sein. Dann könnten die dann frei werdenden Schulgebäude an der Augustastraße und Grimmstraße anderweitig genutzt werden. Wie Dr. Manfred Beck schilderte, könnte die Augustastraße dann eine neue Gesamtschule Gelsenkirchen-Mitte beherbergen.
Das Ziel sehen Dr. Manfred Beck, Friedhelm Horst und auch Alfons Wissmann, der Leiter Referat Erziehung und Bildung, eindeutig in der Zukunfsfähigkeit. „Minderfrequentierte Klassen könnten Gelsenkirchen als Bildungsgänge an andere Städte verloren gehen. Das soll verhindert werden durch die Zusammenlegung an einem Standort“, schilderte Wissmann. Dem Referatsleiter war es wichtig, dass die bisherige Planung in „1:1-Abstimmung mit den weiter bestehenden Berufskollegs und der Schulaufsicht der Bezirksregierung“ erfolgt ist.

Schüler und Lehrer bleiben hier vor Ort

Friedhelm Horst von der Schulaufsichtsbehörde war es auch wichtig beiden Planungen, dass zukünftig kein Schüler und kein Lehrer das Gelsenkirchener Stadtgebiet verlassen muss.
Die drei verbleibenden Berufskollegs werden fachlich konzentriert und jedes Berufskolleg erhält eine Spezialisierung. Eine Ausnahme bildet das Berufsvorbeitungsjahr, weil die Schulleiter hier befürchten, dass die Schüler aus dem Stadtsüden gar nicht im Stadtnorden ankommen würden oder wie Manfred Abstiens es formulierte: „Diese Schülerschaft ist nicht wanderungsfreudig nach Buer.“
Wichtig war es Abstiens festzustellen, dass es sich bei der Auflösung des Berufskollegs für Wirtschaft und Verwaltung um eine Fusion und nicht um ein Schlucken handeln wird: „Die Goldbergstraße 58 und 60 sollen mit den von der Augustastraße kommenden Lehrern zusammenwachsen zu einem Gesamtkollegium.“ Dem konnten sich Hannelore Pohl vom Berufskolleg Königstraße und die kommissarische Leiterin des Berufskollegs für Technik und Gestaltung, Beate Schweiger nur anschließen.
„Bisher stießen die Pläne durchweg auf positive Resonanz. Daher hoffen wir nun alle auf die Zustimmung der Politik“, Die letzte Entscheidung liegt beim Rat der Stadt Gelsenkirchen, der sich am Donnerstag, 26. März, damit befassen wird.

Autor:

silke sobotta aus Gelsenkirchen

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