Mit Currywurst zum Sieg?

Heike Gebhard und Markus Töns ließen sich im August-Bebel-Haus die Currywurst schmecken. Ob ihnen diese nun zu dem Wahlergebnis verholfen hat, wie Gegenkandidat Frank-Norbert Oehlert unkte, sei dahin gestellt. Fest steht: Im Ruhrgebiet geht Currywurst immer und wenn es sein muss auch mit Sekt. Fotos: Gerd Kaemper
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  • Heike Gebhard und Markus Töns ließen sich im August-Bebel-Haus die Currywurst schmecken. Ob ihnen diese nun zu dem Wahlergebnis verholfen hat, wie Gegenkandidat Frank-Norbert Oehlert unkte, sei dahin gestellt. Fest steht: Im Ruhrgebiet geht Currywurst immer und wenn es sein muss auch mit Sekt. Fotos: Gerd Kaemper
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Der Sonntagabend stand im Land und natürlich auch in Gelsenkirchen ganz im Zeichen der Wahlen. Dabei gab es meistenteils erfreute Gesichter, doch zu allen Siegern gehören auch immer Verlierer und auch diese traf der Stadtspiegel bei seiner „Rundreise“ an, zumindest in Teilen.

Von Silke Sobotta

GE. Als vormals typische Arbeiterstadt war Gelsenkirchen, abgesehen von der Überraschung bei den Kommunalwahlen 1999, immer eine Hochburg der Sozialdemokraten. Doch der neuerliche Stimmenzuwachs, der mit dazu beiträgt dem Land NRW eine sichere Regierungs-Mehrheit zu schaffen, ist schon beachtlich.

Los geht die die bunte Parteien.-Reise

Ausgangspunkt der kleinen Reise von Partei zu Partei in Gelsenkirchen war im Süden das August-Bebel-Haus, wo kurz vor den ersten Hochrechnungen im Fernsehen und lange vor den ersten Gelsenkirchener Zahlen schon der Wahlsieg gefeiert wurde. Da hier aber nur einer der Kandidaten zugegen war, ging die Reise zunächst weiter zum angenommenen Treffpunkt der Partei Die Linke.

Keiner „Zuhause“ bei Die Linke

Bei den bisherigen Wahlen waren die Partei-Mitglieder und Kandidaten im Wahlkreisbüro an der Bismarckstraße anzutreffen und zu sprechen. Doch diesmal fand man dort gähnende Leere oder besser eine geschlossene Tür vor.

Die Grünen feierten
gemäßigt

Dafür wurde man in Buer gleich mehrfach fündig. Hier tagten wie schon so oft im Museumscafe die Grünen. Und sofort stieß man auf alle Grünen von Rang und Namen wie dem Fraktionsvorsitzenden Peter Tertocha, Beisitzer Robert Zion, Beisitzerin Susanne Helmke, die beiden Kandidaten Barbara Oehmichen und Patrick Jedamzik
und viele Sympathisanten.
Und auch wenn die Grünen in Gelsenkirchen 0,6 % verloren haben, zeigte man sich zufrieden bis erfreut. Zumal die Partei im Landesdurchnitt 0,8% der Stimmen eingebüsst hat.
„Wir haben mehr oder weniger unser Ergebnis von 2010 gehalten, dabei aber mehr Mandate erzielt und somit unser Hauptziel erreicht“, freute sich Patrick Jedamski, der im Wahlkreis 75 kandidierte.
Auch Barbara Oehmischen, Wahlreis 74, zeigte sich sehr zufrieden: „Ich hoffe, dass unsere Frauen weitermachen wie bisher, nur jetzt mit gestärktem Rücken, dank der deutlichen Mehrheit im Landtag.“

Ausgelassene Stimmung bei den Liberalen

Wenige Meter weiter klingt es aus dem „Bikini“ schon weithin hörbar „blau und gelb, blau und gelb ein Leben lang...“. Hier sind wir richtig bei der FDP, wo die Kandidaten Christoph Klug und Jens Schäfer gerade mit dem liberalen Bundestagsabgeordneten Marco Buschmann skandieren: „So sehen Sieger aus...“.
Klug kann kaum noch an sich halten vor Freude über den neuerlichen Einzug der FDP in den NRW-Landtag: „Das ist Wahnsinn, einfach nur Wahnsinn. Ich war ja schon optimistisch, aber dass es so wird, ist schon toll.“
Denn allen Prognosen von vor einigen Monaten zum Trotz haben die Liberalen nicht nur den Einzug in den Landtag geschafft, sondern noch ihr Ergebnis landesweit um 1,9 % verbessert. In Gelsenkirchen hat die FDP zwar 0,4% der Stimmen verloren, aber das ist am Ende des Tages eben nur noch zweitrangig.
Jens Schäfer, der ebenso wie Klug die tatkräftige Unterstützung der Mitglieder lobte, die noch bis in den frühen Sonntagmorgen Wahlkampfarbeit geleistet haben, erklärt: „Es hat sich gezeigt, dass harte Arbeit und klare Aussagen belohnt werden von den Wählern und, dass man mit Polemik nichts erreicht.“
Nun steht für die beiden Liberalen wieder die Kommunalarbeit im Fokus.

Die „Internet“-PiratenPartei gibt es in Echt

Nur mal eben um die Ecke und standesgemäß im Szene-Lokal (ohne Namen) residierten die Piraten. auch hier herrschte natürlich eine wahre Bombenstimmung. Gerade bedankte sich ein „Funktionär“ bei den Helfern für die tolle online und offline Arbeit, die zu dem geilen Ergebnis geführt hat und auch bei den Kandidaten, die im wahrsten Sinne ihren Kopf hingehalten haben.
Mit Alexander Schilling schickten die Gelsenkirchener Piraten den jüngsten Kandidaten in ganz NRW ins Rennen und der gerade mal 18-Jährige schoss im Wahlkreis 75 von Null auf 10,1%.
Kein Wunder, dass der junge Pirat begeistert war: „Wir sind total begeistert, weil wir bei den Erststimmen mehr erreicht haben als die Partei.“
Sein Piraten-Kollege Fabian Hoff sieht das Ergebnis als einen klaren Arbeitsauftrag an die Piraten, im Land ihre Marke zu setzen.

Bedeckte Stimmung bei der CDU

Nach so viel Euphorie geht es weiter mit eher ratlosen Mienen in der Kantine des Buerschen Rathauses, wo die CDU auf Bildschirm und Leinwand die Ergebnisse verfolgt.
Während sein Mit-Kandidat Oliver Wittke als Generalsekretär der NRW-CDU in Düsseldorf weilt, steht hier Frank-Norbert Oehlert als Gesprächspartner zur Verfügung: „Es ist eine nicht wegzuleugnende schwere Wahlniederlage. Für uns vor Ort wird es natürlich noch schwieriger, wenn der Spitzenkandidat nicht zieht. Trotzdem haben wir einen engagierten Wahlkampf betrieben. Wir lassen uns nicht entmutigen und werden in der Opposition der SPD und den Grünen genau auf die Finger schauen. “
Der CDU-Kreisvorsitzende Guido Tann erklärte den Wahltag zum „schwarzen Tag für die Union. Aber ich sehe auch einen respektablen Schritt des Spitzenkandidaten, der sein Amt niederlegte. Das war ein richtiger Schritt, der menschliche Größe zeigt und der Partei in Düsseldorf hilft nach vorne arbeiten zu können.“
Inzwischen ist klar, dass Oliver Wittke über seinen Listenplatz den Einzug in den NRW-Landtag geschafft hat. Ob er weiterhin Generalsekretär bleiben wird, entscheidet sich jedoch erst beim Parteitag am 30. Juni.

Die Sozis genießen bei Currywurst und Bier

Wieder zurück im August-Bebel-Haus ist inzwischen auch Heike Gebhard eingetroffen. Ihr Fazit lautet: „Es macht einen glücklich und stolz, zu sehen, dass die Arbeit der letzten zwei Jahre von den Bürgern wahrgenommen wurde. Das Ergebnis zeigt auch, dass unsere Linie ‚versprochen und gehalten‘ anerkannt wurde. So macht Politik Spaß!“
Ähnlich sah es auch Markus Töns, der von einem „historischen Abend“ sprach und erklärte: „Das ist ein tolles Wahlergebnis nicht nur für Gelsenkirchen, auch für NRW und zeigt, dass unsere Arbeit in der Minderheitsregierung nun belohnt wird. Wir haben nun einen großen Auftrag von den Wählern erhalten, der richtig Spaß macht.“

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