Digitale Kampagne des Sozialverbands Deutschland
Wie groß ist der Armutsschatten?

In einer Online-Kampagne macht der Sozialverband Deutschland auf Armutsrisiken aufmerksam.
  • In einer Online-Kampagne macht der Sozialverband Deutschland auf Armutsrisiken aufmerksam.
  • Foto: SoVD
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Der NRW-Landesverband des Sozialverbands SoVD (SoVD NRW) muss seine geplanten Aktionen im Ruhrgebiet verschieben und startet seine Kampagne zum Thema Armutsgefährdung und Altersarmut nun zunächst online. Der Verband hofft, die Präsenztermine in Gelsenkirchen im Herbst nachholen zu können.

Gerne wäre der SoVD NRW schon in diesen Wochen durch Aktionen in den Fußgängerzonen und Marktplätzen der Städte Bochum und Gelsenkirchen mit den Menschen ins Gespräch gekommen, aber noch ist dies aufgrund der Pandemie-Lage weiterhin nicht möglich. Der Verband hatte riesige rote Styropor-Figuren anfertigen lassen, mit denen er durch ganz NRW touren wollte. Diese werfen einen „Armutsschatten“, stellvertretend für die vielen Menschen, die aufgrund verschiedenster Umstände arm bleiben, in die Armut rutschen oder spätestens im Alter arm sein werden, wenn die Politik nicht gegensteuert. „Es muss sich endlich etwas bewegen“, sagt Franz Schrewe, Landesvorsitzender des SoVD NRW: „Wir haben im Herbst eine Bundestagswahl und auf bundespolitischer Ebene gibt es viele Stellschrauben, um sicherzustellen, dass Menschen nach jahrelanger Arbeit im Alter oder bei Erwerbsminderung nicht in der Grundsicherung landen“, so Schrewe weiter.

Armutsgefahr hat viele Facetten

Unter dem Titel „Wie groß ist dein Armutsschatten?“ informiert der SoVD NRW auf der Internetseite www.armutsschatten.de und in den sozialen Netzwerken über die vielen Armutsrisiken. Der Termin für den Startschuss wurde dabei nicht zufällig gewählt: Gerade Menschen mit einer Behinderung sind aufgrund von Benachteiligungen auf dem Arbeitsmarkt einem hohen Armutsrisiko ausgesetzt. Armut und Armutsgefährdung haben aber viele Facetten, wie sich auch im Ruhrgebiet vielerorts tagtäglich zeigt.

"Wir fordern, dass Unternehmensgewinne und
privater Einkommens- und Vermögensreichtum
endlich konsequent besteuert werden."

Verschiedene Filmbeiträge mit Beispielbiographien aus dem Leben erläutern das Problem: die junge Frau, die ihre Ausbildung aufgrund privater Probleme nicht beendet und sich fortan schlechtbezahlt in der Gastronomie durchschlägt, der Kfz-Mechaniker, der seinem Ausbildungsbetrieb 40 Jahre lang treu blieb, dann aber an Krebs erkrankt und mit Ende 50 von einer Erwerbsminderungsrente von nur 1050 Euro netto leben muss, der Kaufmann mit spastischer Lähmung, der zunächst erfolgreich in einem Handwerksbetrieb arbeitet, nach dessen Schließung aber in die Langzeitarbeitslosigkeit rutscht oder schließlich die Krankenschwester, die im Beruf pausiert, sich daheim um die kleinen Kinder kümmert und nach wenigen Jahren von ihrem Mann verlassen wird.

Für das Thema sensibilisieren

Diese Beispiele sollen zeigen, dass eine große Zahl von Menschen in die Armut rutschen kann, auch plötzlich und unerwartet. „Natürlich wissen oder ahnen viele Menschen, dass sie von Armut betroffen sind oder im Alter mit wenig Geld auskommen müssen, sofern die Politik nicht gegensteuert“, sagt Dr. Michael Spörke, Leiter der Abteilung Sozialpolitik und Kommunales in der SoVD-Landesgeschäftsstelle, „aber genau das ist ja unser Ansinnen, dass wir Armutsgefährdung und Armut im Alter stärker in die Öffentlichkeit bekommen, nicht nur die Betroffenen, sondern auch und gerade die politisch Verantwortlichen für das Thema sensibilisieren.“ Die Politik müsse endlich Maßnahmen auf den Weg bringen, um die gesetzliche Rente zu stärken „und den Menschen Perspektiven zu eröffnen für einen würdevollen und damit lebensstandardsichernden Ruhestand“. Allerdings müsse die Sozialpolitik insgesamt neu aufgestellt werden, so der promovierte Politologe: „Um Armut wirksam zu bekämpfen, hilft Geld. Deshalb fordern wir, dass Unternehmensgewinne und privater Einkommens- und Vermögensreichtum endlich konsequent und nach wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit besteuert werden – so wie es dem Verfassungsgrundsatz von der Sozialpflichtigkeit des Eigentums entspricht.“ Dazu gehöre eine deutliche Erhöhung des Spitzensteuersatzes bei Fortführung der Progression bis in die Spitzenregionen der Einkommen, die Erhebung einer ergiebigen Vermögensteuer, sowie die Anhebung der Erbschafts- und Schenkungssteuer - bei angemessenen Freibeträgen. Um die Sonderbelastungen der öffentlichen Haushalte infolge der Corona-Pandemie auszugleichen, spricht sich der SoVD auch für die Erhebung einer (einmaligen) Vermögensabgabe aus.

Wettbewerbe

Die Kampagne „Wie groß ist dein Armutsschatten?“, die in Niedersachsen bereits erfolgreich läuft und nun auch in NRW angekommen ist, richtet sich an eine breite Öffentlichkeit. Um auch junge Menschen zu erreichen, hat der Verband mehrere Wettbewerbe ins Leben gerufen. Bands und Solokünstler haben die Möglichkeit, sich mit eigenen Werken zum Thema Armutsgefährdung kreativ einzubringen und diesem im wahrsten Sinne des Wortes „eine Stimme“ zu geben. Ein weiterer Wettbewerb richtet sich an Filmschaffende. In beiden Kategorien – Film und Musik – werden die besten Einreichungen mit Preisgeldern von insgesamt 20 000 Euro belohnt. 
Alle Infos auf www.armutsschatten.de

Autor:

Lokalkompass Gelsenkirchen aus Gelsenkirchen

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