Untersuchung nach Vergewaltigung verweigert

Eine Frau in der verzweifelten Situation, Opfer geworden zu sein, auch noch abzuweisen, ist ein Faux Pas, der auch einer katholischen Klinik nicht passieren dürfte. Foto: Ralf Nattermann
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Diese Nachricht wurde mit ungläubigem Kopfschütteln quittiert: Eine junge Frau, mit KO-Tropfen bewusstlos gemacht und vergewaltigt, wurde in zwei katholischen Kliniken in Köln nicht untersucht, weil das dazu erforderliche Beratungsgespräch nicht der Ethik der katholischen Kirche entsprechen würde. In Gelsenkirchen wäre so etwas laut Angaben der hier Verantwortlichen nicht passiert.

Auch wenn sich die Klinikleitungen dafür entschuldigten und von einem internen „Kommunikations-Missverständnis“ sprachen, macht diese Nachricht fassungslos. Der Stadtspiegel fragte in den beiden katholischen Kliniken in Gelsenkirchen, dem Marienhospital in Gelsenkirchen und Sankt Marien-Hospital in Buer, nach, wie man hier mit einem solchen Fall umgehen würde.

Gelsenkirchener Kliniken und Polizei würden Hilfe nicht verwehren

Uwe Becker, Pressesprecher der St. Augustinus Gelsenkirchen GmbH, der die beiden Krankenhäuser angehoren, erklärte: „Zunächst einmal würde bei uns nie jemand abgewiesen werden, der krank ist und unserer Hilfe bedarf. Entsprechend wäre die Frau auf jeden Fall untersucht worden, wenn sie in eines unserer Krankenhäuser gekommen wäre.“

Fakt ist aber auch, dass diese Untersuchungen, damit sie rechtverbindlich sind, ein spezielles Equipment und personellen Aufwand bedeuten. „Da solche Fälle meist in der Nacht passieren, enden hier unsere Möglichkeiten, weil wir dann personell nicht stark genug besetzt sind, um diese Untersuchung durchzuführen“, erläutert Becker. Darum wäre es Usus, dass die Gelsenkirchener Polizei in gleichgelagerten Fälle das Uni-Klinikum Essen aufsucht.

Polizeisprecher Guido Hesse erklärte dazu, dass das zuständige Kommissariat, wenn eine Frau eine Vergewaltigung zur Anzeige bringt, diese zu einer Klinik begleitet, die bereit ist eine solche Untersuchung durchzuführen.

Die "Vorgeschichte" in Köln liegt ein Jahr zurück

Inzwischen ist eine Vorgeschichte zu dem Fall bekannt geworden. Danach hat ein konservativer Fernsehsender katholische Kliniken angegriffen, weil auf deren Gelände von Ärzten einer Notfallambulanz der kassenärztlichen Vereinigung einer "Testkäuferin" die Pille danach verordnet hatten. Die Abtreibungsgegner hatten dagegen gewettert, dass dieses Vorgehen nicht vereinbar sei mit der Ethik der katholischen Kirche.

Auch in Gelsenkirchen befinden sich die Notfallambulanzen der kassenärztlichen Vereinigung inzwischen auf dem Gelände zweier Gelsenkirchener Kliniken. In Gelsenkirchen "am" Marienhospital an der Virchowstraße und in Buer am Bergmannsheil. Der Fernsehsender soll in seiner Darstellung nicht darauf eingegangen sein, dass es sich um eine solche Einrichtung und nicht um die Krankenhausärzte gehandelt hat. Die Berichterstattung hat im letzten Jahr für einigen Wirbel gesorgt.

Kölns Erzbischof erklärte dazu, dass das der jungen Frau Geschehene dem christlichen Auftrag und Selbstverständlich widerspräche. Er verkündete, dass es keinen kirchlichen Auftrag gäbe, Vergewaltigungsopfer anders zu behandeln geschweige denn abzuweisen.

Autor:

silke sobotta aus Gelsenkirchen

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