Studie im Auftrag der Global Young Faculty
Warum der Nahverkehr im Ruhrgebiet keine gute Alternative zum Auto ist

Die Städte ächzen unter der Verkehrslast, doch Busse und Bahnen haben zu wenig Vorteile, meinen die Autofahrer.
  • Die Städte ächzen unter der Verkehrslast, doch Busse und Bahnen haben zu wenig Vorteile, meinen die Autofahrer.
  • hochgeladen von Harald Landgraf

Einer Studie zufolge sind die Menschen im Ruhrgebiet sehr umweltbewusst, doch die Autofahrer unter den Befragten haben ihre Gründe, nicht auf Bus und Bahn umzusteigen. Oft mangelt es an Verbindungen, dauert zu lange und mit dem Auto sei es bequemer, gaben sie an. Unter den Interviewten waren auch Gelsenkirchener und Essener.

48 Prozent aller 1007 Befragten würden häufiger mit Bus und Bahn fahren, wenn dies kostenlos wäre, gaben sie an, hingegen wäre bei den Autofahrern unter den Studienteilnehmern der Ticketpreis kein entscheidendes Motiv zu wechseln. Wegen Zeitgründen und Bequemlichkeit, würden Pendler beim Auto bleiben. Dies sind die Haupt-Erkenntnisse der repräsentativen Telefonumfrage des Sozialwissenschaftlichen Umfragezentrums im Auftrag der Global Young Faculty (GYF) in Duisburg.

Auch die Unzufriedenheit mit der Luftqualität wurde deutlich. So gaben 86 Prozent der Menschen an, dass sie sich um die Luft und die Gesundheit in den Städten sorgten.
Rund 72 Prozent der befragten Gelsenkirchener und 70 Prozent der Essener zeigten sich um die Auswirkungen der Luftverschmutzung auf ihre eigene Gesundheit besorgt.
Doch diese Sorge motiviert die autofahrenden Personen letztlich nicht zum Umstieg auf den ÖPNV.

51 Prozent der Befragten geben an, dass sie täglich das Auto nutzten, weitere 23 Prozent nur mehrmals in der Woche. Lediglich 11 Prozent fahren täglich und 17 Prozent mehrmals die Woche mit dem Fahrrad. 12 Prozent sind täglich und12 Prozent mehrmals die Woche mit Bus und Bahn unterwegs.

Während die Bus- und Bahnfahrer nach ihren Gründen für die ÖPNV-Nutzung gefragt wurden und die meisten den Vorteil in Zeitersparnis und Umweltschutz sehen und darin, keinen Parkplatz zu benötigen, fragte man die Autofahrer danach, warum sie nicht umsteigen:

„Warum nutzen Sie im Alltag selten oder nie öffentliche Verkehrsmittel wie Bus und Bahn?“

  • Rund 78 Prozent der Befragten gaben an, es bequemer zu finden.
  • Für 60 Prozent dauern Fahrten häufig zu lange.
  • Über 40 Prozent bemängeln passende Verbindungen, 
  • nur ein Drittel kritisierte die Pünktlichkeit.
  • Ein zu hoher Ticketpreis ist für 42 Prozent der Autofahrer ein Grund, nicht zu wechseln.

Nachwuchswissenschaftler der Universitätsallianz Ruhr und junge Vertreter aus der Wirtschaft sind in der GYF vernetzt. Sie schließen aus der Studie folgendes: „Es gibt demnach noch viel zu tun, um den Nahverkehr attraktiver zu machen: bessere, zuverlässigere und schnellere Verbindungen. Dazu müsste der Nahverkehr erheblich ausgebaut werden. Das erfordert ein engeres Netz, eine höhere Taktung und aufeinander abgestimmte Anschlussverbindungen, um am Ende mit dem Auto nicht doch schneller und bequemer am Ziel zu sein.“

Eine Arbeitsgruppe der GYF führte zudem ein Mobilitätsexperiment durch, bei dem 70 Berufspendler aus verschiedenen Unternehmen im Ruhrgebiet, für vier Wochen ein kostenloses ÖPNV-Ticket erhielten. Resultat: Trotz höherem Zeitaufwand und geringerer Flexibilität gaben nach dem Experiment die Hälfte der Pendler an, auch zukünftig der Umwelt zuliebe öfter den Nahverkehr zu nutzen. 7 Prozent kauften sich selbst ein weiteres Monatsticket. Dagegen sahen die anderen 50 Prozent der Teilnehmer Zeit und Kosten weiterhin als größtes Hindernis.

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