Desolate Schalker in Leverkusen

Beispielhaft für das komplette Spiel: Die Leverkusener verstanden es stets, alle Passwege der Schalker taktisch klug zuzustellen. Foto: Klaus Wieschus
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  • Beispielhaft für das komplette Spiel: Die Leverkusener verstanden es stets, alle Passwege der Schalker taktisch klug zuzustellen. Foto: Klaus Wieschus
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Nichts wurde es am Samstag mit dem 100. Bundesliga-Sieg für Huub Stevens mit seinem S04. Die Königsblauen zeigten in dem vermeintlichen Spitzenspiel bei Bayer Leverkusen ihr schwächstes Saisonspiel und verloren völlig verdient mit 0:2 (0:1). Dabei waren die Knappen mit den beiden Treffern noch gut bedient. Nicht nur, weil Lars Unnerstall sogar noch einen Foulelfmeter von Stefan Kießling hielt. Der einzige Schalker, dem Huub Stevens ansatzweise Normalform nach der Partie attestierte, war Kyriakos Papadopoulos, der aber zehn Minuten vor Spielschluss mit der gelb-roten Karte vom Platz flog.

Huub Stevens hatte seine Mannschaft vor dem Anpfiff auf lediglich einer Position geändert – notgedrungen. Denn Ibrahim Afellay hatte sich im Länderspiel gegen Deutschland eine Verletzung im Oberschenkel zugezogen und stand nicht einmal im Kader für das Sonnabend-Spiel. Für ihn spielte Julian Draxler von Beginn an auf der linken Außenbahn.

Leverkusen legte gleich los wie die Feuerwehr. Zunächst kam Kießling nicht richtig zum Kopfball, so dass das runde Leder noch klar über das Tor flog (2.). Doch es war der Startschuss für eine starke Partie der Gastgeber. Benedikt Höwedes konnte nur sieben Minuten später noch so gerade eben einen Schuss von Simon Rolfes zur Ecke klären und wiederum nur vier Minuten später war es erneut Kießling, der das 1:0 auf dem Fuß hatte. Zunächst ließ er gleich zwei Schalker aussteigen und schlenzte den Ball auf das lange Eck – allerdings etwas zu ungenau, so dass der Ball einen Meter vorbei flog. Als nach 25 Minuten auch noch Carvajal die nächste gute Schusschance hatte, aber sein Abschluss doch zu harmlos war, fragte man sich, ob Schalke auch noch mitspielen würde.

Zwar hatten die Gäste leicht optisches Übergewicht und auch mehr Ballbesitz. Doch der Ball lief langsam und ohne Ideen lange durch die eigenen Reihen. Manche Spieler wirkten sehr pomadig, Chancen? Fehlanzeige. Bis zur 27. Spielminute, als die Schalker gleich eine Doppelchance hatten. Da hatte Stevens’ Elf zum ersten Mal schnell gespielt und kam gleich durch Draxler und Holtby gefährlich vor das Tor von Bernd Leno, der soeben noch das 0:1 verhindern konnte. Es kann vorweg genommen werden: Es sollte Schalkes erste und zugleich letzte Torchance an diesem Abend sein. Nicht umsonst gab Huub Stevens nach Spielende zu Protokoll: „Wir haben um die Niederlage gebettelt.“

So war es auch kein Wunder, dass Bayer 04 weiterhin gute Tormöglichkeiten hatte. Castro schoss einen Freistoß nach einer halben Stunde knapp am Tor vorbei und Andre Schürrle hätte fünf Zeigerumdrehungen später aus nur zehn Metern besser mit vollem Risiko schießen sollen, statt den Ball mit der Innenseite sehr harmlos in Unnerstalls Arme zu schieben. Es passte zur Schalkes Leistung, dass die Gastgeber quasi mit dem Halbzeitpfiff zu einem psychologisch wichtigen Zeitpunkt in Führung gingen. Huntelaar hatte den Ball in der Vorwärtsbewegung verloren, wie schon eine Woche zuvor gegen Bremen. Leverkusen konterte über den sehr schnellen Schürrle, der all seinen Mut zusammen nahm und aus 25 Metern einfach mal auf das Tor schoss – und traf. Marke Traumtor! Denn der Ball drehte sich von Unnerstall so weg und in den Winkel, dass der Schalker Schlussmann nur noch staunend hinterher schauen konnte. „Sensationell“, urteile Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler schon in der Pause.

Beide Teams kamen unverändert vom Pausentee wieder. Unverändert ging es auch weiter. Denn es war Leverkusen, das sich weiter Chancen erarbeitete. Bender knallte nach einer Stunde den Ball an den rechten Pfosten. Castro wollte danach Unnerstall überraschen und den Ball lupfen, scheiterte aber nur denkbar knapp mit seiner guten Idee. Fünf Minuten später war es erneut Unnerstall, der einen Schuss gegen Schürrle dieses Mal parieren konnte. Nur 60 Sekunden später war aber auch Schalkes Nummer Eins machtlos. Fuchs spielte im Spielaufbau einen katastrophalen Pass in den Rücken eines Mitspielers, Kießling wurde angespielt, ließ noch einen Schalker aussteigen und vollstreckte zum hochverdienten 2:0 (67.). Wer mit einem Aufbäumen der Knappen gerechnet hatte, sollte sich völlig umsonst Hoffnungen machen.

„Wir haben um die Niederlage gebettelt“

In der 72. Minute war es Rolfes, der den nächsten Treffer für seine Farben auf dem Fuß hatte. Sein Schuss wurde allerdings in letzter Minute noch entscheidend abgefälscht, wodurch Unnerstall den Ball fangen konnte. Das Schalker Spiel blieb desolat. Neustädter foulte etwas ungeschickt Schürrle in der 80. Minute im eigenen Strafraum, wobei der Nationalspieler das Foul auch dankend annahm und eingefädelt hatte. Immerhin: Unnerstall konnte den fälligen Foulelfmeter von Kießling parieren, so dass es beim 2:0 blieb. Daran änderte sich auch nichts mehr, obwohl Papadopoulos nach wiederholtem Foulspiel nur eine Minute später mit der Ampelkarte das Spielfeld verlassen und Schalke fortan in Unterzahl weiterspielen musste.

„Ich hätte heute neun Spieler auswechseln können. Einen, den ich nicht rausgenommen hätte, hat sich selbst vom Feld genommen“, gab Huub Stevens nach dem Spiel zu Protokoll und meinte damit eben den jungen griechischen Innenverteidiger. Schalkes Cheftrainer muss seine Mannschaft nun schnell aufbauen, schließlich wartet Mittwoch (20.45 Uhr) bereits das wichtige Heimspiel in der Champions League gegen Olympiakos Piräus. Gewinnen die Schalker dort, ist der vorzeitige Einzug in das Achtelfinale perfekt. „Dort müssen wir viel besser agieren, sonst haben wir keine Chance“, unterstrich Stevens.

Sein Gegenüber, Sascha Lewandowski, war natürlich absolut zufrieden mit der Vorstellung seiner Mannschaft. „Wir haben eine überzeugende Leistung gezeigt. Es war wichtig, dass wir über 90 Minuten keine Räume angeboten und die entscheidenden Passwege zugestellt haben“, so der Bayer-Coach.

Bayer Leverkusen muss am Donnerstag (19 Uhr) in der Europa League bei Metalist Charkiw antreten und spielt im direkten Duell um den Spitzenplatz in der Gruppe. In der Liga empfängt Schalke am Samstag die Frankfurter Eintracht um 15.30 Uhr, während Leverkusen erst Sonntagabend (17.30 Uhr) bei der TSG Hoffenheim antreten muss.

Tore: 1:0 Schürrle (45.), 2:0 Kießling (67.)

Bes. Vorkommnisse: Unnerstall hält Foulelfmeter von Kießling (80.); Gelb-Rote Karte Papadopoulos (81./Wiederholtes Foulspiel)

Zuschauer: 29.808

Beispielhaft für das komplette Spiel: Die Leverkusener verstanden es stets, alle Passwege der Schalker taktisch klug zuzustellen. Foto: Klaus Wieschus
Der zuletzt kritisierte Lars Unnerstall verhinderte unter anderem mit einem gehaltenen Elfmeter eine noch höhere Niederlage. Foto: Klaus Wieschus
Autor:

Raphael Wiesweg aus Gelsenkirchen

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