Die neuen S04-Trikots für die nächste Saison sind quasi fertig

Volker Spätgens ist Leiter der Sponsoring-Abteilung arbeitet seit exakt 19 Jahren beim FC Schalke 04.
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  • Volker Spätgens ist Leiter der Sponsoring-Abteilung arbeitet seit exakt 19 Jahren beim FC Schalke 04.
  • Foto: FC Schalke 04
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Heute vor 19 Jahren begann Volker Spätgens beim FC Schalke 04. Mittlerweile ist der ehemalige S04-Praktikant Leiter der Sponsoring-Abteilung. Im Interview mit dem Stadtspiegel Gelsenkirchen spricht Spätgens nicht nur über den Wechsel vom Parkstadion in die Veltins-Arena. Der 47-Jährige spricht außerdem über kuriose Partner-Geschichten und nimmt auch Stellung zu den viel kritisierten neuen umbro-Trikots - inklusive dem Vorgehen und einem Blick in die Zukunft.

Stadtspiegel: Herr Spätgens, es gibt nicht viele auf Schalke, die länger angestellt sind, als Sie. Können Sie sich noch an Ihre Anfänge erinnern?
Volker Spätgens:
„Das kann ich sehr gut sogar. Ich habe im September 1999 ein sechsmonatiges Praktikum in der Marketing-Abteilung gemacht. Danach wurde ich übernommen.“

Wie groß war die damalige Abteilung?
„Das waren neben dem damaligen Marketing-Leiter Andreas Steiniger und zwei Assistenten, von denen ich einer war, noch ein paar Shop-Mitarbeiter.“

Ging mit Ihrem Start auf Schalke ein Traum in Erfüllung?
„Ja. Mein Vater erzählt mir noch heute: Wenn das dein Opa wüsste, der leider 1996 bereits gestorben ist und vor dem Weltkrieg zwei Meisterschaften feiern konnte, wäre er stolz. Da bekomme ich nach wie vor Gänsehaut.“

War der Zeitpunkt Ihres Einstiegs, kurz vor dem Bau der Veltins-Arena, Fluch oder Segen?
„Die Arbeit unmittelbar davor war extrem intensiv. Aber als wir dann die Hütte vollbekommen haben, war das ein geiles Gefühl. Ich weiß noch, wie ein Mini-Turnier veranstaltet wurde und nicht nur die No Angels, sondern auch Lionel Richie aufgetreten sind. Damals kannte ich nicht wirklich viele Songs von ihm. Das hat sich rund um die Feierlichkeiten am 13. und 14. August 2001 geändert.“

Was waren Ihre Aufgaben damals?
„Es ging um die Vermarktung der VIP-Plätze und das Gewinnen von Sponsoren und Partnern.“

Da war das oberste Regal sicherlich nie hoch genug, oder?
„Ich war schon nervös, als es „nur“ um den Verkauf von Business-Seats ging (lacht). Wir haben uns Stück für Stück vorgearbeitet, ehe wir zur Arena-Eröffnung nahezu alle verkauft hatten.“

Ein neues Zeitalter.
„Im Parkstadion hatten wir genau eine Loge. Mit diesem Partner arbeiten wir übrigens nach wie vor zusammen. Mit dem Umzug in die Arena hatten wir plötzlich insgesamt 72. Wir haben uns damals auch gefragt, ob wir VIP-Bereiche für 1.500 Menschen brauchen.“

Ein Wagnis, das funktioniert hat. Sie blieben aber nicht immer „nur“ die Assistenz der Marketing-Führung.
„Einige Jahre war ich Leiter der Hospitality-Bereiche. Als Alexander Jobst im Sommer 2011 zum S04 kam, haben wir uns neu aufgestellt. Der Vertrieb und die Betreuung wurden getrennt. Erst, wenn jetzt die Verträge unterzeichnet, beginnt meine Arbeit. Die Verhandlungen laufen bewusst diskret ab, damit nichts auf den Markt dringen kann. Erst danach kümmere ich mich um die Sponsoren, wobei wir den Gedanken der Partnerschaft in den Vordergrund stellen.“

Warum?
„Es geht darum, dass beide Seiten zufrieden sind, damit eine langfristige Zusammenarbeit entsteht und für beide Seiten das bestmögliche Ergebnis erzielt wird.“

Nicht selten sieht man Sie an Spieltagen durch die gesamte Arena laufen. Können Sie die Heimspiele genießen?
„Mein Kollege und ich haben unseren Stammplatz in der Veltins-Loge hinter der Scheibe. Falls einer von uns beiden bis zur 04. Spielminute noch nicht da ist, kommt die erste böse SMS (lacht). Da steckt Aberglaube dahinter. Selbstverständlich gehen wir aber auch von Loge zu Loge. Das Schöne daran ist aber: Die Partner sind wegen des Fußballs da. Während eines Spiels löst sich dann auch mal die Anspannung und man hat einen lockereren Zugang zueinander. Nach der Partie laden wir immer alle Partner in die Havanna Bar ein, so hat jeder die Möglichkeit, sein Netzwerk auszubauen.“

So wurde sicherlich der ein oder andere Geschäftspartner auch mal zu einem Fan gemacht!?
„Ich habe ein schönes, aktuelles Beispiel. Ein ehemaliges Partnerunternehmen ist noch in unserer übrigens sehr lebendigen WhatsApp-Gruppe aktiv und hat uns ein Foto zugeschickt, auf dem der neue Mitgliedsausweis zu sehen war. Von einem sehr gestandenen Geschäftsmann, der über 50 Jahre alt ist. Das zeigt ein bisschen, was wir erreichen wollen. Wir wollen jeden ein Teil der Familie werden lassen.“

Spielt die Attraktivität eines Spiels eine Rolle, wenn Sie einen potentiellen Partner überzeugen wollen?
„Auch hierzu gibt es eine tolle Geschichte. Ein Kanadier hat für einen unser ehemaligen Partner gearbeitet und war zunächst in der Zentrale in Spanien beschäftigt. Als Kanadier hatte er aber „nur“ etwas für Eishockey übrig. Auch in zwei, drei Jahren Spanien konnte ihn Fußball nicht überzeugen. Dann wurde er Geschäftsführer für das Unternehmen in Deutschland und die Zentrale war bei München. Der FC Bayern lud ihn zu einem Heimspiel ein, doch er erzählte, dass trotz eines 4:0-Sieges überspitzt ausgedrückt nur ein paar Leute nach jedem Tor geklatscht und sich dann wieder hingesetzt haben. Damals bekam er auch von uns einen Akquisebrief und wir luden ihn zu einem Derby-Heimspiel ein. Das wir gewonnen haben. Er war so begeistert, dass er anschließend direkt einen Sponsorenvertrag unterschrieben hat.“

Begeisterung ist das richtige Stichwort im Zusammenhang mit dem neuen Ausrüster „umbro“. Die neuen Trikots werden in der Fan-Szene kontrovers diskutiert. Wer entscheidet, wie beispielsweise das Ausweichtrikot aussehen soll?
„Wir haben „umbro“ gesagt, dass wir eine sogenannte Alarmfarbe brauchen, etwas Knallgrünes. Dann schaut der Hersteller, was auf dem Markt funktioniert, stellt Optionen vor und zu Viert entscheiden wir dann, welches wir nehmen. Wobei die Vorschläge meist alle so gut waren und sind, dass die Entscheidung schwer fällt. Sportdirektor Axel Schuster nimmt sie dann auch schon einmal in die Mannschaftskabine und lässt den Trainer und die Kapitäne sich die Trikots anschauen.“

Warum wurde es eine solch krasse Neonfarbe?
„Es ist modisch, sagen die Designer, eine poppige Farbe. Außerdem ist Grün im Stadt-Wappen vertreten, weswegen wir uns schon vor Jahren auf die Fahne geschrieben haben, wenn möglich Grün zu berücksichtigen. Es kam sogar schon einmal vor der Zeit von Domenico Tedesco vor, dass Trainer auf uns zugekommen sind und aggressive Farben gewünscht haben. Wenn auf dem Spielfeld Pressing gespielt wird und du von vier Leuten zugestellt wirst, wirkt es gleich ganz anders.“

Gibt es Farben, die Sie ausschließen würden?
„Außer der Farbe Gelb stehen wir allem offen gegenüber. Wir haben vor Jahren mit „adidas“ einmal überlegt, etwas Rot-Gelbes zu machen, weil Fans sich das wegen der Gründungsfarben von Westfalia Schalke gewünscht haben. Das würden wir jetzt ausschließen. Obwohl beispielsweise beim Uefa-Cup-Finale 1997 viele Fans auch mit unserem gelben Trikot in Mailand waren. Das wäre heute undenkbar.“

Es gab viele kreative Ideen von Fans zu den neuen Trikots.
„Die „umbro“ und wir auch registriert haben. Da gab es tatsächlich sehr viele tolle Ideen. „umbro“ bittet sogar uns solche Ideen weiterzuleiten, wenn sie sie nicht selber sehen, da sie wissen wollen, was die Fans beschäftigt. Leider scheiden viele aber sofort aus. Es gibt einige Regularien, an die wir uns halten müssen. Nehmen wir das Beispiel eines Trikots, auf dem ein Förderturm zu sehen war: Das sah toll aus. Aber das dürften wir gar nicht. Es gibt strikte Vorgaben der DFL, wie viele Grafiken auf ein Trikot dürften, wie groß sie sind… Abgesehen davon ist es viel günstiger einen Endlosstoff erstellen zu lassen. So sind nun Eisen und Schlegel an verschiedenen Stellen. Der Förderturm hätte immer an dieselbe Stelle gemusst, damit es vernünftig aussieht.“

War ein viertes Trikot für die Champions League angedacht?
„Davon habe ich öfter gelesen. Ehrlich gesagt war ein viertes Trikot aber nie Thema.“

Zu jeder neuen Saison gibt es bekanntlich ab sofort drei neue Trikots. Stehen die für die Saison 2019/2020 schon fest?
„Die sind fast fertig, ja. Es geht nur noch um Nuancen.“

So früh schon?
„Wir brauchen so früh Klarheit. Bereits im November dieses Jahres müssen wir für die Saison 2019/2020 eine Stückzahl für Spieler und Shops bekanntgeben. Das erfordert alles einen Riesenvorlauf. Von der allerersten Skizze beziehungsweise Idee bis zur Fertigstellung der drei Trikots vergehen circa 16 Monate.“

Das bedeutet, dass Sie für die Saison 2020/2021…
„… ungefähr bereits im Januar oder Februar 2019 anfangen mit neuen Ideen. Klar ist: In Heimspielen werden wir immer Blau tragen!“

Volker Spätgens ist Leiter der Sponsoring-Abteilung arbeitet seit exakt 19 Jahren beim FC Schalke 04.
Schon von Kindesbeinen an war Volker Spätgens Fan der Königsblauen.
Autor:

Raphael Wiesweg aus Gelsenkirchen

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