„Kuzorra, der Ulk“

Werner Wazek mit einem Bild von seinem Arbeitsplatz und "Kuzorras Bleibe". Foto: Raphael Wiesweg
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Ihr Stadtspiegel bei Ihnen zu Hause, Teil Eins: Werner Wazek über seinen Nachbar Otto Tibulsky, Saufkumpane Ernst Kuzorra und 2,00 DM Stundenlohn! Tief in Gelsenkirchen wohnt Werner Wazek. Ob als Kind, Erwachsener oder jetzt als Rentner. Er wohnte unter anderem auch mit Otto Tibulsky auf einer Straße und bekam Eintrittskarten fürs Stadion von Ernst Kuzorra.

1945 war es, als Herr Wazek in die Lehre ging. „Stellmacher und Karosseriebau bei Robert Hübscher“, erinnert sich Herr Wazek über 60 Jahre zurück. So weit, so gut, bis hierhin eigentlich nichts Besonderes. Doch der Arbeitsplatz an sich lag nicht irgendwo.
Denn im Hof der eigenen Firma konnte Herr Wazek in der Zigarettenpause nicht nur die nette Servicekraft der gegenüberliegenden Kneipe immer wieder beobachten. Sondern auch die Schalker Mannschaft. „Für ein bis zwei Jahre war „Zum deutschen Eck“ das Vereinslokal von Kuzorra und seine Kollegen“, so Wazek. Ecke König-Wilhelm-Straße 3 und der Straße zum Schalker Bahnhof, an der Glückauf-Schranke, war der Inhaber der Schalker Vereinskneipe, Hermann Gehring, Kuzorras Schwager. „Nach dem Weltkrieg hatte der Ernst auch kein Zimmer mehr und so hatte er auch da gleichzeitig seine Bleibe“, führt Wazek fort.

Von Tibulsky bis Szepan

Damals waren die Aufstellungen auch schon einmal ein paar Tage vor dem Spieltag bekannt. „Die Aufstellung war dann im Schaufenster auf kleine Zettel aufgeschrieben und reingeklebt“, erinnert sich Wazek. Namen wie Otto Tibulsky, Berni Klodt, Ernst Kuzorra oder Fritz Szepan standen dann im Fenster.
Tibulsky war für Wazek aber auch so immer ein Gesprächsthema. Denn „Ötte“ wohnte auf derselben Straße, wie Werner Wazek. „Der war vor allem immer mit meinem Bruder unterwegs, daher kannte ich ihn dann auch gut.“ Tibulsky eröffnete dann auch 1947 eine eigene Kneipe, die gleichzeitig dann Schalkes neue Vereinskneipe wurde. „Lass uns zum ‚Weber‘ gehen, haben wir dann immer gesagt.“
Damit Werner Wazek auch sich mal ein paar Bierchen mit Tibulsky oder Kuzorra erlauben konnte, arbeitete er noch zusätzlich als Wasserverkäufer. „Vor der Glückauf-Kampfbahn haben mein Freund und ich immer Wasserflaschen verkauft. 2,00 DM Stundenlohn. Mit heute nicht vergleichbar, damals aber ein Segen!“ Und die konnte er auch gleich wieder in Karten investieren. „Vom Kuzorra habe ich dann immer wieder die Karten bekommen, das war der kürzeste Weg“, erinnert sich Werner Wazek mit einem Schmunzeln zurück.
Mit Kuzorra konnte er auch eigentlich immer am besten ein Bierchen teilen und trinken. „Der war schon immer gut dabei und der hat auch einen Witz nach dem anderen erzählt. Der war schon ein Ulk, der Kuzorra.“

„Meistertitel wäre schön“

Jetzt, über sechs Jahrzehnte später, wirft Werner Wazek ein kritisches Auge auf die Fußballprofis. „Es ist schwierig so für den Verein zu schwärmen, wie vielleicht noch früher. Denn welcher Spieler identifiziert sich denn noch richtig mit dem Klub? Die sind doch alle nur hinter dem Geld her.“
Trotzdem hat Werner Wazek einen besonderen Wunsch für die kommende Saison. „Meister zu werden, das wäre schön“.
In dem Moment greift Werner Wazek nach dem Bild der Schalker Kneipe von 1945 und lächelt. Danach stoßen wir an. Ich bin zwar nicht Kuzorra und es ist auch nur Wasser. Aber Schalke bleibt Schalke.

Werner Wazek mit einem Bild von seinem Arbeitsplatz und "Kuzorras Bleibe". Foto: Raphael Wiesweg
Mit diesem Buch schwelgt Werner Wazek in Erinnerungen. Foto: Raphael Wiesweg

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