Sofortige Entmachtung und sanfter Sinkflug
Schalke trennt sich von Sport-Vorstand Schneider

Schalkes Sport-Vorstand Jochen Schneider ist ab sofort entmachtet und wird S04 spätestens am 30. Juni 2021 verlassen. Foto: Gerd Kaemper
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"Wenn der Aufsichtsrat die Zusammenarbeit beenden will, gehe ich ohne einen einzigen Euro." Sagte S04-Sport-Vorstand Jochen Schneider vor wenigen Wochen. Diese Ankündigung eines honorigen Abgangs ohne Abfindung versüßt ihm das angesprochene Gremium nun mit einem sanften Sinkflug von bis zu viereinhalb Monaten inklusive Bezahlung. Am heutigen Dienstag machte der Verein die Trennung zum 30. Juni 2021 publik. Schneider scheidet damit spätestens ein Jahr vor seinem eigentlichen Vertragsende aus. Warum man sich nicht sofort trennte und Schneider stattdessen noch ohne Amtsgewalt im Amt bleibt, sagt der Club nicht. Schneider werde "bis zur Übernahme der Geschäfte durch einen neuen sportlich Verantwortlichen im Amt verbleiben und das Tagesgeschäft der Lizenzspielerabteilung führen."

Schneider ist allerdings ab sofort nicht mehr zuständig - verklausuliert drückt S04 das so aus: "Der Aufsichtsrat beschloss, die zweigleisige Vorbereitung der Spielzeit 2021/2022 (gemeint sind 1. und 2. Liga) in die Hände des Teams Kaderplanung zu legen, das sich aus den gleichberechtigten Mitgliedern Mike Büskens (Koordinator für verliehene Spieler und internationale Aktivitäten), Peter Knäbel (Direktor Nachwuchs und Entwicklung) und Norbert Elgert (U19-Chef-Trainer) zusammensetzt."

Schneider werde dem Trio beratend zur Seite stehen und inhaltliche Entscheidungen, die in Abstimmung mit dem dreiköpfigen Team getroffen werden, umsetzen. Vom Entscheider zum vorübergehenden Befehlsempfänger - ein brutaler Abstieg.

Jochen Schneider war seit 14. März 2019 als Nachfolger Christian Heidels im Amt. In dieser Zeit wurden drei Trainer entlassen, zweimal übernahm Huub Stevens als Interimscoach. Aktuell hat der abgeschlagene Tabellenletzte nach 21 Spieltagen lediglich neun Punkte auf dem Konto, der Rückstand auf den Relegationsplatz beträgt ebenfalls neun Punkte. Neben den unglücklichen Entscheidungen bezüglich der Trainerposition wird Schneider die Zusammenstellung des aktuellen Kaders vorgeworfen, die offensichtlich den Ansprüchen an einen Erstligisten nicht genügt. 

„Ohne Zweifel trage ich Verantwortung für Planungen, Entwicklungen und Entscheidungen, die ich stets nach bestem Wissen und Gewissen getroffen habe. Hierzu gehören auch Fehlentscheidungen, die mich im Nachhinein sehr ärgern“, bilanziert Schneider ehrlich.  

„Der Aufsichtsrat ist sich einig, dass grundlegende Veränderungen im sportlichen Bereich notwendig sind, um den FC Schalke 04 aus der Krise und in eine erfolgreichere Zukunft zu führen“, erklärt Dr. Jens Buchta, Vorsitzender des Kontrollgremiums, zu dieser Personalie: "Über die weiteren personellen und vor allem inhaltlichen Veränderungen in der Lizenzspielerabteilung werden wir zu gegebener Zeit informieren.“

Autor:

Marc Keiterling aus Essen

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