Mal geben, mal nehmen, mal beides – und alles umsonst

Seit einer Woche steht die überarbeitete Givebox wieder vor dem Tossehof-Laden im Ravenbusch. Sie entstand im Zusammenhang in einem Workshop zum Thema Konsum des Jugendtheaterprojektes pottfiction und wird rege genutzt.
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  • hochgeladen von Silvia Dammer

Erste Gelsenkirchener Tauschzelle im Tossehof wurde aufgestellt

„Ah, sie steht ja wieder! Ich habe sie schon vermisst!“ Sigrid Schlucher hat ihr Fahrrad abgestellt und öffnet eines der Fenster des weißen Häuschens mit den acht Zellen. Ganz gezielt greift sich einen Roman von Nora Roberts heraus, blättert darin, legt ihn wieder zurück und nimmt einen anderen derselben Autorin.

Die weiß-blau gestaltete Zelle vor dem Tossehof-Laden im Ravenbusch wurde im Rahmen eines Workshopwochenendes des ruhrgebietsweiten Jugendtheaterprojektes „pottfiction“ zum Thema Konsum und alternative Verbrauchergewohnheiten von der Gelsenkirchener pottfiction-Gruppe entwickelt. Gemeinsam mit einem Schreiner aus Essen wurde sie dann nach dem Vorbild der Zelle auf dem Essener Vierhofer Platz gebaut, mit Büchern, Spielzeug und Küchenutensilien befüllt und dem Quartier Tossehof geschenkt.

Zelle musste repariert werden

Das erste Mal war sie bereits im Dezember vor dem Tossehof-Laden aufgebaut worden, musste aber in diesem Jahr noch einmal überarbeitet werden, weil der Winter seine Schäden hinterlassen hatte: zwei Scheiben der Fenster waren kaputt und die Zelle brauchte einen neuen Anstrich. Seit einer Woche steht sie als Blickfang und als Einladung zu nehmen und zu geben wieder im Quartier. Es ist übrigens die erste Tauschzelle in Gelsenkirchen.
Quartiersmanager Detlev Czakowski hat immer einen Blick darauf: „Die Idee funktioniert gut“, sagt er. „Es ist tatsächlich ein Nehmen und Geben.“ Vor allem die Bücherfächer würden rege geöffnet. Was Czakowski auch aufgefallen ist: Es wird pfleglich mit der Box umgegangen, von Vandalismus – den manche Quartiersbewohner vorhergesagt hatten – keine Spur.

Pottfiction-Gruppe formiert sich neu

Das freut auch Theaterpädagogin Ludmilla Ebert. Sie leitet die Gelsenkirchener pottfiction-Gruppe, die sich im Moment neu formiert.
Pottfiction – Theater, Kunst und Camps für Jugendliche der Kulturmetropole Ruhr – ist ein gemeinsames Projekt von Junges Schauspielhaus Bochum, Kinder- und Jugendtheater Dortmund, Consol Theater Gelsenkirchen, HELIOS Theater Hamm, theater kohlenpott Herne, Theater Hagen und Urbane Künste Ruhr. In dem Projekt geht es nicht nur um Theater sondern auch um die Kunst im Raum. Ein theatrales Projekt im öffentlichen Raum, so Ludmilla Ebert, soll es von pottfiction in diesem Jahr geben. Bisher gibt es schon einige Ideen zum Thema "Essbare Stadt".

Sigrid Schlucher hat sich mittlerweile für ein schmales Bändchen entschieden. „Das lese ich schneller und kann mir dann hier ja ein neues Buch holen.“

Autor:

Silvia Dammer aus Hagen

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