Pure Frauenpower bei der Migradonna 2017

Durch das Programm führte Sümeyye Algan.  Foto: Kurt Gritzan
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Wo: die Flora , Florastraße 26, 45879 Gelsenkirchen auf Karte anzeigen

Auch wenn sich einige wenige Männer in „die flora“ verirrt hatten, herrschte hier die Frauenpower vor. Denn es ging bei dieser Migradonna-Verleihung auch um eine echte Powerfrau.

Nicht nur, dass der Preis alljährlich ausgelobt wird vom Internationalen Frauencafé des Lalok Libre in Kooperation mit der Stadt Gelsenkirchen und der Ehrenamtsagentur, auch die Jury besteht natürlich aus Frauen und das Programm der Verleihung wurde von Frauen für Frauen gestaltet.
So begrüßte die Hausherrin der „flora“ Wiltrud Apfeld die Besucher, Sümeyye Algan führte durch das Programm, die EU-Parlamentarierin Terry Reintke hielt die Festrede, Bürgermeisterin Martina Rudowitz die Laudatio und Ayça Miraç sorgte, zugegebenermaßen mit ihren männlichen Begleitern, für das musikalische Rahmenprogramm.
Welchen Stellenwert die Migradonna inzwischen in Gelsenkirchen hat, zeigte auch die Tatsache, dass Terry Reintke am Vortag von Brüssel in ihre Heimatstadt Gelsenkirchen reiste und direkt im Anschluss an die Migradonna weiter musste nach Berlin. Dort beriet sie mit ihrer Partei Die Grünen das weitere Vorgehen in den Koalitionsverhandlungen zur Benennung einer neuen Bundesregierung.
Reinke würdigte die Migradonna als eine beeindruckende und einzigartige Initiative und gab in ihrer Rede zu bedenken, dass wir uns in schwierigen Zeiten befinden: „Frauenrechte sind überall auf der ganzen Welt in Gefahr. Frauenanliegen werden lächerlich gemacht oder sogar angegriffen. Darum müssen Frauen immer weiter um ihre Rechte und Freiheit kämpfen. Und genau hier sehen die die Migradonnen als Vorbild.“
Sie erinnerte an den zunehmenden Rassismus und Antisemitismus und plädierte für Vielfalt, Solidarität und den Zusammenhalt der Frauen. Dabei gab sie zu bedenken, dass Frauen mit Migrationshintergrund noch immer oft doppelt gefährdet sind. In diesem Zusammenhang würdigte sie Gelsenkirchen als Beispiel dafür, wie Integration funktionieren kann.
Die gebürtige Gelsenkirchenerin Ayça Miraç begeisterte mit ihren verschiedensten Musikdarbietungen, die sie in lasischer, mingrelischer, türkischer, englischer und portugiesischer Sprache vortrug. Am Bass wurde sie dabei von Philipp Grußendorf und am Piano von Henrique Gomide begleitet.
Für Bürgermeisterin Martina Rudowitz war es eine Ehre, die Laudatio für die zehnte Migradonna zu halten, denn „dabei handelt es sich ja schon um ein kleines Jubiläum“. Sie bezeichnete die bisherigen Preisträgerinnen als „herausragende Beispiele für eine gelungene Integration.“ Und erinnerte daran, an wie vielen Stellen die Frauen in der Stadt aktiv sind.
Martina Rudowitz gab einen Abriss über das bisherige Leben der Migradonna 2017, die 1960 in Teheran geboren wurde und 1978 nach Deutschland kam. Eigentlich wollte sie weiter in die USA, doch die Geiselnahme in der Teheraner US-Botschaft im Jahr 1979 verhinderte ihre Emigration.
Nach einem Sprachkurs am Goethe-Institut wollte sie Mathematik studieren, was aber daran scheiterte, dass ihr Abitur nicht anerkannt wurde. Sie ließ sich aber nicht unterkriegen und studierte stattdessen Sozialwissenschaften und Biologie. Ihre Liebe zur Mathematik führte dazu, dass sie zur EDV-Kauffrau umschulte und eine Karriere in einem Gelsenkirchener Unternehmen machte, ehe sie nach Bottrop wechselte.
Durch ihre Ehe erhielt sie die dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung und nahm später zusätzlich zur iranischen auch die deutsche Staatsbürgerschaft an. Sie wurde Mutter einer Tochter, die ihr nachschlägt und nicht nur oft Klassen- und Studienbeste war, sondern gerade dabei ist mit 22 Jahren ihren Masterabschluss in Wirtschaftswissenschaften zu absolvieren.
Die Rede ist von Nilufer Hainbach, die von Claudia de Groot vorgeschlagen wurde, die in ihrer Eingabe schrieb: „Nilufer Hainbach ist für mich ein Bespiel für gelungene Integration. Sie hat durch ihren Lebenslauf gezeigt, dass man als Frau mit Migrationshintergrund in der deutschen Gesellschaft erfolgreich sein kann.“
Darüber hinaus ist die Migradonna 2017 ehrenamtlich aktiv und hat sich in der akuten Zeit der Flüchtlingskrise als Übersetzerin in Farsi angeboten und verdient gemacht. Beim Paritätischen Wohlfahrtsverband unterstützt sie afghanische und iranische Flüchtlinge und „baut ihnen Brücken, sich in die städtische Gesellschaft einzuleben. Sie ist für viele junge Geflüchtete, besonders auch für Frauen, zu einer wichtigen Bezugsperson, Leitfigur, geworden.“
Ihr Engagement geht so weit, dass sie als Dolmetscherin der Entbindung einer Afghanin beiwohnte und einen Iraner mit Nabelbruch bis zur OP-Tür begleitete und nach der Operation die Nachsorge mit übernahm.
Die Migradonna-Skulptur 2017 stammt von der gebürtigen Iranerin und freiberuflichen Künstlerin Farzaneh Zaim, die selbst vor 20 Jahren die gefährliche Reise nach Europa antrat, weil ihr Mann in ihrer Heimat politisch verfolgt wurde. Zehn Jahre lang musste die Familie auf einen endgültigen Aufenthaltstitel warten und ihr Leben war geprägt von Angst und Unsicherheit. In dieser Zeit durfte das Paar weder arbeiten noch Sprachkurse belegen.
Doch das liegt nun hinter der Gelsenkirchenerin: „Jetzt bin ich stolz, dass ich dort angekommen bin, wo ich gerade stehe und die Ehre habe, mit unglaublich tollen Menschen zu arbeiten und meiner Leidenschaft, der Kunst, nachzugehen. Nach verschiedenen Fort- und Ausbildungen bin ich froh, Teil von Projekten zu sein, die mir sehr am Herzen liegen.“ Zwei ihrer drei Kinder studieren, das jüngste steht vor dem Abitur. 

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