Wer sich selber hilft, dem wird geholfen....

Meist sind es Mädchen, die aktiv sind im Reiterverein ETuS an der Dessauer Straße. Für sie wäre ihr zweites Zuhause verloren, wenn der Reiterverein aufgeben müsste. Foto: Gerd Kaemper
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  • Meist sind es Mädchen, die aktiv sind im Reiterverein ETuS an der Dessauer Straße. Für sie wäre ihr zweites Zuhause verloren, wenn der Reiterverein aufgeben müsste. Foto: Gerd Kaemper
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Seit Ende 2010 steht der Reiterverein ETuS Gelsenkirchen 1996 im wahrsten Sinne im Regen oder auch Schnee, je nach Wetterlage. Denn der Jahrhundertwinter bescherte dem Verein eine eingestürzte Reithalle und somit einen mehr als nur „luftigen“ Winter. Denn die 13 Schulpferde müssen bewegt werden, egal was das Thermometer und das Wetter sagen. Sollte sich nicht bald etwas an der Situation ändern, sieht der Vorstand es Vereins diesen vor dem Aus.

Von Silke Sobotta

GE. Der Reiterverein ETuS ist ein noch recht junger Verein, dafür aber getragen von vielen sehr engagierten Mitgliedern. Rund 100 ETuSianer werden an der Dessauer Straße gezählt, davon sind etwa 85 % Kinder und Jugendliche, die hier für kleines Geld Reitunterricht erhalten. Denn Reiten ist eigentlich kein billiger Sport, aber eben nur eigentlich, denn dank ETuS Gelsenkirchen 1996 ist hier das Reiten auch erschwinglich für Kinder aus weniger gut betuchten Familien.

Und weil es um ihr zweites „Zuhause“ gebt, sind die Kinder und Jugendliche seit der Schnee-Katastrophe, die über den Verein regelrecht hereinbrach sehr aktiv. Mal trifft man sie in der Gelsenkirchener City, wie sie versuchen Geschäftsleute auf ihre Misere aufmerksam zu machen und erfragen, ob es möglich wäre eine Spendenbox aufzustellen. Dann stellt sich der Verein in der Sparkassen-Filalie in Ückendorf vor und versucht sich im Stadtteil bekannter zu machen und zuletzt veranstaltete der Verein einen Tag der offenen Tür, der sehr gut besucht war. Vermutlich nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass sich die Bürger der Wichtigkeit dieses Vereins bewusst sind.
„Es war für uns schon ein großer Akt, die eingestürzte Halle verschwinden zu lassen. Wir sind ja allesamt nur Ehrenamtler. aber auch die Kinder und ihre Eltern sind sehr engagiert“, freut sich die Geschäftsführerin des Vereins Monika Patrias.
Und wie engagiert man in diesem Verein ist, zeigt auch die Tatsache, dass es ETuS gelungen ist bei den Stadtmeisterschaften zwischen all den finanziell meist deutlich besser gestellten Vereinen den zweiten Platz im Springen zu erkämpfen.
„Es gingen sechs Vereine an den Start, von denen drei sogar zwei Teams ins Rennen geschickt haben. Dabei als zweite Sieger hervorzugehen, dass war schon ein hohe Auszeichnung auch für unsere Trainerarbeit, die wir hier leisten. Denn wir wollen die Kinder, die zu uns kommen, nicht nur fördern, sondern auch fordern“, schildert Patrias, die auch vier ihrer Privatpferde mit einbringt, um die jungen Leute, meist Mädchen, zu trainieren. Denn die 13 Schulpferde sind nicht unbedingt geeignet, um große Erfolge zu erzielen.
Als gemeinnütziger Verein konnte ETuS bislang auch keine „Reserven“ anlegen, für Fälle wie diesen. Zumal die erforderliche Summe von rund 50.000 Euro, um wenigstens erst einmal wieder ein Dach über dem Kopf zu haben, nicht hätte angespart werden können.
Bislang haben die Sparkasse und auch die Spardabank ihre Unterstützung zugesagt und auch auf dem Spendenkonto des Vereins ist ein wenig Geld eingegangen, aber für ein Dach reicht das noch lange nicht.
Zur Zeit befasst sich auch die Politik mit dem Problem. Die CDU hatte im Sportausschuss einen Antrag gestellt. Günther Brückner, Sprecher der CDU-Fraktion im Ausschuss: „Wir wollen in der Sitzung darüber diskutieren, wie die Fortführung der Vereinsarbeit an diesem Standort dauerhaft erhalten werden kann.“
Der Ausschuss trug dem Vereinsvorstand auf, ein Finanzierungskonzept zu erstellen. „Das ist natürlich ein guter Ansatz, aber selbst dabei geraten wir an unsere Grenzen, denn wir sind ja keine Geschäftsleute, die so was tagtäglich machen,“ gibt Monika Patrias zu bedenken.
Im Idealfall würden für eine neue Reithalle Kosten in Höhe von rund 100.000 Euro entstehen, denn wo er kann würde der Verein seine tatkräftige Unterstützung mit einbringen. „Aber die Seitenwände sind uns zur Zeit gar nicht so wichtig. Vielmehr geht es uns um das Dach, das die Kinder und die Pferde trocken hält“, schildert die Geschäftsführerin. Darum werden auch Baufirmen gesucht, die bereit wären notwendiges Material zu spenden.
Das Gelände des Vereins gehört der Deutschen Bahn, die es für 1.300 Euro pro Jahr an ETuS vermietet und auch jederzeit bereit wäre über einen Kauf zu verhandeln. Somit wären Verein und Hallenneubau auch über die nächsten fünf Jahre, die der Pachtvertrag beinhaltet, hinaus gesichert.
Der Geschäftsführer von Gelsensport, Dr. Günter Pruin, zeigte sich zuversichtlich, was das Fortbestehen des Vereins betrifft. „Die Situation war zu Anfang nicht ganz leicht. Denn der Mietvertrag mit der Deutschen Bahn wurde nur von Jahr zu Jahr verlängert, da konnte sich der Vorstand von Gelsensport durch Joachim Krügel, der selbst aus dem Reitsport kommt, positiv einbringen und einen Fünfjahresvertrag erwirken. Das gibt schon einmal eine ganz andere Planungssicherheit“, schildert Pruin. Die neue Kalkulation durch den Verein sieht auch sehr viel besser aus, weil eben an das skizzierte Modulverfahren bei der Halle gedacht wird. Bei dem zunächst nur ein Dach als Schutz errichtet werden soll und dann nach und nach die Seitenwände. „Der Verein sieht nur die Chance, dass er Eigenkapital einbringen kann und der Pachtvertrag läuft über fünf Jahre, das sind sehr viel bessere Ausgangspositionen, um die Sache in der Politik durchzusetzen als zu Anfang der Gespräche“, berichtet Dr. Pruin, der dem Stadtspiegel erläuterte, dass Gelsensport bereits an einem Lösungsvorschlag arbeitet, der dann der Politik zur Entscheidung vorgelegt werden könnte.
„Die nächsten Gespräche werden Anfang bis Mitte April laufen. Aber das bisherige zeigt, dass es den ein oder anderen Lichtblick gibt, der Anlass zur Hoffnung gibt. Nur letztendlich entscheidet die Politik und ist zu hoffen, dass im Sinne der guten Sache alle an einem Strang ziehen werden“, hofft der Gelsensport-Geschäftsführer.

Benefizturnier der
Reitervereine

Für das Wochenende des 28. und 29. Mai planen die Gelsenkirchener Reitervereine ein Benefizturnier bei Möllers Bauer zugunsten von ETuS.

Autor:

silke sobotta aus Gelsenkirchen

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