Erntedank: Stimmung im Dürrejahr von Dankbarkeit geprägt

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„Zum Erntedank können wir Bauern auf ein Jahr mit geschichtsträchtigem Charakter zurück blicken“, sagt Dirk Kalthaus, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Ennepe-Ruhr/Hagen. An ein Jahr mit solchen Extremen könne er sich kaum erinnern, so der Landwirtevorsitzende. 
EN-Kreis.Kalthaus ergänzt: „Zur Aussaat im letzten Herbst und den ganzen Winter hindurch kämpften wir mit dem nicht aufhörenden Regen und freuten uns über jeden trockenen Tag. Dann kam von jetzt auf gleich die Trockenheit und wir freuten uns über jeden noch so kleinen Regenschauer“. Die Stimmung zum Erntedankfest sei aber gerade in einem Jahr wie diesem von Dankbarkeit geprägt.Die Ernteergebnisse weisen eine große Bandbreite auf, je nach Bodenverhältnissen und lokaler Witterung. „Die wenigen, aber wichtigen Regenschauer gingen lokal sehr begrenzt nieder und die Bodenqualitäten spielten bei der Trockenheit eine extrem große Rolle“, berichtet Kalthaus. Besonders problematisch sei die Situation auf den steinigen, flachgründigen Böden gewesen, die Wasser nicht lange speichern könnten. Schon bei der Getreide- und Rapsernte seien die Ertragsunterschiede groß gewesen. Einen Vorteil hätte das trockene Sommerwetter allerdings gehabt: Der Verlauf der Erntearbeiten sei ideal gewesen und die Landwirte mussten das Getreide vor dem Einlagern, wie es in nassen Jahren erforderlich sei, nicht trocknen. „Schon Anfang August konnten wir die Getreideernte abschließen“, sagt Kalthaus. An einen so frühen Zeitpunkt könne sich kaum jemand erinnern.

Die Maisernte habe dann, so zeitig wie nie, im August begonnen. „Auch hier streuen die Erträge stark“, sagt Kalthaus. Bodenqualitäten und lokal begrenzte Regenfälle hätten zwischen zufriedenstellenden Erträgen und Missernten entschieden.Bei den Kartoffeln habe die Dürre ebenso deutliche Spuren hinterlassen. Die Mindererträge lägen bei 20 bis 50 Prozent. „In diesem Jahr ist der Anteil kleiner Kartoffeln deutlich höher“, sagt der Vorsitzende.Besonders hart treffe die Trockenheit in diesem Jahr die Rinder-, Pferde- und Schafhalter. Auf den Weiden sei irgendwann nichts mehr nachgewachsen. So hätten die Tiere vielfach mit dem für den Winter eingeplanten Futter zugefüttert werden müssen und beim Grasschnitt auf den trockengeschädigten Wiesen fehle über das ganze Jahr hinweg 25 bis 35 Prozent der üblichen Grasernte. „Das bedeutet, dass die aufgrund der Trockenheit eh schon knappen Wintervorräte schon im Sommer angebrochen werden mussten“, sagt Kalthaus. Erfreulicherweise seien die Wiesen nach dem Regen im September wieder grün geworden, so dass nun der vierte Schnitt doch noch erfolgen könne – wenn auch mit deutlich reduziertem Ertrag.

Sturm, Dürre und die Borkenkäferplage führten zudem bei den Waldbauern zu erheblichen Schäden. Nach Orkan „Friederike“ im Januar, mit regional zum Teil großem Ausmaß, setzten Dürre sowie Hitze den Wäldern zu und ließen die Jungpflanzen auf wiederaufgeforsteten Flächen vertrocknen. Weiter machte sich der gefräßige Borkenkäfer auf dem Sturmholz breit. „Die Waldbauern sind in diesem Jahr arg gebeutelt“, unterstreicht der Vorsitzende.Abschließend betont der Vorsitzende: „Dürre und Hitze zerrten arg an unseren Nerven und führten zu Ertragseinbußen. Trotzdem müssen wir Bauern im Ennepe-Ruhr-Kreis und Hagen im Vergleich zu Berufskollegen in anderen Regionen zufrieden sein. Ost- und Norddeutschland seien wesentlich stärker betroffen gewesen, dort gehe es bei vielen Bauern um die Existenz. Zum Erntedankfest bestimme Dankbarkeit die Stimmung der heimischen Landwirte. „Hitze und Dürre führten uns einmal wieder vor Augen, dass eine gute Ernte keine Selbstverständlichkeit ist; dies sollten wir alle schätzen.“ In früheren Jahrhunderten hätte eine so langanhaltende Trockenheit eine Hungerkatastrophe ausgelöst, sagt Kalthaus.

In diesem Jahr ist das mit dem Erntedankfest nicht so einfach: In einigen Dörfern und Kirchen im Ennepe-Ruhr-Kreis und Hagen wurde schon am letzten Sonntag das Erntedankfest begangen, in anderen wird es erst am kommenden Sonntag gefeiert. Während es in den meisten Jahren einen einheitlichen Erntedanktermin gibt, haben wir in diesem Jahr tatsächlich zwei Termine. Warum ist das so?Die Tradition Erntedank zu feiern ist sehr alt, einen einheitlichen Termin gab es aber über Jahrhunderte nicht. Erst der Preußenkönig Friedrich II., der „Alte Fritz“, legte 1773 fest, dass alljährlich am Sonntag nach dem Michaelistag (29. September) Erntedank gefeiert werden solle. Das ist meistens der erste Sonntag im Oktober, in einigen Jahren, wie in diesem, aber auch der letzte Septembersonntag.

Die Deutsche Bischofskonferenz der katholischen Kirche legte hingegen 1972 den ersten Sonntag im Oktober als Festtermin fest, ohne diese Festlegung für alle Gemeinden verbindlich auszusprechen. In der evangelischen Kirche wird Erntedank ebenfalls in der Regel am ersten Oktoberwochenende gefeiert, aber auch hier wird den einzelnen Gemeinden freie Hand gelassen. Also: Immer in den Jahren, in denen der Sonntag nach dem Michaelistag noch in den September fällt, gibt es ein gewisses „Durcheinander“ und zwei mögliche Erntedanktermine.

Der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Ennepe-Ruhr/Hagen Dirk Kalthaus.
Autor:

Lokalkompass Schwelm aus Schwelm

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