Am Freitag startet das Gevelsberger Sommerfeeling - Fassanstich um 17 Uhr
Mit Abstand viel Spaß

Schausteller Andreas Alexius (sitzend), Bürgermeister Claus Jacobi und viele andere Schausteller bauen das Gevelsberger Sommerfeeling auf. Alle Fotos: Pielorz
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  • Schausteller Andreas Alexius (sitzend), Bürgermeister Claus Jacobi und viele andere Schausteller bauen das Gevelsberger Sommerfeeling auf. Alle Fotos: Pielorz
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Dieser Sommer 2020 ist anders. Ganz anders als wir alle erwartet haben. Die Corona-Pandemie hat nicht nur den Sommer, sondern die ganze Gesellschaft nachhaltig verändert. Trotzdem wollen viele Menschen nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern denken kreativ und quer und suchen nach neuen Ideen. Dazu gehört auch Andreas Alexius (47), der vor fast 25 Jahren in eine Schaustellerfamilie einheiratete und als Quereinsteiger diese Branche kennen und lieben lernte. Mittlerweile ist der umtriebige Schausteller mit und für seine Ideen fast schon berühmt. Das zeigt sich auch beim Gevelsberger Sommerfeeling im Ennepebogen. Start am Freitag, 21. August, ab 13.30 Uhr. Offizieller Fassanstich mit Bürgermeister Claus Jacobi ist um 17 Uhr.

Bis zum 25. August, jeweils 13.30 bis 22 Uhr, soll es auf fast 14.500 Quadratmetern richtig viel Spaß geben – und das selbstverständlich unter Einhaltung der geltenden Coronaschutzbedingungen. „Wir Schausteller kämpfen um das Überleben unseres Berufes und dies zuletzt auch deshalb, weil die Bundespolitik uns vergessen hat und wir keinen Rettungsschirm bekommen haben. Aber viele von uns sind kreative Köpfe. Ich habe mir viele Gedanken gemacht und ein Veranstaltungskonzept vorgelegt, welches ich mir mittlerweile habe schützen lassen. Es ist entstanden als Grundkonzept, dass individuell je nach Ort angepasst werden kann. Die Bezirksregierung in Arnsberg und der Ennepe-Ruhr-Kreis haben beide grünes Licht gegeben und so haben wir mittlerweile in verschiedenen Städten Veranstaltungen durchführen können. Dabei geht es nicht nur um Geld verdienen, sondern zunächst einmal um das Zeigen, das wir überhaupt noch da sind“, sagt Andreas Alexius. Auch andere Bundesländer haben bei ihm bereits an die Tür geklopft und das Konzept angefragt. Alexius macht keinen Hehl daraus, dass ihn viele Dinge maßlos ärgern – zum Beispiel die Tatsache, dass in jeder Innenstadt der Menschenstrom weniger nachvollziehbar und die Hygienemaßnahmen deutlich geringer sind als beispielsweise bei Veranstaltungen. „Für das Gevelsberger Sommerfeeling haben wir die komplette Veranstaltungsfläche eingezäunt. Wir werden jeden Besucher registrieren, der das Gelände betritt und wieder verlässt. Wir haben Hygienewaschbecken an verschiedenen Standorten auf dem Gelände. Wir haben zusätzlich Desinfektionsspender an den Karussells und Buden. Wir haben Maskenpflicht dort, wo der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann sowie natürlich in möglichen Warteschlangen und auf den Karussells. Wir nehmen den geringsten Eintritt von einem Euro, weil das Konzept eben einem abgeschlossenen Park entsprechen muss und damit Eintrittsgelder verbunden sind.“ Außerdem gibt es natürlich Aufsichtspersonen – die aber nach bisherigen Erfahrungswerten noch nie eingreifen mussten. Andreas Alexius sieht den verantwortlichen Umgang der Menschen mit sich und anderen, aber eben auch die Möglichkeit, unter bestimmten Voraussetzungen Veranstaltungen zuzulassen. „Sonst geht eine ganze Branche einfach kaputt“.

Striktes Hygienekonzept

Neben den Klassikern wie Musikexpress oder Twister gibt es auch brandneue Fahrgeschäfte wie X-Force oder Jetlag. Es gibt einen Fliegenden Teppich (im Volksmund gern Scheibenwischer genannt), ein Geisterhotel und für die Kinder eine kleine Hügelbahn neben dem klassischen Kinderkarussell. Und natürlich gibt es Buden, Entenangeln und die typischen gastronomischen Bestandteile, die man von einer Kirmes kennt. Selbst an alkoholischen Getränken wird es nicht fehlen. „Wir haben positive Erfahrungen an allen Standorten gemacht. Die Menschen wissen, was auf dem Spiel steht. Ballermann-Szenen gibt es hier nicht“, sagt Alexius. Er bricht auch eine Lanze für die Kommunalpolitik und die örtlichen Verwaltungen. „Wir haben in allen Städten Hilfe und Zuspruch bekommen. Die Veranstaltungsflächen sind für uns kostenlos und wir haben viele Besucher, die uns zusätzlich etwas spenden. Sie zahlen mehr als den geforderten Euro und unterstützen damit den Erhalt einer ganzen Branche.“
Andreas Alexius ist allerdings auch ein Aushängeschild seiner Branche und das kommt nicht nur ihm zugute „Ich kenn einfach viele Menschen, auch in verantwortlichen Positionen. Und alle wissen, dass mein Wort gilt. Deshalb öffnen sich mir auch die Türen, obwohl mich manche Menschen sicher lieber von hinten als von vorne sehen. Ich bin da schon hartnäckig und kann auch mal laut werden“, gibt er unumwunden zu.
Neben der Gevelsberger Veranstaltung wird auch für Hattingen bereits eifrig geplant. Dort soll es vom 4. bis 8. September auf dem Rathausplatz eine Veranstaltung geben, die ebenfalls nach seinem Coronaschutz-Konzept ablaufen wird. Der mobile Freizeitpark steht unter dem Thema „Hattinger Funny Days“ und entspricht einer Forderung aus den politischen Reihen, den Bürgern in diesem Sommer etwas Abwechslung zu bieten, nachdem die Veranstaltungen reihenweise abgesagt werden mussten. Auch der Standort am LWL-Museum Henrichshütte war in Erwägung gezogen worden, ließ sich aber unter anderem aufgrund von Brandschutzmaßnahmen nicht realisieren. Nun wird es also der Rathausplatz, der traditionelle Kirmesplatz. „Vorteil ist hier, wir werden wohl keine Nutzungsänderung brauchen, weil es ja ein Platz ist, auf dem es immer eine Kirmes gibt“, so Alexius. An anderen Veranstaltungsorten – etwa auch in Gevelsberg – musste für den mobilen Freizeitpark auch die ein oder andere bürokratische Hürde genommen werden. „Das hat aber problemlos funktioniert“, sagt Alexius und erinnert in diesem Zusammenhang auch gern an die gigantische Hilfsaktion, die der Gevelsberger Kirmesverein für die Schausteller durchführte. Über 14.000 Euro kamen zusammen und konnten als Spende überreicht werden – denn natürlich konnte die Gevelsberger Kirmes in diesem Jahr auch nicht stattfinden.
Bürgermeister Claus Jacobi ist begeistert von dem Engagement und der Kreativität der Schausteller. „Wir müssen alles tun, um die Branche am Leben zu erhalten. Sie ist traditionelles Kulturgut und es geht viel zu viel verloren, wenn wir nicht alle gemeinsam dafür kämpfen, dass die Schausteller überleben können.“ Deshalb schaute der Bürgermeister natürlich beim Aufbau vorbei und packte beim Aufstellen vom Kirmestor selbst mit an.

Autor:

Dr. Anja Pielorz aus Hattingen

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