Die schönsten Geschichten schreibt das Leben
Berührendes Treffen mit Lebensrettern - Kanadier bedanken sich bei der Familie Schmeken Gladbeck.

Von  links: Mitch Fuhr, Bürgermeister Ulrich Roland, Veronica Fuhr, Hendrike Gendreizig, Übersetzerin, Regina Schmeken, Peter Breßer-Barnebeck und Ilsegret Schmeken. Foto: Stadt Gladbeck
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Dieses Treffen war für alle Beteiligten ein ganz besonderes: Die Kanadier Veronica und Mitch Fuhr trafen im Rathaus Ilsegret und Regina Schmeken im Beisein von Bürgermeister Ulrich Roland. 74 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war das eine gute Gelegenheit, um sich bei der Familie zu bedanken, denn Veronica Fuhr ist die Tochter von Jan Miedema, der im vergangenen Jahr 92-jährig in Kanada verstarb.

Ende 1944 wurde der gebürtige Niederländer 19-jährig nach Deutschland verschleppt und musste in einem Gladbecker Lager als Zwangsarbeiter arbeiten. Veronica Fuhr-Miedema: „Mein Vater konnte damals nur überleben, weil die Familie Schmeken ihr eigenes Leben riskiert und meinem Vater geholfen hat.“ Jan Miedema versuchte damals völlig ausgehungert, Unterstützung bei den Gladbeckern zu finden. Er klopfte an viele Türen, aber niemand machte ihm auf, erst Gertrud Schmeken, die Schwiegermutter von Ilsegret und Großmutter von Regina, öffnete damals die Tür und bewirtete Jan mit einer Suppe. Ab diesem Moment unterstützte ihr Mann Heinrich und sie den jungen und sehr im katholischen Glauben verhafteten Mann mit Lebensmitteln.

Heinrich Schmeken war Handwerksmeister und betrieb auf der Hochstraße in Gladbeck eine Polsterei mit Ladengeschäft. Die Eheleute nahmen ein großes Risiko auf sich. Die Brotpakete konnten nur heimlich in Zeitungspapier gewickelt dort abgeworfen werden, wo die Zwangsarbeiter gerade Schutt räumten oder Gräben aushoben. Es war unter den Nationalsozialisten offiziell verboten „dem Feind“ zu helfen.

Ende März 1945 gelang Jan Miedema dann unter abenteuerlichen Bedingungen die Flucht in die Niederlande, ebenfalls mit Unterstützung von Gertrud und Heinrich Schmeken. Nach dem Krieg konnte er seine Ausbildung zum Ingenieur beenden und wanderte schließlich nach Kanada aus. Dazu Regina Schmeken: „Meine Großeltern Gertrud und Heinrich, die beide bereits kurz nach Kriegsende verstorben sind, waren fest im katholischen Glauben verwurzelt und standen dem Nationalsozialismus ablehnend gegenüber. Offensichtlich haben sie nicht weiter über diese Geschichte gesprochen. Für sie war es vermutlich eine Selbstverständlichkeit und jeder, der davon erfahren hätte, wäre selbst in Gefahr geraten. Ihre drei Söhne, sie hatten insgesamt fünf Kinder, waren damals als Soldaten im Krieg, sie haben diese Zeit offensichtlich nicht miterlebt.“

In den 60er-Jahren kam Jan Miedema zurück nach Gladbeck, um sich bei der Familie zu bedanken, Gertrud und Heinrich waren damals aber schon verstorben. Im Winter letzten Jahres fand Veronica im Nachlass ihres Vaters ein Bild der Familie Schmeken von 1943. Auf der Rückseite waren die Vornamen der Abgebildeten vermerkt. Mit diesen Informationen recherchierte Veronica im Internet und stieß auf Ewald Schmeken und seine Tochter Regina.

Die gebürtige Gladbeckerin ist heute eine bekannte Künstlerin und Fotografin, sie lebt in Berlin. „Als mich die Nachricht von Veronica Fuhr erreicht hat, war ich sehr berührt und auch dankbar, dass ich von dieser Geschichte erfahren durfte, 74 Jahre nach der Begegnung meiner Großeltern mit Jan Miedema. Natürlich wollte ich gern seine Familie kennenlernen.“ Veronica und Mitch Fuhr hatten schon länger eine Reise nach Europa geplant, wo sie Verwandte in den Niederlanden besuchten. Im Mailaustausch mit Regina Schmeken einigte man sich auf ein Treffen in Gladbeck, das lag dem Ehepaar am Herzen. Hier besuchten sie das Grab der Familie Schmeken und das frühere Ladenlokal der Großeltern in der Hochstraße. Anschließend empfing sie Bürgermeister Ulrich Roland im Rathaus. „Diese Geschichte ist es wert, gehört und erzählt zu werden. Sie ist gerade auch in den heutigen Zeiten wichtiger denn je. Mitmenschlichkeit und Mitgefühl müssen gelebt werden, auch heute. Das zeigt dieses Familienschicksal“, so Ulrich Roland.

Veronica Fuhr: „Mein Vater hatte ein wunderbares Leben. Er war beruflich erfolgreich, hatte fünf Kinder, eine große Familie. Die Familie Schmeken hat damals nicht nur meinem Vater das Leben gerettet, sondern uns allen das Leben geschenkt. Dafür sind wir bis heute dankbar.“

Autor:

Lokalkompass Gladbeck aus Gladbeck

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