Gladbecker Jugendliche besuchen Gedenkstätten in Berlin
Reise in eine dunkle Vergangenheit

Die jungen Menschen aus Gladbeck (hier vor dem Gropius-Museum) erkundeten in Berlin wichtige Mahnmale zur Erinnerung an die beiden letzten deutschen Diktaturen. Foto: privat
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  • Die jungen Menschen aus Gladbeck (hier vor dem Gropius-Museum) erkundeten in Berlin wichtige Mahnmale zur Erinnerung an die beiden letzten deutschen Diktaturen. Foto: privat
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Erleben, erinnern, mahnen: Mit Gedenkstättenfahrten möchte der ehrenamtliche Reiseleiter Georg Liebich über die Verbrechen der Nationalsozialisten und insbesondere an den Holocaust erinnern. Bei der diesjährigen Tour wurden die Teilnehmer wegen der Corona-Pandemie vor besondere Herausforderungen gestellt. 

Die Fahrt zu den Gedenkstätten fand in der Zeit vom 4. - 8. August in Berlin statt. An dieser traditionellen Fahrt haben insgesamt 23 Jugendliche aus Gladbeck teilgenommen. Ursprünglich sollte die Fahrt in den Osterferien stattfinden, wurde jedoch wegen Corona auf den August verschoben. Aus diesem Grund musste auch das Programm leider verändert werden. So konnte in diesem Jahr nicht das Jüdische Museum besucht werden, dafür wurde der Besuch der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen organisiert.

Bei einem Vortreffen im Ida und Max Kaufmann-Haus hatten sich die Jugendlichen auf die 5-tägige Gedenkstättenfahrt nach Berlin vorbereitet. Bei dieser Gelegenheit haben die Teilnehmer schon viele Informationen zum leidvollen Weg der Gladbecker Familie Kaufmann erhalten.

Zu Beginn der Gedenkstättenfahrt stand eine Stadtführung mit dem Referenten Reinhard Bahlow auf dem Programm. Im Vordergrund standen hier historische Orte der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. So wurden u.a. die zentralen Gedenkstätten und Mahnmale für die von den Nationalsozialisten ermordeten Juden, Sinti und Roma und Homosexuellen besucht.

Auch DDR-Verbrechen waren Thema

Am nächsten Tag ging es zur Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen , wo die Jugendlichen von den Zeitzeugen Rainer Dellmuth und Gilbert Furian durch das ehemalige Stasi-Gefängnis geführt wurden. Die SED-Diktatur und die damit verbundenen Verbrechen wurden nach den Führungen mit den Zeitzeugen noch lange und intensiv in der Gruppe besprochen.

Am Nachmittag war die Gruppe Gast beim Zentralrat der Juden in der Tucholskystraße. Hier konnte sie im Gespräch mit jungen Mitgliedern der Jüdischen Gemeinde jüdisches Leben in Deutschland aus erster Hand erfahren.

Die Historikerin Ingrid Damerow informierte die Jugendlichen der Gedenkstättenfahrt im Haus der Wannseekonferenz. Foto: privat
  • Die Historikerin Ingrid Damerow informierte die Jugendlichen der Gedenkstättenfahrt im Haus der Wannseekonferenz. Foto: privat
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Am dritten Tag der Fahrt wurde die Gedenk- und Bildungsstätte „Haus der Wannseekonferenz“ besucht. Hier waren am 20. Januar 1942 in einer Villa am Wannsee in Berlin 15 hochrangige Vertreter der nationalsozialistischen Reichsregierung und SS-Behörden zusammengekommen, um unter Vorsitz von SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich den bereits begonnenen Holocaust an den Juden im Detail zu organisieren und die Zusammenarbeit der beteiligten Organisationen zu koordinieren.

Entgegen verbreiteter Meinung war es nicht Hauptzweck der Konferenz, den Holocaust zu beschließen – diese Entscheidung war mit den seit Monaten stattfindenden Massenmorden in vom Deutschen Reich besetzten Gebieten faktisch schon gefallen – sondern in den Grundzügen die Deportation der gesamten jüdischen Bevölkerung Europas zur Vernichtung in den Osten zu organisieren und die erforderliche Koordination sicherzustellen. Die Teilnehmer der Konferenz legten den zeitlichen Ablauf für die weiteren Massentötungen fest, grenzten die dafür vorgesehenen Opfergruppen genauer ein und einigten sich auf eine Zusammenarbeit unter der Leitung des Reichssicherheitshauptamts, das Heydrich führte. Die Historikerin Ingrid Damerow informierte die Jugendlichen der Gedenkstättenfahrt über das Dokument und den damit verbundenen Konsequenzen für Millionen von Menschen.

Nach einer kurzen gemeinsamen Pause am Potsdamer Platz besuchte die Gruppe anschließend die Gedenkstätte Deutscher Widerstand, die sich im ehemaligen Bendler-Block in der Stauffenbergstraße befindet.

Jugend im Widerstand

Im Vordergrund der Führungen stand das Thema „Jugend im Widerstand“. Hier erfuhren die Besucher, dass es in der NS-Zeit durchaus viele Jugendliche gab, die aktiven Widerstand leisteten, etwa bei der „Weiße Rose“, den „Edelweißpiraten“ und der „Swing-Jugend“. Die jungen Gladbecker waren sehr beeindruckt vom Mut und der Entschlossenheit dieser jungen Menschen, die sich gegen das bestehende Unrecht auflehnten, obwohl sie genau wussten, dass ihre Aktivitäten auch mit dem Tod auf dem Schafott enden könnten.

Am letzten Tag der Gedenkstättenfahrt wurde die Gedenkstätte „Topographie des Terrors“ besucht, die sich auf dem ehemaligen Prinz-Albrecht Gelände befindet.

Im Mittelpunkt der Führungen standen hier die zentralen Institutionen von SS und Polizei im „Dritten Reich“ sowie die von ihnen europaweit verübten Verbrechen während der Naziherrschaft.
Auch in diesem Jahr waren sich die Jugendlichen aus Gladbeck wieder einig, dass die Tage in Berlin für sie eine sehr emotionale und beeindruckende Zeit war. Sie hätten viele Informationen zu der Zeit bekommen, wo Menschen wegen ihrer Religion oder politischen Überzeugungen verfolgt und ermordet wurden. Insbesondere die Gespräche mit den Zeitzeugen Rainer Dellmuth und Gilbert Furian waren nach Aussage der Jugendlichen eine Erfahrung, die sie noch eine lange Zeit begleiten wird.

Die Gedenkstättenfahrt wurde in diesem Jahr durch das Landesjugendamt gefördert

Die jungen Menschen aus Gladbeck (hier vor dem Gropius-Museum) erkundeten in Berlin wichtige Mahnmale zur Erinnerung an die beiden letzten deutschen Diktaturen. Foto: privat
Die Historikerin Ingrid Damerow informierte die Jugendlichen der Gedenkstättenfahrt im Haus der Wannseekonferenz. Foto: privat
Autor:

Oliver Borgwardt aus Gladbeck

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