Tosendes Meeresrauschen im Café Stilbruch

Fotograf: Peter Escherlor
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Gepeitschte Wogen, spielende Wellen, unergründliche Tiefen – am Samstag, den 2.7. tobte ein Sturm durchs Gladbecker Café Stilbruch. Ein literarischer Sturm! Etliche Autoren und Autorinnen der neuen Elbverlaganthologie "Menschen am Meer" fanden sich nachmittags in der kultigen Kulturkneipe ein, um ausgiebig ihre Werke vorzustellen.

Die Stilbruch-Lounge platze aus allen Nähten, die Stimmung war von Beginn an prächtig – und aufgrund der verdammt guten Texte sollte beides auch bis zum Schluss so bleiben. Und das Ende kam erst nach sage und schreibe 4 Stunden! Doch die Zeit verging wie im Flug.

Angereichert von den schelmischen Liedern des Nottulner Barden Andreas Gers, hatte die dargebotene Mischung aus Kurzprosa und Lyrik nicht die geringste Chance, langweilig zu werden. Kleiner Tipp am Rande: Wenn der Musikus, der vor ein paar Monaten schon das Bonhoeffer-Haus bei der "Nacht der Lieder" rockte, im Herbst für ein Solokonzert ins Café Stilbruch kommt, sollte man sich früh genug um Karten bemühen. Der Platz ist begrenzt!

Neben alten Lesungshasen wie Regina Schleheck, Thorsten Trelenberg oder Philipp Studer waren auch einige Newcomer am Start (also AutorInnen, die bislang eher selten vor Publikum aufgetreten sind).

Ihnen muss man ein besonderes Kompliment machen. Sie hielten sich grandios, ließen sich ihre Nervosität nicht anmerken und trugen wesentlich dazu bei, dass die Session zu einer Lesung aus einem Guss wurde. Hut ab!

Ein Grund für die Lockerheit mag auch die Organisation von Lokalmatador Harry Michael Liedtke gewesen sein, der in gewohnt lässiger Manier die Veranstaltung laufen ließ. "Wir sind hier in einer Kneipe und nicht in der Kirche", meinte der umtriebige Kappenträger bei der Anmoderation, "und außerdem unter Freunden."

Diese Einstellung übertrug sich auf die Teilnehmer. Nervenflattern war an diesem Nachmittag kein großes Thema. Inhaltlich reichte das Spektrum von ulkig bis tiefsinnig. Zahlreiche Gedichte waren unter den Texten, darunter überraschenderweise viel Lyrik von Männern.
Jemanden herauszustellen, wäre ungerecht. Ob nun Brigitte Vollenberg, Angie Pfeiffer, Jana Engels, Angelika Nauschütz, Irmgard Anderfuhr, Max Kahn, Ursula Lübken-Escherlor, Doris Möller, Manfred Pricha oder Claudia Wädlich – alle aktiven Teilnehmer haben Glanzpunkte gesetzt, jeder auf seine Art. Wenn jemand eine besondere Erwähnung verdient, dann der Bonner Walter Pietruk-Heep, weil er nicht nur als Schriftsteller, sondern auch als Bilderkünstler Eindruck hinterließ.

Hervorzuheben ist allerdings, dass viele AutorInnen weite Wege in Kauf genommen haben, zum Teil richtige Ochsentouren. Sei es aus der Eifel, aus Wilhelmshaven, aus Ostfriesland, aus Berlin oder gar aus Zürich – für diese Lesung war keine Strecke zu lang. Was zeigt, dass sich das Café Stilbruch als Literaturstandort landauf, landab einen guten Namen gemacht hat und sich so langsam zu einem echten Werbeträger für die Stadt Gladbeck mausert.

Menschen am Meer – Anthologie mit 150 Autoren aus 7 Ländern
Marie Rossi (Hrsg.), Elbverlag,
ISBN: 978-3-941127-11-1, Einband: Paperback

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