Vielbeachtete Bürgerversammlung der Gladbecker LINKE
Alles dreht sich ums Windrad auf der Mottbruchhalde

Die 80 Meter in die Höhe schießende Wasserfontäne wäre zweifelsohne eine tolle "Landmarke" für die Mottbruchhalde in Brauck. Foto: Braczko
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  • Die 80 Meter in die Höhe schießende Wasserfontäne wäre zweifelsohne eine tolle "Landmarke" für die Mottbruchhalde in Brauck. Foto: Braczko
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Text und Fotos: Peter Braczko

Gladbeck. Das vom Kreis Recklinghausen bereits genehmigte Windrad auf der Braucker Mottbruchhalde sorgt in Gladbeck weiter für Diskussionen und heftige Kritik. Auf Informationen setzte nun die "LINKE", lud zu einer "Bürgerversammlung" in ihre Fraktionsbüro "Mittendrin" an der Lambertistraße ein. Und hier wurde dann wahrlich "Klartext" geredet.

Das erste Argument, das nach Meinung der Kritiker gegen die Errichtung eines Windrades ist die Tatsache, das die "Ruhrkohle" als bisheriger Flächenbesitzer die Absicht hat, fast alle Halden dem "Regionalverband Ruhr" (RVR) zu übergeben. Hinter dieser Vorgehensweise stecken massive finanzielle Gründe, denn die Pflege der Abraumanhäufungen würde die Ruhrkohle künftig pro Jahr immerhin zweieinhalb Millionen Euro kosten. 30 Halden hat der "RVR" inzwischen schon übernommen. Dahinter steht auch die Zielsetzung einer Anbindung in das regionale Freiraumsystem. Konkret sieht das Freiraumsystem die Anlegung von Radwegen und eine ökologische Anbindung an Siedlungsgebiete vor. Dazu kommen sollen Schutzgebiete, Biotope und - ganz wichtig - die Eignung für die "Internationale Gartenbauausstellung" (IGA), die im Jahr 2027 auch in der Emscher-Lippe-Region stattfinden soll.

Im Emscherbereich würde dies für Gladbeck die Entstehung eines neuen Grünzuges zwischen den Halden und dem Rhein-Herne-Kanal bedeuten. Doch dies geht dem Gladbecker Landschaftsarchitekten Stephan Müller, neben dem LINKE-Fraktionsvorsitzenden Olaf Jung Hauptreferent des Abends, aber nicht weit genug. Denn Müller plant seit Jahren schon in dem bereits aufgeschütteten "Braucker Vulkan" - falls er denn fertig werden sollte, würde er der größten künstliche Vulkan der Welt - eine weithin sichtbare Landmarke. Und die hat es wahrlich in sich. Denn im Vulkankrater wäre dann Platz für mehrere zehntausend Stehplätze, zum Beispiel für Konzerte. Und als Krönung sehen die Pläne von Müller eine 80 Meter hohe Wasserfontäne vor, die Gladbeck eine neue und bisher im Ruhrgebiet einmalige Sehenswürdigkeit geben soll.

Die Idee präsentierte Müller bereits bei der "Biennale Venedig 1996" und die Besucher dort waren begeistert. Und Stephan Müller versicherte bei der Bürgerversammlung, dass solche Dinge heute technisch machbar seien. So sollen Rosenbepflanzunen die roten Lavaströme an den Vulkanflanken darstellen. Genauer gesagt: 150.000 Rosen. Die dann auch ein Wohlbefinden für die Riechorgane liefern würden.

Würden die Pläne von Müller realisiert, wäre die Mottbruchhalde zweifelsohne ein Besuchermagnet. Zumal schon heute viele Bürger den Vulkan erwandern, um sich vor Ort über den Stand der Arbeiten zu informieren. Obwohl das Betreten der Mottbruchhalde rein rechtlich immer noch verboten ist.
Das (drohende) Windrad könnten alle Pläne und damit auch die Visionen der "IGA" zunichte machen. Entsprechend klare Worte fand der Landschaftsarchitekt bei der Bürgerversammlung: "Wir haben nichts gegen saubere, alternative Stromerzeugung! Die alternative Energiegewinnung ist besser als Kohledreck, der die Atmosphäre vergiftet, oder aber auch die extrem risikoreiche Atomenergie. Aber der Windrad-Standort ist nicht gut gewählt!"

Die Kritiker der Windrad-Pläne weisen auch darauf hin, dass die Zechenbesitzer den Gladbeckern 100 Jahre lang das Gebiet der Halden vorenthalten hätten, weshalb die Stadt nun entschlossen die sich bietenden Chancen nutzen müsse. Die kostenlose Pflegeerhaltung der Halde durch den "RVR" sei so eine Chance. Wenn aber das gigantische Windrad mit seiner Abstandsgrenze von 500 Metern komme, dann würden alle kreative Nutzungsideen zumindest "auf der Kippe" stehen. Die Kritiker warnen davor, noch mehr Zeit verstreichen zu lassen, denn ein Teil des Genehmigungsverfahrens sei ja schon abgearbeitet.

Olaf Jung selbst informierte über das "Pro" und "Kontra" in Sachen Windräder und erörterte auch die rechtlichen Möglichkeiten.
Spannend wird es in Sachen "Windrad auf der Mottbruchhalde" allemal bleiben, denn schon am 3. April steht im "Bildungs- und Begegnungszentrum Brauck" die nächste Bürgerversammlung an. Und dann wird es an der Roßheidestraße nicht nur um die umstrittene Entscheidung des Landrates gehen. Denn dann kommen die Argumente der Braucker hinzu. Und auch die Einwendungen, wenn ab dem Wittringer Wald - also in unmittelbarer Nachbarschaft der Mottbruchhalde - Ballons zum Flug starten und das Windrad bei Wind aus westlichen Richtungen inmitten der Flugschneise liegt...

Die 80 Meter in die Höhe schießende Wasserfontäne wäre zweifelsohne eine tolle "Landmarke" für die Mottbruchhalde in Brauck. Foto: Braczko
Die vom Gladbecker Landschaftsarchitekten Stephan Müller präsentierten Pläne trafen bei den Besuchern der LINKE-Bürgerversammlung auf großes Interesse und viel Zustimmung.
Autor:

Uwe Rath aus Gladbeck

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