Europas Ausverkauf

Jean-Claude Juncker auf Tätschelkurs mit Recep Tayyip Erdogan - und das wird kosten! Was es heute erst einmal kostet, sind die Wertvorstellungen über Demokratie und Menschenrechte. Weil es Europa über Jahre nicht geschafft hat, eine für alle Euro-Länder verbindliche Asyl- und Flüchtlingspolitik mit einer entsprechenden Verteilungsquote zu errichten, soll Erdogan jetzt den "Ausputzer" spielen. Wahrscheinlich nach Putin der zweite "lupenreine Demokrat" für Gerhard Schröder, der sich zu seinem Geburtstag genau mit diesen beiden Herren schmückte.

Ich musste als Deutsche lernen, in meinem Land mit seiner Geschichte eine Identität zu finden, was mir erst in der Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte, dann durch das Verständnis für und die Annäherung an unser Nachbarland Polen gelang, in welchem ich mich einige Jahre aufhielt. Die Wiedervereinigung als Prozess einer langen erfolgreichen Ostpolitik war ein großer gelungener Akt für und mit den Menschen beider Länder. Die Krönung aber war die großartige Idee eines vereinten Europas.
Und was ist daraus geworden?
Eine gemeinsame Außenpolitik? Eine gemeinsame Steuerpolitik? Eine Steigerung der Lebensqualität der Menschen? Gesicherte Löhne und Renten? Eine Kultur der Friedfertigkeit und Nähe? Eine Verankerung von Mitbestimmung und Demokratie? Eine solidarische Wertegemeinschaft? Ein Aktionsbündnis für eine gerechtere Verteilung von Chancen, Bildung und Kapital?
Nein! Das alles nicht! Nach Finanzkrise, Abhöraffäre, außenpolitischen Hilflosigkeiten, Griechenland und Flüchtlingsinvasion hat uns ein "alternativloses Europa" ereilt, das sicher nicht nur meine Illusion längst zerstört hat und mir die Gewissheit brachte, dass die Wirkmechanismen dieses Systems auch den Menschen überfordern, der guten Willens ist.
Nun hält sich mein Bedauern darüber in Grenzen, da die in Brüssel Tätigen ein finanziell sorgenfreies Leben führen, was man selbst von der arbeitenden Bevölkerung Europas nicht behaupten kann.
Viele Wähler sind müde geworden, viele haben resigniert, wieder andere sind wütend geworden. Ich schließe mich da gedanklich einem mutigen intelligenten Mann an, der seine Wahrheit offenbart ohne Angst, ohne Kalkül und ohne die Alternativlosigkeit, hinter denen sich die scheinbar Mächtigen verstecken.
Siehe dazu Henryk M. Broder: Buchbesprechung "Die letzten Tage Europas - Wie wir eine gute Idee versenken"
http://youtu.be/Ne9YDFpta-M

Autor:

Barbara Erdmann aus Gladbeck

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