Gladbecker Kita-Eltern fühlen sich"im Stich gelassen"

"Kein Kind zurücklassen" lautet das Motto der landesweiten Kampagne. Doch die Eltern der Jungen und Mädchen, die den "Kindergarten Voßstraße" in Gladbeck-Ost besuchen, sagen "Kinder werden in Gladbeck abgehängt, fast schon zurückgelassen".
  • "Kein Kind zurücklassen" lautet das Motto der landesweiten Kampagne. Doch die Eltern der Jungen und Mädchen, die den "Kindergarten Voßstraße" in Gladbeck-Ost besuchen, sagen "Kinder werden in Gladbeck abgehängt, fast schon zurückgelassen".
  • Foto: Decker/Lokalkompass Essen-West
  • hochgeladen von Uwe Rath

Gladbeck-Ost. Sie haben offensichtlich bewusst bis nach den Landtagswahlen gewartet, doch nun geht der Elternrat des "Kindergartens Voßstraße" mit einem "Offenen Brief" an die Öffentlichkeit. Und üben heftige Kritik an dem Motto "Kein Kind zurücklassen" für die Kinderbetreuung in Nordrhein-Westfalen.

"Doch wir als Elternvertreter des Kindergartens Voßstraße sehen, dass unsere Kinder und auch die Mitarbeiter der Kita immer weiter zurückgelassen werden," schreiben die Elternrat-Mitglieder in ihrem Brief. So führe dauerhaft fehlendes Personal zum Ausfall wichtiger Kennenlernelemente bei der Betreuung der Kinder. Elemente, die laut "Kibiz" zwar zentrale Bedeutung für eine frühe Förderung der Kinder einnehmen und zwar auch angeboten, aber eben nicht stattfinden würden.

Akuter Personalmangel

Dem Personalmangel geschuldet sehen die Eltern auch die spontanen Anrufe mit der Bitte, die Kinder "mal" zu Hause zu lassen, oder wegen fehlendem Personal früher abzuholen. Dies, so ist dem Brief zu entnehmen, betreffe dann auch berufstätige beziehungsweise selbstständige Erziehungsberechtigte.

"Die Gefährdung der individuellen Förderung unserer Kinder bemängeln wir bereits seit 2014, doch an der Situation hat sich nichts zum Besseren für unsere Kinder verändert," beklagt der Elternrat.

Erste Beschwerden schon 2014

Konkret führen die Eltern an, dass Ausflüge nicht mehr durchgeführt würden und es auch keine gruppeninterne als auch -übergreifende Treffen mehr gebe. So seien im Jahr 2017 die Ausflüge für die angehenden Schulkinder zu 60 Prozent ausgefallen. Auch alltägliche Dinge, wie das Toben und Turnen in der Turnhalle, finde nicht statt, denn es mangele an Aufsichtspersonal. Und Besuche des Gartens der Einrichtung würden sprichwörtlich "ins Wasser fallen", da es dem Personal an Zeit für das Umziehen der Jungen und Mädchen fehle. Und auch der Anfang im Kindergarten laufe keineswegs mehr reibungslos, da die Eingewöhnungsmaßnahmen bestensfalls noch durchgeführt werden könnten.
Weiter beklagen die Beschwerdeführer, dass den Kindern durch den ständigen Personalwechsel die Möglichkeit genommen werde, eine Bindung zu den Betreuern aufzubauen. Auch die Bücherei, die den Kindern eine besondere Freude und pädagogisch sehr wertvoll sei, habe Anfang des letzten Kindergartenjahres nur noch durch ehrenamtliches Engagement gerettet werden können. "In vielen Fällen ist es wohl ein enttäuschendes Bild, was die Eltern des Kindergartens erhalten. Diese strengen sich über alle Maße an, die Kinder zu fördern und ihnen eine angenehme Zeit zu verschaffen," klingt Resignation durch.

Pädagogisches Fachpersonal ist Mangelware

Und die Voßstraßen-Kindergarteneltern blicken skeptisch in die Zukunft. Denn die Ankündigung zur Schaffung neuer Kindergartenplätze in Gladbeck lasse nicht darauf hoffen, dass sich die Situation nun verbessere. Das Gegenteil sei zu befürchten, denn es müsste mehr Personal eingestellt werden. Personal, das der Arbeitsmarkt momentan aber nicht hergebe. Denn pädagogisches Fachpersonal sei in der hiesigen Region Mangelware.

"Aber wenn auf Grund von Personalmangel die Betreuung zur Aufsicht herunter gekürzt wird, dann kann dies nicht in Einklang mit unserer Gesellschaft stehen. Kinder sind unsere Zukunft!", so der Eltenrat in seinem Brief abschließend.

Autor:

Uwe Rath aus Gladbeck

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