Identität geht (auch) über´s Blech

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Castrop Rauxel möchte es zurück, Bocholt hat sich dafür entschieden und auch Gladbecker Autofahrer wären nicht abgeneigt, ihre wirkliche Herkunft wieder auf dem Kfz-Kennzeichen preiszugeben. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie der Hochschule Heilbronn, die nun beim Pressegespräch im Rathaus von Prof. Dr. Ralf Bochert (m.) präsentiert wurde. „Es ist nicht nur ein Thema der älteren Bevölkerung, insbesondere kommt auch die jüngere Generation auf mich zu und will wissen: Wie sieht´s aus? Wann bekommen wir nun GLA?“, erzählte Bürgermeister Ulrich Roland (r.) im Alten Rathaus. „Wir sind in jedem Fall dafür!“, stimmte auch sein Amtskollege aus Bocholt, Peter Nebolo (l.), mit ein.

Prof. Dr. Ralf Bochert, Studiendekan des Studienganges Tourismusmanagement an der Hochschule Heilbronn stellte in Gladbeck erstmalig die NRW-Befragungsergebnisse zur sogenannten „Kennzeichenliberalisierung“ vor. Von April 2010 bis April 2011 befragte ein Team um den Wirtschaftwissenschaftler über 30.000 Bürger in über 140 deutschen Städten zu ihren Meinungen und Wünschen das Kennzeichen am Auto betreffend. Auch in NRW fanden in 17 Städten, in denen das identitätsstiftende Kennzeichen aufgrund von Um- und Neustrukturierungen in Landkreisen verloren gegangen war, Befragungen statt.
Das Resultat dieser Studie ist eindeutig: Eine deutliche Mehrheit von 75,1 % der Menschen hätte gerne die alten Kennzeichen, die in den 70er Jahren abgeschafft wurden, zurück; lediglich 11,9 % wollen das derzeitige Kennzeichen behalten. „Allein die Tatsache, dass nur 13,0 % der Menschen keine Meinung zu diesem Thema haben, zeigt uns, wie wichtig den Bürgern die Kfz-Kennzeichen sind,“ so Professor Bochert. „Die Identifikation mit der Heimat liegt den Leuten offensichtlich am Herzen. Darüber hinaus ist die Heimat, die Stadt, auch eine Marke. Diese muss authentisch sein und auch außerorts verbreitet werden dürfen. Es gibt keine bessere Werbung.“ Dieses Ergebnis deckt sich mit der bundesweiten Befragung, wobei die Zustimmung in NRW überdurchschnittlich und größer ist als in den anderen westlichen Bundesländern. Interessant sei auch, dass die jüngste befragte Altersgruppe (die 16-30 jährigen), diejenigen die nur das alte Kennzeichen kennen, sich auch für eine Wiedereinführung ausspricht.
Das Ergebnis sei auch als Appell an die Landkreise zu deuten, „deren Akzeptanz sich durch eigene Kennzeichen für wichtige Städte in den Landkreisen und die damit gezeigte Bürgernähe verbessern lassen würde“, erklärt Professor Bochert. Zweifel an der Wiedereinführung von Bürgern wegen „hohem bürokratischen Aufwand“ und damit zusammenhängenden „unnötig hohen finanziellen Belastungen“ zerstreute Ulrich Roland, die neuen „GLA-Kennzeichen“ gebe es zum Nulltarif.
Im Rahmen der Heilbronner Initiative wird das „Hanauer Modell“ mehrerer Kennzeichen in einem Landkreis vorgeschlagen, das nach einer einmaligen Umstellung ohne zusätzliche Verwaltungskosten funktioniert: Im Main-Kinzig-Kreis (MKK) wurde so für die kreisangehörige Stadt Hanau ein eigenes Kennzeichen (HU) gesichert. So eines hätten die Bocholter auch gerne, wie Peter Nebolo, Bürgermeister Bocholt, bestätigt.
Vor 40 Jahren schmückten Aufkleber mit dem Slogan „BOH muss bleiben“ die Karosserien lokaler Vehikel. 1975 wurde aus „BOH“ dann doch „BOR“ (Kreis Borken). „Jetzt kleben wir wieder Sprüche auf unsere Autos,“ erzählt das Bocholter Stadtoberhaupt. „BOH muss kommen!“

Doch kehren die Städtekennzeichen tatsächlich zurück? Und wenn, wann? Die Landesverkehrsministerkonferenz im April 2012 wird genaueren Aufschluß darüber geben, wie die Entscheidung -zu erwarten in der zweiten Jahreshälfte 2012- aussehen wird. Die Länder könnten dann mit eigenen Rechtsordnungen beschließen, ob sie ihre alten Schilder zurück haben wollen oder nicht. Wie der bürokratische Knoten dann entbunden wird, bleibt abzuwarten. Also fährt „GLA“ irgendwann wieder zwischen Brauck und Zweckel?
„Wir wünschen uns das jedenfalls sehr“, betonte Uli Roland.

Für viele mehr als nur Schilder am Fahrzeug: Kfz-Kennzeichen vermitteln Identität und sind Marketing-Instrument zugleich.
Autor:

Christian Gensheimer aus Essen-Nord

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