Steinstraße 72 und Skaterpark waren die beherrschenden Themen bei der Ausschusssitzung
Offiziell: Gladbeck ist eine sichere Stadt!

Aus Sicht der Polizei und auch der Stadt Gladbeck ist das Hochhaus Steinstraße 72 weder ein "Kriminalitätsschwerpunkt" noch eine klassische "Problemimmobilie".
  • Aus Sicht der Polizei und auch der Stadt Gladbeck ist das Hochhaus Steinstraße 72 weder ein "Kriminalitätsschwerpunkt" noch eine klassische "Problemimmobilie".
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In seiner jüngsten Sitzung beschäftigte sich der "Ausschuss für Sicherheit, Ordnung und Feuerwehr" der Stadt Gladbeck gleich mit drei ganz zentralen Themen: Neben der allgemeinen Sicherheitslage aus Sicht der Polizei standen auch Sachstandsberichte zur Steinstraße 72 und der Skaterpark in Butendorf auf der Tagesordnung.

„Gladbeck ist eine der sichersten und saubersten Städte in unserer Region, dennoch nehmen wir die Themen sehr ernst“, betonte Beigeordnete Linda Wagner während der Ausschusssitzung. Dies bekräftigte auch Rainer Kollburg, Leiter der Führungsstelle der Polizeiinspektion Bottrop, in seinem Bericht: „In ihrer Stadt zeichnet sich ein positiver Trend ab: Die Fallzahlen sinken, die Aufklärungsquote steigt. Gladbeck ist eine sichere Stadt, dies belegt die Kriminalitätsstatistik.“ Dennoch hänge das subjektive Sicherheitsgefühl nicht an Fallzahlen, was auch die Punkte „Steinstraße 72“ und „Skaterpark“ zeigten.

Tim Kaminski, zuletzt als Problemimmobilienkoordinator tätig, stellte das Lagebild zur Steinstraße 72 vor. Dabei zeigte der Verwaltungsmitarbeiter auch die Schwierigkeiten der Immobilie aus dem Jahr 1977 mit seinen insgesamt 67 Eigentümern auf, die sich besonders bei dem Kontakt zu den 244 dort gemeldeten Bewohner widerspiegele: „Es gibt eine erhebliche Fluktuation unter der Bewohnerschaft, zudem haben rund 87 Prozent eine ausländische Staatsbürgerschaft“, berichtete Kaminski. Dennoch: Die Steinstraße sei kein Kriminalitätsschwerpunkt und eigentlich auch per Definition keine klassische Problemimmobilie. Vom Gebäude selbst gehe keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit oder Ordnung aus, da keine gravierenden bauordnungsrechtlichen Mängel vorliegen. Auch die Nutzung des Gebäudes zu Wohnzwecken entspreche der baurechtlichen Genehmigung. „Jedoch hat das Verhalten einiger Hausbewohner negativen Einfluss auf das direkte Umfeld.“

Rainer Kollburg unterstrich die Ausführungen der Verwaltung: „Wir sehen die Steinstraße nicht als Kriminalitätsschwerpunkt.“ Im Mai habe es 101 Einsätze gegeben, davon seien mehr als die Hälfte auf Aufklärungseinsätze ohne konkreten Anlass entfallen. Denn die Steinstraße ist – genau wie der Skaterpark und weitere Parkanlagen – Teil des Präsenzkonzeptes der Polizei, das stärkere Kontrollen bestimmter städtischer Bereiche vorsieht. Hinzu kamen Ruhestörungen, Verkehrsdelikte oder „Unfug“ (wie Klingelmännchen).

Neben regelmäßigen Kontrollen durch die Stadt und die Polizei wurden bereits weitere Maßnahmen ergriffen, andere sind in Planung: So soll neben dem Sicherheitsdienst auch die Sozialarbeit verstärkt, der Austausch im Rahmen eines Runden Tisches Ende Juni intensiviert sowie ein Quartiersmanagement (ab 2022) eingerichtet werden, zudem will die Stadt parallel das Prüfverfahren für eine Sanierungssatzung anstoßen. Aktuell ist nach offiziellen Angaben die Beschwerdelage vor Ort jedoch "überschaubar".

Auch den Skaterpark haben Stadtverwaltung und Polizei seit längerer Zeit verstärkt im Blick: „Wir haben die Präsenz von KOD und Polizei deutlich erhöht, der Skaterpark ist aber bei weitem keine No-Go-Area. Die Lage ist aus Sicht der Ordnungsbehörden aktuell sehr entspannt“, betonte Ordnungsamtsleiter Gregor Wirgs. Dennoch hatte die Stadt nach einigen Vorfällen im Frühjahr die aufsuchende Sozialarbeit intensiviert und in enger Abstimmung mit der Polizei die Kontrollen verstärkt. Nicht nur die Problemlage habe sich spürbar gelöst, auch sei mit den zunehmenden Lockerungen die Zahl der anwesenden Personen zurückgegangen.

„Unsere Anwesenheit hatte ebenfalls beschwichtigenden Einfluss auf die Situation vor Ort“, ergänzt Sascha Reichelt, Leiter des Maxus und häufig selbst als Streetworker auf der Anlage im Einsatz. Iris Berger, Abteilungsleiterin Jugendförderung bei der Stadt Gladbeck, wagte ebenfalls einen Erklärungsansatz: „Die Jugendlichen haben sehr unter den Corona-Bedingungen gelitten – und irgendwo mussten junge Menschen ja auch hin.“

Ein coronabedingt erhöhtes Aggressionspotential aufgrund sehr eingeschränkter Freizeitmöglichkeiten unter Kindern- und Jugendlichen sei aktuell nicht von der Hand zu weisen. Der Skaterpark ist aus Sicht der Jugendförderung ein informeller Treffpunkt, der insbesondere von den Skatern genutzt und selbst verwaltet wird. Es besteht eine enge Bindung zu „ihrem“ Ort. „Sie sorgen selbst für die äußere Ordnung, räumen den Müll weg und achten auf einen pfleglichen Umgang mit dem Parcours“, weiß Berger zu berichten und fügt an: „Es erschließt sich jedem von selbst, dass es zu Unmut und Reibereien führen kann, wenn für das Territorium plötzlich ungefragt von anderen Seiten ‚Besitzansprüche‘ angemeldet werden.“ Festzustellen sei, dass nun wieder eine Verteilung auf unterschiedliche Orte stattfinde.
Rainer Kollburg stellte ebenfalls heraus, dass sich die Polizei intensiv mit der Skateranlage beschäftigt habe: „Es gibt jedoch kaum Vorfälle, die ein polizeiliches Eingreifen notwendig gemacht hätten.“ Insgesamt vier Straftaten stellte die Polizei fest, drei Körperverletzungen und eine Beleidigung. „Die Jugendlichen gehen hier ihrem Sport nach, diese wollen wir nicht kriminalisieren“, erklärt Rainer Kollburg. Hinweise auf Drogenhandel hätten sich ebenfalls nicht bestätigt.

Auch wenn sich die Lage aktuell als unauffällig darstellt, wollen Stadtverwaltung und Polizei die Anlage weiter im Blick behalten.

Autor:

Uwe Rath aus Gladbeck

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