Überwachung – eine unterschätze Gefahr

Die „Niemals vergessen Tour“

Die Stasi gibt es seit über zwanzig Jahren nicht mehr und manche ihrer Methoden mögen heute im Zeitalter von NSA belächelt werden. Doch die Staatssicherheit der DDR war bezogen auf die Einwohnerzahl der größte Geheimdienst weltweit und er konnte Menschen in den Ruin, in die Verzweiflung oder gar in den Tod treiben. Die Betroffenen des Stasi-Terrors sind bis heute traumatisiert. Einer von ihnen ist Jürgen Hansen und er spricht offen darüber. Er berichtet, wie und warum überwacht wurde und wie ein Mensch daran zerbrechen kann - und das eigentlich jeder von uns völlig unvorbereitet und unerwartet in eine solche Situation geraten kann.

Was ihm passierte schilderte er in seinem beeindruckenden Vortrag am Donnerstag, den 24.10.2013 im Cafe Stilbruch in Gladbeck. Seine Absicht ist auch die Mahnung an uns, Bespitzelungen nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, sondern aktiv dafür zu sorgen, dass solche Dinge sich nicht wiederholen. Er selbst setzt sich dafür auch auf politischer Ebene ein. Seit diesem Monat ist er Vorsitzender des Kreisverbandes der Piraten in Gelsenkirchen und er will im Frühjahr für das Europaparlament kandidieren.

Dabei war er einst Kommunist, führte in der DDR ein sorgloses und erfolgreiches Leben und genoss die Achtung seiner Genossen. Doch diese scheinbare Sicherheit kippte, verkehrte sich innerhalb weniger Tage ins Gegenteil. Durch Studienfreunde ermuntert hatte er mehrere Messen in der Leipziger Nikolaikirche besucht. 1986 trafen sich dort auch Andersdenkende und Menschen, die einen Ausreiseantrag gestellt hatten. Dies reichte für die Stasi aus ihr volles Programm zu starten: Hansen wurde verhört. Nachdem er einen Ausreiseantrag stellte bezogen Spitzel vor und hinter seiner Wohnung eigene Wohnungen, von denen sie ihn und seine Familie unentwegt überwachten. 32 Stasi-Mitarbeiter wurden insgesamt auf ihn angesetzt, 1800 Seiten Aktenmaterial über ihn angelegt. Er von seiner Arbeitsstelle beurlaubt, seine Tochter in der Schule isoliert, Freunde und Familienmitglieder wendeten sich von ihm ab. Kurze Zeit später kam er in den berüchtigten „Roten Ochsen“ in Halle, ein Gefängnis für politische Gefangene. Die Bedingungen waren dort so schrecklich, dass heute ein Dokumentationszentrum über die Gräuel dort berichtet. Nach einem halben Jahr dort kam er frei und durfte binnen 24 Stunden das Land verlassen. Da das Ausreisefenster so klein war, verlor er alle seine materiellen Werte, wie etwa sein Auto und kam quasi mit leeren Händen in der Bundesrepublik an.

Solche Einzelschicksale berühren viel tiefer, als ein globaler Bericht über die DDR und ihren Geheimdienst. Und das Thema ist seit NSA aktuell wie nie, die Gefahr, die in einer Überwachung steckt ist groß. Der Vortrag im Café Stilbruch ist nicht der einzige, denn Jürgen Hansen veranstaltet eine ganze Lesetour und wird u.a. am 07.11.2013 um 19:00 Uhr in Herne Wanne, im Café Ortrud, Hauptstr. 235 die Lesung wiederholen. Er ist aber auch gern bereit auf Anfrage anderorts zu sprechen, in Schulen, Vereinen oder einfach für die Menschen, die an seinem Schicksal und letztendlich an dem von tausend anderen DDR Bürgern interessiert sind. Der Vortrag kann kostenlos gebucht werden über

j.hansen-piratenpartei@arcor.de

Infos über http://standpunkteblock.worldpress.com/

Autor:

Ellen Norten aus Gelsenkirchen

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