Unser pietätloser Umgang mit Terroropfern

(Ein Kommentar von Kurt Rohmert unter Verwendung von Texten des Journalisten Roland Tichy)

Wir brauchen schon lange starke Nerven. Terroranschläge, Morde, Gruppenvergewaltigungen, sexuelle Übergriffe, Massenschlägereien, Messserattacken, …. . Eine Endlosschleife an täglichen Nachrichten mit nie dagewesener Brutalität, die leider irgendwann nur ein Achselzucken hervorbringen wird. Jedoch: Wir sind an einem Punkt angelangt, wo unsere Werte Freiheit, Toleranz, Rechtsstaatlichkeit zur Disposition stehen..

Frau Merkels Äusserung „Wir werden den Kampf gegen die Terroristen führen, wir werden ihn gewinnen“ erscheint mir als reine Rhetorik; es ist immer dieselbe Reaktion nach Terror, unsere Politiker benutzen immer dieselben flachen Platitüden („Meine Gedanken sind bei den Hinterbliebenen“), die ich nicht mehr hören kann und ich werde das Gefühl nicht los, dass bei Verantwortlichen schon der Realitätsverlust eingetreten ist.

Stellvertretend für viele zitiere ich als Ausnahme den SPD-Politiker Olaf Scholz: „Wütend macht mich, dass es sich bei dem Täter um jemanden handelt, der Schutz bei uns in Deutschland beansprucht und dann seinen Hass gegen uns gerichtet hat“. Scholz sprach von einem „bösartigen Anschlag“. Dass es auch ganz anders geht, zeigt das Beispiel des Sicherheitsmannes Amir Najjavzadeh, der sich beim Massenmord im Münchner Einkaufszentrum vorbildlich verhalten hat und gegenüber der Presse äusserte, froh darüber zu sein, dem Gastland, in das er vor drei Jahren aus Afghanistan geflohen ist, etwas zurückgeben zu können.

Während im Ausland der Umgang mit Terror-Opfern sowohl in der Politik (Staatsbegräbnis) wie auch in den Medien in einer angemessenen Form stattfindet (die Opfer haben einen Namen), muss man sich hierzulande dagegen fast schämen. Regelmässig wird über deutsche Opfer in den Medien geschwiegen, werden die Täter und ihre Herkunft vertuscht. Wann wird die Mauer des Schweigens durchbrochen ? Haben wir nicht ein Recht auf Schutz ? Ist es so, dass Frau Merkel nichts falsch gemacht hat ? Das Attentat auf den Weihnachtsmarkt in Berlin ist der schwerwiegendste Fall in Deutschland, neben den vielen anderen. Die Zerstörung der inneren Sicherheit hatte zur Folge, dass 12 Menschen ihr Leben verloren und weitere 70 Verletzte diesen Tag nicht mehr vergessen werden. Die Angehörigen haben nicht vergessen, dass eine Kanzlerin diese Menschen völlig allein gelassen hat. Sie mussten betteln, sie wurden nicht gehört. Erst ein Jahr später schrieben sie einen erschütternden Brief, der schonungslos die Menschenverachtung der Regierung Merkel offenlegt. Für diese Opfer und ihre Angehörigen gab es keine angemessene Fürsorge !

Die Medien – ein einziges Schweigen, nur der Name des Täters ist allen bekannt. Kritik wäre ja Populismus, schlimmer noch „Rechtspopulismus“. Doch diese Politik entlarvt sich selbst: Statt die Grenzen zu sichern bekommen wir jetzt Mauern aus Beton um unsere Weihnachtsmärkte. Der bekannte Professor Bassam Tibi spricht mir aus dem Herzen: „Ich möchte in Freiheit leben. Ohne Angst. Ich möchte feiern, aber ohne Betonklötze, Container oder LKWs als Absperrung“.

Im Brief der Berlin-Opfer bemängeln die Hinterbliebenen die Missstände in der Anti-Terror Arbeit und den Umgang mit Opfern und Hinterbliebenen. Der Opferbeauftragte Kurt Beck, dessen Einsatz man loben muss, fand anlässlich des Jahrestags die passenden Worte und ich würdige seine Anteilnahme. Allerdings der Gipfel der Pietätlosigkeit ist das Verhalten des ZDF: Die Sprecherin der Opfer, Astrid Passin, sollte in der Sendung „Klartext, Frau Merkel“ auftreten, wurde dann aber ausgeladen. Will ich nicht kommentieren. Das Verhalten des Berliner Abgeordnetenhauses (Rot-Rot-Grün) zu kommentieren erspare ich mir. Immerhin wird in Berlin nach 12 Monaten zum Jahrestag die überfällige Gedenkstätte eingeweiht. Fazit scheint zu sein, dass die Deutschen unfähig zum Trauern sind, besonders, wenn es eigene Opfer sind.

Beachtenswert erscheint mir das unabhängige Berliner Bündnis „Berlin gegen Islamismus“. Dieses ruft am 19.12.2017 zu einer Kundgebung am Breitscheidplatz auf, um zu zeigen, dass eine konsequente Sicherheitspolitik notwendig ist und die kritische Auseinandersetzung mit der Ursache, die islamistische Ideologie, nicht fehlen darf.

Während wir uns über das Schweigen der deutschen Medien (im Gegensatz zu deren Heimatländern) zu den Identitäten der Opfer nur wundern können möchte ich mit meiner Anteilnahme zeigen, dass diese Menschen (10 der 12, aus Rücksicht), die stellvertretend für unsere Gesellschaft und unsere Werte gestorben sind, einen Namen haben: Sebastian Berlin, Anna und Gregoriy Bagratuni, Nada Cizmarova, Fabrizia Di Lorenzo, Dalia Elyakim, Dorit Krebs, Angelika Kösters, Lukasz Urban, Peter Volker.

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