„Erinnern für eine gemeinsame Zukunft“

„Diese Form der Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte war etwas Besonderes,“ war sich die Gruppe junger Menschen um Georg Liebich-Eisele (1. v. r.) sicher.
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Auch in diesem Jahr hat Georg Liebich-Eisele wieder ehrenamtlich für die Arbeiterwohlfahrt eine Fahrt für Jugendliche zu Gedenkstätten von Verbrechen des Nationalsozialismus organisiert und durchgeführt.
Die Maßnahme fand in der Zeit vom 10. bis zum 14. April in Berlin und Umgebung statt.

An dieser bereits traditionellen Gedenkstättenfahrt ( die erste Gedenkstättenfahrt wurde im Oktober 1992 durchgeführt ) haben insgesamt 24 Jugendliche aus Gladbeck teilgenommen, um sich an historischen Orten mit dem dunkelsten Abschnitt der deutschen Geschichte intensiver auseinander zu setzen.
Bei einem Vortreffen in Gladbeck sowie einer weiteren intensiven Einführung zur Thematik vor Ort in Berlin, haben sich die Jugendlichen auf die 5-tägige Fahrt vorbereitet. Des Weiteren wurde den Teilnehmern die Biographie von Inge Deutschkron zur Verfügung gestellt, um sich somit auf das Gespräch mit der Zeitzeugin („Ich trug den gelben Stern“) vorzubereiten.
Den Anfang der Gedenkstättenfahrt machte eine 3 1/2-stündige Stadtführung mit dem Historiker Olaf Butz, der durch seine lockere Art und kompetenten Erklärungen, den Jugendlichen einen informativen Einstieg zur Stadtgeschichte Berlins ermöglichte. Tipps und Anregungen für den „privaten Gang“ durch Berlin rundeten die Stadtführung ab.
Am nächsten Tag wurde die Gedenkstätte Sachsenhausen in Oranienburg besucht, wo die Jugendlichen den Zeitzeugen Jonny Valentin trafen. Jonny Valentin, der mit seinen Eltern nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten nach Dänemark und Norwegen flüchten musste, wurde wegen der Herstellung und Verbreitung von Flugblättern, welche die deutschen Soldaten in Norwegen zum desertieren aufforderte, verhaftet und ins Konzentrationslager Sachsenhausen nach Oranienburg gebracht.
Jonny Valentin - der letzte deutsche Zeitzeuge, der Führungen im ehemaligen Konzentrationslager Sachsenhausen noch durchführt – brachte den 24 Jugendlichen aus Gladbeck, die grausamen Verbrechen der Nationalsozialisten durch seine persönlichen Schilderungen näher.
Leben auf engsten Raum, arbeiten unter extremsten Bedingungen mit ständiger Angst vor einem grausamen Tod - all diese Erfahrungen hat der Zeitzeuge realistisch veranschaulicht.

Am dritten Tag wurde das Jüdische Museum in Berlin-Kreuzberg besucht. Mit Unterstützung durch fünf Mitarbeiterinnen der Bildungs- und Archivabteilung des Jüdischen Museums, haben sich die Jugendlichen in vier Arbeitsgruppen mit den Schicksalen von deutschen Juden auseinandergesetzt. Das Besondere war hier, dass den „kleinen Historikern“, Originaldokumente, Fotos, Schreiben etc. zur Verfügung gestellt worden sind, die aus diversen Nachlässen von verstorbenen Juden stammen. Mit weißen Handschuhen ausgestattet, haben sich die Jugendlichen mit den Themen Deportation, Novemberpogrom, Situation jüdischer Kinder während der NS-Zeit und den Kindertransporten von jüdischen Kindern in die Freiheit, auseinander gesetzt. Eine Form des Geschichtsunterrichtes, der bei den Jugendlichen gut ankam.
Am nächsten Tag wurde das Museum Otto-Weidt besucht, wo ein bewegendes Zusammenkommen mit der Zeitzeugin Inge Deutschkron, die in diesem Jahr 90 Jahre alt wird, stattfand. Inge Deutschkron begrüßte die Jugendlichen in der ehemaligen Werkstatt des Unternehmers Otto-Weidt, der während der Naziherrschaft eine kleine Firma in der Nähe der Hackeschen-Höfe betrieb, und dort Besen für die Wehrmacht produzierte.

Er stellte fast ausschließlich blinde und gehörlose Juden ein, um sie somit vor der drohenden Deportation zu retten, was Otto-Weidt auch eine längere Zeit gelang. Inge Deutschkron, die mit ihrer Mutter in einem Versteck in Potsdam untergetaucht war, gehörte zu den fünf Überlebenden der Belegschaft von Otto-Weidt.
Inge Deutschkron hat es sich zu Aufgabe gemacht, vielen Menschen von dieser schrecklichen Zeit der Demütigung, Verfolgung und Vernichtung von Menschen zu berichten, „damit sich diese schreckliche Zeit nicht wiederholt.“
Die Gedenkstättenfahrt wurde gemeinsam mit den Jugendlichen in Berlin ausgewertet. Alle Teilnehmer der Fahrt waren sich einig, dass diese Form der Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte etwas Besonderes war. Kevin Theißen, Teilnehmer der Fahrt bemerkte hierzu: „Die vielen Informationen, die ich während dieser Gedenkstättenfahrt bekommen habe sowie das Zusammenkommen mit den Zeitzeugen Inge Deutschkron und Jonny Valentin haben mich in meinem Vorhaben gestärkt, sich auch in Zukunft mit dieser doch schwer zu verstehenden Zeit auseinander zu setzen.“
Die Gedenkstättenfahrt wurde in diesem Jahr durch das Landesjugendamt und der Brost-Schenkung finanziert.

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