Heftiger Brief an EKD-Vorsitzenden Bedford-Strohm: "Ich schäme mich für das Verhalten der Evangelischen Kirche in Gladbeck!"

Spätestens nach dem Brief von Franz-Josef Heinrichs ist der EKD-Präsident über den ausgebrochenen Streit betreffs des "Martin Luther Forum Ruhr" informiert.
  • Spätestens nach dem Brief von Franz-Josef Heinrichs ist der EKD-Präsident über den ausgebrochenen Streit betreffs des "Martin Luther Forum Ruhr" informiert.
  • Foto: Kariger/STADTPSPIEGEL Gladbeck
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Rentfort. Franz-Josef Heinrichs ist vielen Gladbeckern als kritischer Mitbürger bekannt. Als Mann, der im Ernstfall auch kein Blatt vor den Mund nimmt. Diese Erfahrung machte jetzt auch Professor Dr. Heinrich Bedford-Strohm in seiner Funktion als Vorsitzender der "Evangelischen Kirche in Deutschland" (EKD), denn er erhielt einen Brief von Heinrichs.

Schon der erste Satz in dem Schreiben klingt wie ein Peitschenhieb: "Ich bin Mitglied der Evangelischen Kirche und schäme mich für das Verhalten der Evangelischen Kirche in Gladbeck," schreibt Franz-Josef Heinrichs. Denn das "Gezerre" um den Fortbestand des "Martin Luther Forums" (MLF) und die Rolle, die dabei die Evangelische Kirche spielt, gefällt Heinrichs in keinster Weise.

"Waren 500 Jahre Martin Luther für die Evangelische Kirche (nur?) ein gelungenes Marketing Projekt und das mindestens in allen Medien Deutschlands?" fragt Heinrichs provokativ. Leider zeige die Situation der zum "Luther Forum" umgebauten ehemaligen Markuskirche in Gladbeck aber nicht etwa eine Würdigung von Martin Luther, "dem Grundstein" der Evangelischen Kirche.

"Luther-Jahr" nur ein Marketing-Projekt?

In seinem Schreiben listet Franz-Josef Heinrichs auch die Gelder (800.000 Euro vom Land Nordrhein-Westfalen zuzüglich 100.000 Euro aus dem Etat der Stadt Gladbeck) auf, die in Richtung "MLF" geflossen seien. Und das, obwohl Gladbeck mit weit über 200 Millionen Euro verschuldet sei. Dies, so Heinrichs, sei geschehen unter der Vorgabe, dass das "MLF" mindestens 20 Jahre betrieben werden müsse. "Doch 500 Jahre Luther sind vorbei und schon soll der Betrieb des Luther-Forums eingestellt werden," erzürnt sich der Rentforter in seinem Brief. "Rein rechtlich sind nun die Zuschüsse, da der Betrieb schon nach zirka zehn Jahren eingestellt werden soll, anteilig zurückzuzahlen." Die im Raume stehende Rückzahlungssumme in Höhe von 450.000 Euro nennt Heinrichs natürlich auch.

"Während viele Menschen in unserem Land sehr oft hart für ihr Leben arbeiten müssen, könnte ein Bild von kirchlichen "Subventionserschleichern" über fadenscheinige Gesellschaftskonstrukte, die eher an eine "Kapitalgesellschaft" erinnern, und in der Öffentlickeit, nicht gerade einem dem Evangelischen Glauben zuträgliche Maßnahmen, entstehen," mahnt Franz-Josef Heinrichs mit Nachdruck. "Und die, ach so arme Evangelische Kirche, zieht sich mit ihrem "Gesellschaftskonstrukt" aus der Verantwortung," folgen weitere heftige Worte.

Dabei beruft sich Heinrichs auf eine Vielzahl aktueller Zahlen, die er selbst zusammengetragen hat. Demnach seien die Kirchensteuereinnahmen seit dem Jahr 2005 ohne Unterbrechnung gestiegen. Heinrichs gibt an, dass es sich dabei in der Zeit von 2005 bis 2015 im Durchschnitt pro Jahr um zirka 165 Millionen Euro gehandelt habe. Auf den höchsten Wert sei die Evangelische Kirche im Jahr 2017 mit einem Gesamtbetrag von rund 500 Millionen Euro gekommen. In der genannten Summe seien die Einnahmen aus Gesellschaften und Vermögen noch gar nicht berücksichtigt.

Heinrichs bemüht auch Luthers These 37: "Jeder wahre Christ, lebend oder tot, hat, ihm von Gott geschenkt, teil an allen Gütern Christi und der Kirche, auch ohne Ablassbriefe". Und so teilt Heinrichs dem EKD-Vorsitzenden mit, dass man sich doch langsam die Frage stellen müsse, was eigentlich die Fundamente der Evangelischen Kirche seien.

"Ich glaube, dass die Evangelische Kirche den Ast absägt, auf dem sie sitzt (hin zur eGmbH), denn gute und persönliche Gemeindearbeit auch im Sinne Martin Luthers sind die Grundlagen und das langfristige Fundament der Evangelischen Kirche," ist dem Brief von Franz-Josef Heinrichs zu entnehmen.

EKD darf nicht an Glaubwüridigkeit verlieren

Mit Blick in Richtung Bülser Straße in Gladbeck-Ost schließt der Brief an den EKD-Vorsitzenden wie folgt: "Ich bitte die EKD, um nicht an Glaubwürdigkeit zu verlieren, für die anfallenden Subventionsrückzahlungen des Luther Forum einzustehen oder Gelder zur Verfügung zu stellen, damit das Luther Forum weiter betrieben werden kann."

Autor:

Uwe Rath aus Gladbeck

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