Radrennbahn Gladbeck ehemlg. Bewohner - Erinnerung an Radsporttage

Haus mit sog. Zeltdach li. im Bild: Mein Elternhaus - Die Leute dahinter stehen auf dem Anbau-Flachdach unseres Hauses. Häuser hintere Reihe: Anlieger der Schürenkampstr. bzw. der heutigen Ringeldorferstr. Foto: H. Engler - Repro: Kariger
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  • Haus mit sog. Zeltdach li. im Bild: Mein Elternhaus - Die Leute dahinter stehen auf dem Anbau-Flachdach unseres Hauses. Häuser hintere Reihe: Anlieger der Schürenkampstr. bzw. der heutigen Ringeldorferstr. Foto: H. Engler - Repro: Kariger
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Gladbeck: Ehemalige Radrennbahn | Animiert durch die vor 3 Jahren angefertigten Repro-Fotos, wobei ein Bild original darüber heute in einem Printmedium zu sehen ist, so schweben die Erinnerungen vergangener Jahrzehnte wieder vor Augen.

Als direkt am Rand der Radrennbahn, auf dem Gelände also aufgewachsener, befragte ich 2012 mehrere ältere Bürger nach Fotos von unserer ehemaligen Radrennbahn, denn kaum jemand hatte früher fotografiert. Außerdem wurden viele Nachlässe (Bilder in Alben od. lose Schuhkartons) achtlos entsorgt und so kommt es, dass kaum Bildmaterial über die Radrennbahn zu finden ist.

Bei Hubert Engler fündig geworden

Ich stieß auf den heute noch bei entspr. Gesundheit existierenden Gladbecker Polster-Meister Hubert Engler, der so lieb war, auf meine Frage nach Bildern zu suchen und übergab mir dann 3 St. 5 x 5 cm große Fotos zur Reproduktion, die er zwischen 1950/51 als Zuschauer auf der Radrennbahn gemacht hatte. (Es gab schließlich kein TV, da waren Kinos + Sportplätze noch überfüllt).
Motorradrennen zeigen die Fotos, die allerdings nur von kurzfristiger Dauer auf der Bahn veranstaltet wurden.

Von Hand in Öl gepinselte Werbung

Wo die Pappel-Baumreihe links im Background anfängt, sieht man das Dach vom ehemaligen Hof Bauer Koopmann. Auf der Bande, die aus Brettern bestand, ist noch der Werbeanstrich "Dürkopp" zu lesen. Die Bretter der Banden und ihre Werbeaufdrucke wurden einst noch per Hand stundenlang mit Ölfarbe aufgepinselt, die sehr lange zum trocknen brauchte. Heute würde die Alu-Cobond-Platte einen geplotterten Folienschnitt in Minuten erfahren.

In der Hauptsache das Radrennen als solches war einst angesagt. Das Zufahrtstor im Eingangsweg, von der damaligen Schürenkampstr. (heute Ringeldorferstr.) aus erreichbar, wurde mit einer Kasse versehen und der Zugang ohne Eintrittskarte so unmöglich. Freunde, die zu mir wollten, riefen meinen Namen am Tor, damit man sie frei auf den Platz durchließ. Man hatte zu Radrennen auffallend immer viele "Freunde", die mich alle (gratis) besuchen wollten.

Mobiler Kühlschrank der 50er Jahre

Zu den Vorbereitungen eines Renntages gehörte auch die Anlieferung von roten Getränke-Holztruhen eines damals schon weltbekannten Limonadenherstellers, ausgeschlagen waren sie mit Zinkblech und einem Ventil für den Wasserablass, weil nämlich vor dem Rennen die "Eislieferer" mit ihrem Schulter-Lederschutz die schweren gefrorenen Eisstangen anlieferten, die im Gladbecker Schlachthaus gekühlt wurden. Mit Eispickeln wurden die Eisstangen in den Getränketruhen auf grobe Eisstücke abgestochen. Nach dem Rennen lagen dann die restlichen 0.33 ltr.Flaschen im mittlerweile aufgetauten Eiswasser.

Ich kann mich nicht daran erinnern, zu einem Radrennen jemals schlechtes Wetter erlebt zu haben, irgendwie ein Zufall, denn anscheinend konnte man das Wetter früher vor 60 Jahren auf Tage präziser voraussagen, als heute die unendlichen Märchengeschichten der Wetter-Frösche in Form fast reifer TV-Shows.

Wadenklatschen

Die Fahrer reisten mit ihren Teams an und bildeten vor der kleinen Holzbänke-Zuschauertribüne, jenseits der Pappelreihe, ihre Rastplätze im Gras an der kleinen Böschung. Als Kind habe ich es noch direkt vor Augen: Hier wurden den Fahrern von ihren Masseuren während der Renn-Pausen die Waden mit beiden Händen klatschend massiert, damit es nach der Pause voller Kraft und entspannten Muskeln weiter gehen konnte.

Der Rennablauf als solcher interessierte uns Kindern eigentlich weniger, um so dramatischer war es dann, wenn im Fahrer-Pulk damals jemand stürzte und so 2 od. 3 nachfolgende Fahrer ebenfalls kollidierten. Dann war immer helle Aufregung angesagt, für Kinder noch nicht so richtig nachvollziehbar. Das tat dann immer selbst sehr weh, wenn man sah, wie die Sani-Assistenten mit dem Verbandspflaster umgehen mussten.

Stumpen-Abschnitte für die Pfeife

Wir Kinder wurden früher nach den Rennen dazu animiert, im Bereich der Zuschauertribühne/Holzsitzbänke ... (an den Banden war meist alles zertreten) ... nach brauchbaren Zigarrenresten oder Stumpen zu suchen. Die wurden von Pfeife-rauchenden Großvätern säuberlich abgeschnitten und als Tabak gestopft, verwendet. Ältere unter den Lesern werden sich noch an Zigarrenabschnitte oder "Burger-Stumpen" erinnern können. Früher wurde nichts brauchbares weggeworfen. Sogar Schrottsammler fanden sich einst auf der Radrennbahn ein, die mit einem Sack "bewaffnet", nach verwertbarem Metall suchten. Ein bekannter Gladbecker Altmetallhändler hatte es so nach dem Krieg zu einem ansehnlichen Betrieb gebracht.

Dirt Track-Rennen (schmutzige Bahn)

Auf der Radrennbahn mit 400 m. Länge befand sich im Innenkreis eine sogen. Aschenbahn. Motorradrennen wurden auf dieser Aschenbahn hier ausgetragen. Schon als Kind zu "Denglisch-losen" Zeiten war trotzdem die Bezeichnung "Dirt Track-Rennen" geläufig.
Der Motorradfahrer stützte sich, mehr rutschend, in den Kurven beim Aschenbahnrennen in geneigter Fahrt mit einem Bein/Fuß auf der Asche ab. Dazu benutzte man eine gewisse Eisenschale, die über den normalen Schuh gestülpt wurde. Heute würde man sie Dirt-Track Stiefel nennen. Während die Fahrer damit über den Boden und mehr schleudernd in die Kurven rutschten, spritze die Asche bis vor die Innenbande hoch, die aus Brettern bestand.

Entsprechend sahen Fahrer und auch manchmal Zuschauer in den Kurven aus, denn die schwarze Asche flog immer wieder mal über den Zaun auf die eigentliche asphaltierte Radrennbahn und sogar noch weiter.
Man kann sich noch bestens an die verschmutzten Gesichter der Fahrer durch den Vordermann erinnern, besonders dann, wenn sie nach dem Rennen die Schutzbrille absetzten, waren ihre Gesichter Kohlrabenschwarz.

Steherrennen - Von der Rolle sein

gab es noch etliche Male, wobei der Motorradfahrer/Steher sozusagen hoch aufgerichtet auf seiner Maschine, abgestützt am Lenker stand, um als Windfang seinen nachfolgenden Radrennfahrer abzuschirmen. An der Maschine war hinten ein Gestänge mit einer quer zur Fahrtrichtung montierten Laufrolle angebracht, damit der Rennradler, wenn er denn mit seinem Voderrad dem Motorrad zu nah gekommen war, daran vorstoßen und abrollen konnte.

Laut heutiger Webmedien soll der Spruch "von der Rolle sein" als Begriff aus dem Steherrennen entstanden sein. Ein Fahrer Namens Zims aus der Kölner Gegend galt damals als Favorit. Auch Fahrer aus dem radfreundlichen Nachbarland Belgien, kamen extra nach Gladbeck angereist. Unfälle bei den Stehern (Motorradfahrer, Schrittmacher) gab es auf unserer Bahn nur sehr selten. Die Radprofis erreichten so im Windschatten der Steher vor ihnen extreme Durchschnittsgeschwindigkeiten von ca. 70-90 Km/h. An die Helme der Steherfahrer mit den nach hinten geöffneten Ohrenklappen zu besseren Verständigung/Zurufe vom Radfahrer kann man sich ebenfalls noch gut erinnern.

Bremsen an den Rennrädern:

Die suchte man früher vergeblich. Alles was unnötiges Gewicht war, fehlte am Rad. Die Fahrer trugen Handschuhe und bremsten manchmal so ihre Räder durch einfaches Handpressen auf das Vorderrad. Die Übersetzungen der Ketten-Ritzel bei Rennrädern waren dem hohen Durchschnitts-Renntempo angepasst. Deshalb mussten die Fahrer zum Start von Helfern angeschoben werden, damit durch die hohe Ritzel-Übersetzung erst einmal Schwung in die Pedale kam. Zum Stillstand des Radlers krallte der Helfer seine Hand am Fahrersattel fest, die Balance dabei beachtend, um ihn dann vollends anzuhalten.

Fotos 1950/51: Hubert Engler - Repro: Kariger
Haus mit sog. Zeltdach li. im Bild: Elternhaus - Häuser hintere Reihe: Schürenkampstr./heute Ringeldorferstr., die einst gerade bis in die heutige Schürenkampstr. über eine kleine Erd-Erhebung mündete, in dessen Nähe (Ecke Charlottenstr.) die ehemalige Baracke Sportklause stand, die später dann etwas massiver, komplett neu errichtet wurde.

Autor:

Wolle Gladbeck aus Gladbeck

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