Renaturierung zwischen Bottrop und Gladbeck: Entfesselte Boye

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Ab Juli wird die Emschergenossenschaft die Sohlschalen entfernen und dem Bach zwischen den Städten Bottrop und Gladbeck wieder ein naturnahes Profil schenken. Foto: EGLV
Gladbeck: Pelkumer Feld |

Die Tage des Boye-Betonkorsetts sind gezählt: Die Emschergenossenschaft beginnt in der ersten Maiwoche mit den Vorbereitungen zur Renaturierung des Emscher-Nebenflusses. Bis voraussichtlich Ende Juni werden die Betonsohlschalen, die dem Gewässer über Jahrzehnte die charakteristische Kanal-Optik verliehen, zunächst gründlich gereinigt. Ab Juli wird die Emschergenossenschaft die Sohlschalen entfernen und dem Bach zwischen den Städten Bottrop und Gladbeck wieder ein naturnahes Profil schenken.

Vom Abwasser befreit ist die Boye auf einer Länge von rund acht Kilometern bereits seit April 2017. Damals hatte die Emschergenossenschaft ihre Arbeiten für den neuen unterirdischen Abwasserkanal fertig gestellt. Durch diesen fließt nun das Schmutzwasser, während das oberirdische Gewässer primär Quell-, Grund- und Regenwasser führt.
Begonnen hatte die Emschergenossenschaft mit dem Boye-Kanalbau Anfang 2013, verlegt wurden für den „unterirdischen Zwilling“ der Boye Kanäle mit Durchmessern von 1,60 Meter bis 3,50 (!) Meter – investiert wurden in die Abwasserfreiheit rund 80 Millionen Euro.

Neue Trasse

Auf einem ersten Teilstück der Boye im sogenannten Pelkumer Feld unmittelbar westlich der Bundesstraße B 224 hat die Emschergenossenschaft bereits eine neue Trasse für das Gewässer modelliert – es unterscheidet sich erheblich von dem begradigten Kanallauf und schwenkt kurvenreich nach Norden auf Gladbecker Gebiet. Hier hatte die Emschergenossenschaft den nötigen Raum, um der Boye einen naturnahen Verlauf zu gewähren.

Zweitgrößter Emscher-Nebenfluss

Die Boye ist der zweitgrößte Zufluss der Emscher und führte über viele Jahrzehnte größtenteils die Abwässer aus den beiden Städten Bottrop und Gladbeck ab. Lediglich der Oberlauf der Boye bei Kirchhellen blieb von der Verschmutzung verschont – dort überlebte in Isolation die Emschergroppe. Der Fisch wurde vor einigen Jahren erst wiederentdeckt und seitdem von der Emschergenossenschaft in zahlreiche bereits renaturierte Gewässer im Emschersystem ausgesetzt. Ein Erfolgsmonitoring zeigte im Anschluss, dass die Population sich in der Tat vermehrt hat – die Wiederansiedlung ist damit geglückt.

Ab Juli wird die Emschergenossenschaft die Sohlschalen entfernen und dem Bach zwischen den Städten Bottrop und Gladbeck wieder ein naturnahes Profil schenken.

Die Emschergenossenschaft 

Die Emschergenossenschaft ist ein öffentlich-rechtlicher Wasserwirtschaftsverband und wurde 1899 als erste Organisation dieser Art in Deutschland gegründet. Ihre Aufgaben sind unter anderem die Unterhaltung der Emscher, die Abwasserentsorgung und -reinigung sowie der Hochwasserschutz. Seit 1992 plant und setzt die Genossenschaft das Generationenprojekt Emscher-Umbau um, in das über einen Zeitraum von rund 30 Jahren prognostizierte 5,266 Milliarden Euro investiert werden. Diese Kosten werden zu rund 80 Prozent von den Mitgliedern der Emschergenossenschaft getragen, d.h. von Bergbau, Industrie und Kommunen. Knapp 20 Prozent steuern das Land NRW und die EU über Fördermittel bei.

Voraussichtlich Ende 2020 soll die Emscher, einst der „dreckigste Fluss Europas“, weitestgehend wieder vom Abwasser befreit sein und – wo der Platz es zulässt – naturnah umgestaltet werden.
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Sabine Hegemann aus Essen-Steele | 29.04.2018 | 08:34  
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