Auch im Himmel wird gespart ...

Der Weg ist das Ziel ...

Es hatte aufgehört zu schneien, denn Frau Holle war gewerkschaftlich organisiert. Und schließlich waren die paar Weihnachtstage kein Grund für sie, Sonderschichten einzulegen. Außerdem hatte sie ja noch bis zum Jahreswechsel angefallene Überstunden abzufeiern. Selbst das sonst übliche Abendrot war nicht zu sehen. Die himmlische Weihnachtsbäckerei war von der Konkurrenz übernommen worden. In der Hölle brannte eh Tag und Nacht ein riesiges Feuer, da kam es auf ein paar Backbleche auch nicht mehr an. Auch war der Stundenlohn der einfachen Engel in unermessliche Sphären gestiegen – einfach, weil es kaum noch Nachwuchs gab. Über die Gehälter und Abfindungen der Erzengel möchte ich lieber schweigen.

Auch war es stockfinster am Firmament. Kein einziges Sternlein brannte. Der himmlische Strom war abgeschaltet worden, weil irgendwelche Netzbetreiber aus der Unterwelt mehr Kohle einsacken wollten, als sie verbrennen konnten. Und Atomstrom durfte auf gar keinen Fall eingesetzt werden. Der komplette Himmel hätte ja ins Universum fliegen können. Nicht auszudenken. Einzige Ausnahme war der Stern über Bethlehem, er wurde mit einem Meteoren-Notgerät zum Leuchten gebracht, um aus dem Mittleren Osten die reichen Könige mit ihren prall gefüllten Schatullen anzulocken.

Das größte Problem unseres Weihnachtsmanns war aber der stark ausgedünnte Himmelsfuhrpark. Wir wollen uns ja nichts weiß machen, es gibt in Wirklichkeit nicht nur einen einzigen Weihnachtsmann für die ganze Erde. Er hat natürlich sehr viele Kollegen, alleine schon wegen der unterschiedlichen Sprachen und Verkehrsregeln in den Einsatzregionen. Seit jedoch viele Grüne und Tierschutzanhänger sogar im sonst konservativ besetzten Himmelsparlament ein gewichtiges Wort mitzureden hatten, waren alle Rentiere und Hirsche abgeschafft worden, weil es ihnen nicht zugemutet werden konnte, die schweren Weihnachtsschlitten zu ziehen. Obwohl diese Prozedur nur einmal jährlich stattfand, sprach man von grober Tierquälerei. Alle Rens und Hirsche wurden schmerzfrei und artgerecht geschlachtet und zu ökologisch unbedenklichem Hunde- und Katzenfutter verarbeitet, in handliche Päckchen abgewogen und mit vergoldetem aber recyceltem Geschenkpapier eingewickelt. Nur die weißen Himmelstauben blieben verschont, denn Frieden auf Erden war noch lange nicht in Sicht. Man gab da oben die Hoffnung noch nicht auf und fütterte die fliegenden Boten unter dem Konto „Friedenstauben“ erst mal weiter durch.

So kam es also, dass sich unser Weihnachtsmann zu Fuß den Weg durch den tiefen Schnee bahnte, den Frau Holle an den Vortagen ausgeschüttelt hatte. Der Sack auf seinem Rücken war längst nicht so schwer wie früher. Die meisten Kinder bestellten sich ihre „Geschenke“ selbstständig im Internet – und die Großen schenkten sich gegenseitig sowieso nichts mehr. Sie hatten ja schon alles – und das im Überfluss.

Also stapft der für unsere Region eingeteilte Weihnachtsmann pfeifend durch den urdeutschen Tannenwald, der nur noch nicht abgeholzt ist, weil er mit Pestiziden derart verseucht wurde, dass man seine Bäume nicht ins Haus stellen kann. Schon gar nicht, wenn Kleinkinder in einer selbst gebastelten Krippe unter ihm liegen könnten.

Und wenn er sich nicht verläuft, wird der Weihnachtsmann auch bald vor deiner Tür stehen und sein Päckchen abgeben, sich anschließend die kalten Finger reiben und Dir eine frohe und regenfreie Weihnacht wünschen …

Dann lass Dich nicht lumpen, lass Dich nicht durch seine Verkleidung täuschen. Er ist ein Mensch wie Du und ich. Auch sein Arbeitsplatz steht auf der Roten Liste. Und sein Asylrecht läuft in Kürze ab. Zeige dein Herz – auch schon für eine warme Suppe wird er Dir dankbar sein.

© Cartoon und Text: G. Lambert, 2012

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