Von der Wiese ins Rathaus: Ehemaliger Gocher Bauamtsleiter macht Kunst mit alten Weidepfählen

Wenn er noch einmal auf die Welt käme, würde er Schreiner werden, sagte Paul Goossens, der vom Werkstoff Holz absolut begeistert ist.Fotos (2): Steve
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Dreckig, verwittert, modrig, alt und mitunter noch voller, kleiner Tiere, wie Weidepfähle eben so sind, wenn sie jahrelang Wiesen und Felder abgegrenzt haben, und dann unter Umständen auf dem Feuerhaufen landen. Dass es nicht so weit kommt, und diese stattdessen eine neue Verwendung finden, liegt an Paul Goossens: Der Gocher macht daraus feingeschliffene Kunst. Und die zeigt er ab dem 11. Oktober in seiner Ausstellung "Ästhetische Formen" im Gocher Rathaus.

VON FRANZ GEIB

Goch. Die Kunstwerke, die Paul Goossens in seiner Werkstatt fertigt, gehören zum Niederrhein wie der weite Blick. Wenn dieser über die saftigen Ebenen streicht und sich irgendwo im Nirgendwo verliert, tangiert er automatisch das Material, das der Gocher für seine Werke am liebsten hat.
Dabei fallen sie den meisten kaum noch auf, denn die Weidepähle sind niederrhein-typisch, also selbstverständlich, obwohl sie immer weniger werden. Bei Paul Goossens, dem ehemaligen Bezirksleiter im Gocher Bauamt, kehren die rauen, durch Wind und Wetter zerklüfteten Holzstämme neu ins Bewusstsein, als kunstvoll gestaltete Stelen, die Namen tragen wie "Trinity" (Dreifaltigkeit), "Hommage an Langenberg" oder "Kleiner Felsen".
Etwas mehr als zehn Jahre ist es mittlerweile her, dass der 66-jährige Gocher die Kunst mit Weidepfählen für sich entdeckt hat: "Es war purer Zufall als ich auf einem Bauernhof sah, dass der Landwirt seine Pfähle zu Kaminholz machen wollte." Vom "wunderbaren Muster", das die Holzstämme in den langen Jahren auf ihrer Oberfläche bildeten, angetan, schwatzte Goossens dem Bauern einige Pfähle ab, um daraus vier Stelen, "als Ersatz für einen Adventskranz", herauszuarbeiten.
Begeistert vom Prozess der sich durch sägen, schleifen, schmirgeln, bohren anbahnenden Veränderung, entstanden in den zehn Jahren weitere Kunstwerke, darunter "auch kompliziertere Sachen". Vom Künstler Alexander Danov in die Kunst des "Goldenen Schmitts" und der 1/3-, 1/5- und 1/7-Einteilung eingeführt, wagte sich Paul Goossens an "ästhetischere Formen" veränderte die Holzstämme kunstvoll, ohne ihren Charakter zu verwischen: "Je nach Art der Balken wusste ich schon vorher, welche Form sie anschließend bekommen sollten." Die Ideen kamen dem ehemaligen Leiter aus dem Gocher Bauamt oftmals in der Nacht. Wenn er dann wieder nicht einschlafen konnte und sich aus dem Schlafzimmer schlich, wusste seine Gisela, mit der Goossens seit über 40 Jahren glücklich verheiratet ist, schon Bescheid. Mit "Hast du wieder eine Idee?" begab sich der gelernte Schornsteinfeger in die Küche und skizzierte die Form des künftigen Kunststücks auf Papier.
Wenn er sich dann schließlich an die Arbeit machte, musste sich Paul Goossens erstmal sprichwörtlich "aus dem Staub machen", denn seine Werke sind echte Drecksarbeit, die der Gocher nur außer Haus auf einem benachbarten Bauernhof erledigen kann. Denn sobald er die Schleif- und Fräsmaschinen ansetzt, überzieht der Nebel des Bauens den Raum: "Ohne Mundschutz und Schutzbrille geht da gar nichts, das kann ich zuhause nicht machen." Ehefrau Gisela kann ein Liedchen davon singen, wenn wieder mal ein Pullover Form und vor allem Farbe dauerhaft verändert hat ...
In seiner Ausstellung im Gocher Rathaus-Foyer, die vom 11. Oktober bis zum 26. November dauern wird, stellt Paul Goossens 15 Skulpturen und 24 Schwarz-Weiß-Fotografien weiterer Werke aus. Fast alle Werke haben einen Namen, doch soll der Besucher der Ausstellung sich in der regel selbst ein Bild davon machen: "Das einzige Werk, das ich erklären werde, ist die 'Lebenssonne'. Alle anderen sollen die Gäste interpretieren."
Die Begrüßung am Eröffnungstag, es ist ein Mittwoch, wird Bürgermeister Ulrich Knickrehm vornehmen, die Einführung in die Ausstellung der Leiter des Gocher Museums, Dr. Stephan Mann. Er war es übrigens auch, der Paul Goossens dazu ermunterte, seine Kunst der Öffentlichkeit zu präsentieren.
Goossens, der in seinen 37 Jahren bei der Stadt Goch zumeist Bauanträge der Güocher Bürger und Unternehmer prüfte, kehrt mit seiner Ausstellung wieder in sein zweites Zuhause zurück: "Ich habe meine Arbeit im Rathaus geliebt, und mich dort richtig wohl gefühlt." Aus diesem Grund trägt die Ausstellung die Überschrift "Paul Goossens - Ästhetische Formen" - Nach mehr als fünf Jahren zurück ins Rathaus". In den Werken finden auch Materialien aus Metall, wie hier Rispenbänder, oder auch Keramiken Verwendung. Dankbar ist der Gocher auch den vielen Unterstützern, die seine Arbeit mit ihrem Know-how förderten. Oftmals durfte Goossens auf den Rat befreundeter Schreinerbetrieben oder Metall-Werkstätten zurückgreifen. Danke

Wenn er noch einmal auf die Welt käme, würde er Schreiner werden, sagte Paul Goossens, der vom Werkstoff Holz absolut begeistert ist.Fotos (2): Steve
Autor:

Franz Geib aus Goch

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