Das Vereinsleben liegt brach - was bedeutet das für die kommunale Gemeinschaft?
Wege in ein neues „Normal“ in der kommunalen Gemeinschaft

Corona Hygieneregeln nehmen Einfluss auf das Verhaltens in der Gemeinschaft. Sie beeinflussen weite Elemente interaktiver gesellschaftlicher Prozesse. Auch Kommunikation verändert sich. Persönliches Kennenlernen und Einschätzung des Gegenüber in der Kommunikation von Veranstaltungen sind begrenzt und die Alternativen haben neu Facetten..
Gewohnte grundlegende gesellschaftliche Prozesse, die zur Orientierung, zur Führung, zum Lernen, zur Anleitung oder einfach dem individuellen oder gemeinschaftlichen sozialen Ausgleichs dienen, sind temporär ausgesetzt bzw. verändern und verlagern sich.
Das Vereinslebens steht weitgehend still, keine Möglichkeit sich in der Öffentlichkeit als Gleichgesinnte zu treffen, Bindungen zu bestätigen oder neue Bindungen aufzubauen.
Sportveranstaltungen, Wettkämpfe und Training sind auf regionaler und kommunaler Ebene ebenfalls ausgesetzt oder mit hohen, für viele Vereine nicht erfüllbaren Auflagen, verbunden.
Traditionelle Kulturveranstaltungen werden derzeit und auf absehbare nur noch vereinzelt auf Sparflamme und begrenzt in neuen Formaten angeboten.
Der ungezwungene Treff an der Theke in der Gastronomie fällt komplett aus. Analoges Netzwerken ist eingeschränkt, viele Menschen agieren und tauchen in Sozialen Medien, Foren und Chatrooms ab, um sich zunehmend digital auszutauschen.
Wir stellen jedoch fest, dass uns der „analoge“ Austausch und die Interaktion mit Freunden und Bekannten bei den diversen Formen organisierter Massenevents aber auch formale Zusammenkünfte fehlen. Was damit auch fehlt, ist ein Medium mehrheitlicher Abstimmungen und die Koordination von Stimmungslagen und Meinungsbildung im direkten Aufeinandertreffen.
Was dieser Zustand mittel – und langfristig mit dem gesellschaftlichen Zusammenleben und dem gesellschaftlichen „Klima“ insgesamt macht, ist nur zu erahnen.
An welchen Schrauben kann man diesbezüglich auf kommunaler Ebene versuchen zu drehen?
Es geht darum jetzt und nicht erst zum Zeitpunkt einer unbestimmten kompletten Öffnung, wieder Angebote der direkten Kommunikation zu ermöglichen und die Träger bei der Umsetzung der dabei notwendigen Auflagen zu unterstützen.
Event- und Gastronomiebranche sind wichtige „enabler“ oder „Ermöglicher“, um passende Event-Angebote zusammen mit den Kulturschaffenden und Vereinen unserer Gemeinde in der Kategorie „hygieneregelkonform“ gemeinsam neu zu entwickeln und umzusetzen.
„Massenveranstaltungen mit und nach Corona“ bedeuten, Events im kleineren Format mit flexiblen Wiederholungsoptionen aufzusetzen, um so ggf. auch wieder die notwendige Reichweite zu erzeugen. Der Spagat, der dabei von allen Beteiligten gegangen werden muss, liegt zwischen einem neuen Kulturerlebnis und dem Bewusstsein und der Disziplin, dabei neue Vorgaben und Regeln zum Schutz der Gemeinschaft zu akzeptieren.
Vereine werden zukünftig noch viel mehr und noch konsequenter auf Kooperation, Synergien und Zusammenarbeit in vielen Segmenten setzen müssen. Dabei die eigene Identität nicht zu verlieren, um die Vielfalt in der kulturellen Prägung unserer Gemeinde zu erhalten, ist ein wesentlicher Aspekt. Beides geht zusammen – wenn man neue Wege finden will.
Geld spielt zwar dabei ein wichtige, aber nicht unbedingt die wichtigste Rolle. 
Das wichtigste Gut der Kulturlandschaft und der Vereine in der Kommunen sind die Menschen und Mitglieder, die sich ihnen anschließen und sich in ihnen organisieren. Bescheidener neu anfangen, um den ideellen Wert einer Vereinsgemeinschaft wieder deutlicher zu erkennen, ihn schätzen zu lernen und mit Engagement zu unterstützen. Weniger Event ist dabei in naher Zukunft vielleicht sogar mehr. 
Es geht wohl auch darum, die Erwartungshaltung und Motivation aller Beteiligten neu zu justieren, Veränderung zu akzeptieren, neue Wege zu gehen und den Verein und die Gemeinschaft nicht primär nur als Zweck und Mittel zu betrachten, persönliche Bedürfnisse zu befriedigen. Neben dem Nehmen, sollte zukünftig in den Gemeinschaften wieder mehr das Geben (nicht unbedingt im materiellen Sinne verstanden) im Vordergrund stehen.
All dies ist meine persönliche, für Viele vielleicht zu naive Vorstellung, wie man kollektiv in diversen Bereichen pragmatisch eine neue Normalität, im überschaubaren Gestaltungsrahmen einer Kommune wiederfinden oder herstellen kann.
Abwarten und darauf vertrauen, dass dies ein Anderer für einen tun wird, ist ein Trugschluss, der die Zeitlinie bis zur neuen Normalität nur unnötig verlängern wird. Machen und anpacken ist jetzt angesagt - je mehr und kreativer desto besser.

Autor:

Helmut Rother aus Goch

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